Technikunterricht

Ingenieure hinter dem Lehrerpult  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 23. 12. 05, ws – Technische Berufe leiden bei Jugendlichen unter einem Imageproblem und infolgedessen auch unter Nachwuchsmangel. Die CDU-geführte Landesregierung in Nordrhein-Westfalen will diesem Missstand mit einer Initiative begegnen, die Seiteneinsteigern – auch älteren Ingenieuren – den Weg zum Technik-Lehrer erleichtert. Günter Winands, Staatssekretär im Ministerium für Schule und Weiterbildung, erläutert das Projekt im Interview.

Winands: Nur wenige Wochen nach ihrem Amtsantritt ist es Schulministerin Barbara Sommer gelungen, 1000 zusätzliche Stellen für Lehrerinnen und Lehrer bereit zustellen. Nach der aktuellen Rückmeldung der Bezirksregierungen haben insgesamt 1034 Lehrkräfte ihren Dienst in den Schulen angetreten. Damit hat die Landesregierung in sehr kurzer Frist einen großen Beitrag zum Kampf gegen Unterrichtsausfall geleistet.

VDI nachrichten: Reichen diese Lehrer, um den Mangel in naturwissenschaftlich-technischen Fächern zu beheben?

Winands: Nein. Die Einstellung der von der Landesregierung in einer ersten Tranche versprochenen 4000 zusätzlichen Lehrerstellen reicht nicht aus, um den Bedarf an Lehrkräften für naturwissenschaftlich-technische Fächer zu decken. Wir haben es hier mit einem in vielen Jahren gewachsenen Problem zu tun, das aus diesem Grund auch nicht kurzfristig abstellbar ist. So dauert eine Lehrerausbildung für das Berufskolleg rund sechs bis sieben Jahre – somit wurden in den 90er Jahren langfristig betrachtet nicht die bedarfsgerechten Studienfachentscheidungen getroffen. Das wirkt sich jetzt aus. Zurzeit gibt es leider noch keine Anzeichen dafür, dass sich Studienanfänger vermehrt für Lehramtsfächer wie Informatik, Ingenieurwissenschaften oder Physik einschreiben. Somit sind wir in den nächsten fünf Jahren und wahrscheinlich darüber hinaus auch auf Seiteneinsteiger angewiesen.

VDI nachrichten: Können Sie Zahlen nennen, die den Bedarf in diesen Fächern beziffern?

Winands: Bei den Berufskollegs hängt der Bedarf sicher auch von dem konjunkturbedingten Angebot an Ausbildungsplätzen und vollzeitschulischen Angeboten ab. Dennoch wissen wir aufgrund des Ersatzbedarfs, dass wir bis 2010 rund 500 Lehrkräfte für Maschinentechnik, 250 Lehrkräfte für Elektrotechnik und 100 Lehrkräfte für die Fachrichtung Gesundheitswesen/-technik brauchen, die wir nicht mit originär ausgebildeten Lehrkräften decken können. Dazu kommt in den allgemein bildenden Fächern ein erheblicher Bedarf an Mathematiklehrern, allein 250 am Berufskolleg und 400 am Gymnasium, sowie Physiklehrkräften (100). Diese sind nicht aus der originären Lehrerausbildung zu erwarten.

Frage 4: Sie wollen mit einer Kampagne für diese Fächer begeistern. Warum ist eine solche Kampagne nötig? Leiden die technischen Berufe unter einem Imageproblem?

Winands: In der Tat stehen die naturwissenschaftlichen Fächer Physik, Chemie und Informatik weder in der besonderen Gunst von Schülern der gymnasialen Oberstufe noch von Studenten. Kurse in diesen Fächern werden mit abnehmender Tendenz gewählt. Dies führt auch dazu, dass unsere Wirtschaft nicht genügend Nachwuchs im Bereich der Ingenieurwissenschaften, Physik, Chemie und Informatik findet. Vor diesem Hintergrund bedarf es einer langfristigen Aufklärung für Schüler über Möglichkeiten und Chancen dieser Studiengänge. Die Landesregierung unterstützt diesen Wandel durch die Initiative „Zukunft durch Technik“.

VDI nachrichten: Sie wollen Lehrerkompetenzen mit einem Weiterbildungsprogramm „umschichten“. An welche Fächer denken Sie?

Winands: Ministerin Sommer hat angesichts des hohen Bedarfs an Lehrkräften in Mangelfächern die Absicht bekundet, auf gute Absolventen der Zweiten Lehramtsprüfung in weniger gefragten Fächern zuzugehen und diese Lehrkräfte nachträglich in den gesuchten Fächern nachzuqualifizieren. Wir nennen das „Sprinterstudium“. Angesichts des Bedarfs sind u. a. die Fächer Mathematik und Physik in der Diskussion. Welche Resonanz dies bei Lehramtsabsolventen haben wird, wissen wir noch nicht. Uns liegen bundesweit keine Erfahrungswerte vor. Sollte die Akzeptanz gut sein, kann diese Weiterbildung in den nächsten Jahren sicherlich ausgebaut werden.

VDI nachrichten: Seiteneinsteigern soll es ermöglicht werden, sich für Fächer wie Maschinentechnik und E-Technik zu qualifizieren. Welche Profile müssen diese Quereinsteiger haben?

Winands: Unterricht in den studierten Fächern zu erteilen ist natürlich die Hauptaufgabe von Lehrern. Besonders an Berufskollegs liegt das Gewicht des Fachstudiums traditionell stark im Unterricht als Vorbereitung auf die Berufsarbeit. Wer mit einem abgeschlossenen Studium die erforderlichen fachlichen Kenntnisse nachweist, erfüllt eine wesentliche Voraussetzung. Aber die künftigen Lehrer müssen auch erzieherische und pädagogische Aufgaben mit Freude übernehmen. Diese zentralen Anforderungen stellen wir auch an interessierte Seiteneinsteiger. Die erziehungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Kompetenzen schulen wir während einer zweijährigen berufsbegleitenden Ausbildung.

VDI nachrichten: Gilt dies nur für berufs- oder auch für allgemein bildende Schulen?

Winands: In Nordrhein-Westfalen werden wir in den nächsten Jahren auch an Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien Lehrer für ganz bestimmte Unterrichtsfächer benötigen, die nicht über die originäre Lehrerausbildung kommen.

VDI nachrichten: Wie sähe eine solche Umschulung aus?

Winands: Unsere Schulen schreiben die Stellen für Seiteneinsteiger aus und entscheiden sich für die Person, die die besten Aussichten bietet, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Wer eine Stelle erhalten hat, absolviert den berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst, der zwei Jahre dauert. Während dieser Zeit werden die angehenden Lehrkräfte bereits als Angestellte beschäftigt und nach dem für Hochschulabsolventen üblichen Tarif bezahlt. Nach Abschluss der Ausbildung haben sie eine langfristige, sichere Perspektive an unseren Schulen. W. SCHMITZ

Schulen wählen Lehrer-Kandidaten selbst aus

Von W. Schmitz

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