Hochschule

Ingenieurs-Schmieden formen Gründer

Deutschland ist arm an Rohstoffen. Deshalb ist es wichtig, dass universitäre Forschungsergebnisse schnell in Form von neuen Produkten und innovativen Dienstleistungen auf den Markt kommen. Wie der Transfer funktionieren kann, zeigen Beispiele der Technischen Universitäten in Aachen und München.

Damit sich Forschungsergebnisse in verwertbare Geschäftsideen ummünzen lassen, brauchen Hochschulen im Wesentlichen drei Einrichtungen: Entrepreneurship-Lehrstühle – sie bringen Studierenden unternehmerisches Denken und Handeln bei. Transferstellen – sie vernetzen gründungsinteressierte Forscher mit potenziellen Partnern und beraten in Fragen zu gewerblichen Schutzrechten. Und hochschulnahe Gründer- bzw. Technologiezentren – sie unterstützen angehende Unternehmer u. a. mit technischer Infrastruktur oder Büroräumen.

Zu den forschungsstarken Hochschulen in Deutschland zählen die RWTH Aachen und die TU München.

In Aachen beginnt die Gründerausbildung mit einer „Mobilisierung“. Malte Brettel, Leiter des Lehrstuhls für Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler, weist in seinen Vorlesungen immer wieder auf die Alternative zum Angestelltenverhältnis hin. „Unsere Aufgabe ist es, Studierende für das Unternehmertum zu interessieren und ihnen Kenntnisse zu vermitteln, die sie als Entrepreneure brauchen.“

Außerdem berichten erfolgreiche Entrepreneure aus der Region („local heroes“) mehrmals jährlich in Vorträgen über ihre Gründungserfahrungen. Als weiterer Baustein der Mobilisierung wird der internationale, mehrstufige Ideenwettbewerb „Idea to Product Europe“ in Aachen ausgerufen. Studentische Teams müssen darin Konzepte für eine kommerzielle Umsetzung innovativer Ideen entwickeln.

Auch an der TU München (TUM) lernen Studierende früh was es heißt, eine Firma zu gründen. Die Informationsangebote in Form von Vorlesungen und Seminaren sind fächerübergreifend.

Sobald aus der Idee ein marktnahes Produkt oder eine Dienstleistung werden soll, hilft die Technologietransferstelle „TUM ForTe“ unter Leitung von Alexandros Papaderos. Hier lassen Hochschulangehörige prüfen, ob sich ein Forschungsergebnis oder eine Idee in Kapital ummünzen lässt. „Speziell bei Ausgründungen aus der TUM sind wir Ansprechpartner zu den Themen Patente und Lizenzen. Wir betreuen zudem die TUM-Patentportfolios, handhaben die Beteiligungen der TUM an Ausgründungen und sind eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“, fasst Papaderos zusammen.

Das Patent- und Lizenzbüro bei „TUM ForTe“ prüft, ob Erfindungen wirtschaftliches Potenzial haben und übernimmt ggf. Patentanmeldungen sowie die damit verbundenen Kosten. Der Patent-fachmann rät Wissenschaftlern, sich frühzeitig von der Transferstelle beraten zu lassen. Es sei beispielsweise höchst problematisch, eine Erfindung zum Patent anzumelden, über die auf einer Konferenz bereits diskutiert wurde.

Regina Oertel, Dezernentin Technologietransfer, Forschungsförderung und Karriereentwicklung an der RWTH Aachen, mahnt zudem davor, blauäugig auf mögliche Investoren zuzugehen.

Sehen die Experten der Transferstellen Potenzial und soll aus einem wissenschaftlichen Forschungsergebnis ein Unternehmen entstehen, kommen die Gründerzentren ins Spiel. Helmut Schönenberger, Geschäftsführer des Zentrums für Innovation und Gründung „UnternehmerTUM“ an der TU München: „Wir schulen angehende Gründer beispielsweise in der Erstellung von Businessplänen, Vertriebs- und Marketingstrategien und im Aufbau von Kundenkontakten.“

Gründerzentren helfen dabei, aus der Erfindung ein marktfähiges Produkt zu entwickeln und mit potenziellen Geldgebern ins Gespräch zu kommen. Außerdem sind sie häufig mit Gründungsinitiativen in ihrer Region vernetzt und kennen sich mit Fördermöglichkeiten aus.

Ferdinand Heindlmeier hat den Sprung aus der Wissenschaft in den Chefsessel geschafft. Der Maschinenbau-Ingenieur von der TU München ist Mitgründer der Roding Automobile GmbH. Er lobt vor allem die gute Infrastruktur seiner Hochschule und die Unterstützung bei der Beantragung eines Gründerstipendiums aus dem Exist-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums. Gleichzeitig mahnt er: „Man muss sich als Gründer trotzdem selbst engagieren. Nur wer etwas anpackt, wird unterstützt“. SILVIA BERGMANN/sta

Von Silvia Bergmann/Stefan Asche
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