Hochschule

„Ingenieurwissenschaften sind bestens gerüstet“  

„Wir befassen uns intensiv damit, wie die Hochschulen hier Abhilfe schaffen können.“

Wintermantel: Zu einem so tief greifenden Veränderungsprozess gehört wohl, dass nach einer ersten Phase der Reform Anpassungsschwierigkeiten auftreten. Derzeit werden in der öffentlichen Diskussion die jetzt noch bestehenden Schwierigkeiten und nicht die schon erreichten Ziele in den Vordergrund gestellt. Dabei kommt es, wie gerade bei dem Thema Abbrecherquote, mitunter zu verzerrten Darstellungen. So in Berichten über eine Studie der Hochschul-Informations-System GmbH: Tatsächlich zeigen die Daten, dass die Abbrecherquote an den Hochschulen zurückgegangen und nicht, wie in den Medien verbreitet, angestiegen ist. In den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften ist sie von 27 % im Jahr 2004 auf 10 % im Jahr 2006 gesunken – eine ermutigende Entwicklung. Dass allerdings die Abbrecherquote in den Bachelorstudiengängen in den Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften gestiegen ist und dies vor allen Dingen in den Fachhochschulen, das sehen wir mit Sorge. Wir befassen uns derzeit intensiv damit, wie die Hochschulen hier Abhilfe schaffen können. Auch die flexiblere Nutzung des Bologna-Rahmens von fünf Jahren für Bachelor und Master ist ein Thema, das gerade unter dem Gesichtspunkt der Integration von Praxis- und Auslandssemestern nochmals diskutiert werden sollte.

VDI nachrichten: Zum einen heißt es, der europäische Hochschulraum solle vergleichbare Studienstrukturen aufweisen, andererseits sollen die Hochschulen eigene Profile entwerfen. Leidet darunter nicht die gewünschte Übertragbarkeit von Studienleistungen und die größere Mobilität der Studierenden?

Wintermantel: Nein, Diversität und vergleichbare Strukturen gehören zu einem leistungsfähigen europäischen Hochschulraum. Die Übertragbarkeit von Studienleistungen wäre in der Tat am einfachsten, wenn überall das Gleiche gelehrt würde, aber Qualität entsteht erst, wenn jede Fakultät das Studium anbietet, das sie am besten leisten kann. Insofern kann es nicht um Gleichheit gehen, sondern um gemeinsame Strukturen, die den Vergleich unterschiedlich profilierter Studiengänge erleichtern.

VDI nachrichten: Der Deutsche Hochschulverband kritisiert, die Verschulung des Studiums mit „haarklein festgelegten Modulen“ führe zu einem Scheuklappenstudium, das den Blick nach rechts und links verstelle.

Wintermantel: Ich halte ebenfalls nichts von zu stark festgelegten Studiengängen und schon gar nichts von einem Scheuklappenstudium. Die Modularisierung macht es uns leichter, die im Studiengang angestrebten Lernergebnisse klar zu formulieren und daraufhin die Studienbestandteile zu einem stimmigen Ganzen zusammenzusetzen. Am Auftrag der Hochschulen ändert das nichts. Sie machen es sich auch weiterhin zur Aufgabe, nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Problemlösungen in der Gesellschaft der Zukunft zu qualifizieren.

VDI nachrichten: Sind die Hochschulen den Reformprozess mit falschen Vorstellungen angegangen?

Wintermantel: Die Hochschulen haben von Anfang an gewusst, und dies auch deutlich gemacht, dass die Bologna-Reform eine tief greifende Veränderung des gesamten Studiums bedeutet, die mit Klugheit, Verantwortung gegenüber den Studierenden und auch mit Augenmaß gestaltet werden muss. Diese gesamte Reform soll kostenneutral in überschaubarer Zeit und von allen akzeptiert durchgeführt werden. Das ist wirklich eine riesige Herausforderung an alle Beteiligten, und es gibt leider genügend Leute, die diese Dimension verkennen und die Reform einfach schlechtreden.

VDI nachrichten: Welche Veränderungen sind nötig?

Wintermantel: Die finanziellen und rechtlichen Bedingungen müssen den hohen Anforderungen an die Reform angepasst werden. Dazu wäre der Hochschulpakt ein guter Rahmen gewesen, auch um die Ausfinanzierung der Bologna-Reform länderübergreifend abzusichern. Leider ist dies nicht erfolgt. Bei den rechtlichen Regelungen sollte vor allen Dingen das Kapazitätsrecht überarbeitet werden, das in seiner Starrheit derzeit eine echte Qualitätsentwicklung behindert.

VDI nachrichten: Welche positiven Effekte sehen Sie im Zuge der Reformen?

Wintermantel: Die Hochschulen modernisieren sich rasant. Sie geben sich effektivere Organisationsstrukturen und erneuern ihr gesamtes Studienangebot, um den Studierenden zukunftsfähige Qualifikationen mitzugeben. Qualitätsentwicklung wird zur zentralen Aufgabe in den Hochschulen. Und dieser Prozess ist international abgestimmt. Ein gemeinsamer europäischer Hochschulraum entsteht, der den Studierenden viele neue Chancen eröffnet.

VDI nachrichten: In Hessen werden die Studiengebühren wieder abgeschafft, während sich die Politik aus der Finanzierung zurückzieht und die Autonomie der Hochschulen predigt. Welche Folgen hat das für die Qualität der Lehre?

Wintermantel: Die Studienbeiträge verbessern die Lehre in den Hochschulen durch eine Reihe konkreter Maßnahmen spürbar. Fehlen die Studienbeiträge, brauchen die Hochschulen andere Quellen. Die Länder müssen sich aber in jedem Fall ihrer Bildungsverantwortung stellen, indem sie den Hochschulen angemessene finanzielle und institutionelle Rahmenbedingungen schaffen.

VDI nachrichten: Haben Sie das Gefühl, dass der Reformprozess von der Politik als willkommener Anlass zum großen Bildungssparen angesehen wird?

Wintermantel: Die Bildungsreform als Sparmaßnahme zu nutzen, ist absurd, und ich denke, dass sich diese Einsicht auch in der Politik durchsetzt.

VDI nachrichten: Haben es die Ingenieurwissenschaften mit ihrer traditionell straffen Studienstruktur leichter, sich dem Reformprozess anzupassen?

Wintermantel: Die ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge waren schon immer gut strukturiert und arbeitsmarktnah. Sie sind im Reformprozess bestens gerüstet, wenn sie weiterhin den Kompetenzerwerb der Studierenden in den Mittelpunkt stellen.

VDI nachrichten: „Bachelor Welcome!“ heißt eine Initiative der Wirtschaft. Angesichts des Trends der Studierenden, den Master draufzusetzen, müsste es nicht besser „Master Welcome!“ heißen?

Wintermantel: Ich finde es hilfreich, wenn die Wirtschaft deutlich sagt, dass auch Bachelor-Absolventen für sie interessante Qualifikationsprofile mitbringen. Klar ist, dass künftig sowohl Bachelor- als auch Master-Absolventen gebraucht werden, und ich wünsche mir, dass sich Studierende künftig ohne Vorbehalte für ihren Weg entscheiden. An Studienangeboten der Hochschulen wird es nicht mangeln, und auch der Politik muss klar sein, dass sie die nötigen Voraussetzungen dafür schaffen muss. WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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