Studium 27.03.2013, 10:18 Uhr

„Ingenieurausbildung ist für uns eine zentrale Aufgabe“

Die hohen Abbrecherquoten in den Ingenieurwissenschaften und die Beratung von Schulabgängern bei der Wahl von Uni und Studienfach sind wichtige Themen, mit denen sich die Bildungsexperten des VDI beschäftigen. Die Aufgaben und Wünsche, die an den VDI herangetragen werden, schildert Markus Finck, Ressourcenmanager im Bereich Beruf und Gesellschaft.

VDI nachrichten: Der VDI fordert eine Exzellenzinitiative für die Lehre. Der VDI-Bereich Beruf und Gesellschaft hat sich auf diesem Gebiet personell verstärkt. Welcher Aufgabenbereich soll abgedeckt werden?

Finck: Die aktive Begleitung und Gestaltung der Ingenieurausbildung in Deutschland ist eine zentrale Aufgabe des Bereiches Beruf und Gesellschaft. Ein Ziel ist die deutliche Absenkung der Abbrecherquoten. An einigen Hochschulen bricht die Hälfte der Studierenden ihr Studium vorzeitig ab – insbesondere in frühen Phasen. Das verschärft die Situation am Arbeitsmarkt. Wir fordern eine Halbierung der Abbrecherquoten. Dies kann nur durch ein Bündel an Maßnahmen erreicht werden und ist auch der Grund für eine personelle Verstärkung in unserem Bereich.

Markus Finck, VDI

Markus Finck, VDI

Foto: VDI

Zudem haben wir festgestellt, dass wir mit den bestehenden Ressourcen den hohen Nachfragebedarf der Studierenden und Studierwilligen nach Beratung kaum noch stemmen konnten. Deshalb haben wir die Studien- und Studierendenberatung personell aufgestockt und gestärkt.

Wie sieht die Zielgruppe aus?

Zum einen handelt es sich um eine Beratung, die zum Studium hinführt. Zum anderen wird es Aufgabe sein, die Beratung für Studierende auf- und auszubauen. Dabei setzen wir auf das bereits im VDI vorhandene breite Bildungsnetzwerk, das weiter vergrößert wird.

Auf welchen Ebenen widmet sich der VDI dem Thema Ingenieurstudium?

Der Fachbeirat Ingenieurausbildung erarbeitet VDI-Positionspapiere und organisiert Veranstaltungen, so etwa den „Qualitätsdialog Lehre“. Wir kooperieren auf diesem Gebiet mit relevanten Institutionen wie dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft oder der Hochschulrektorenkonferenz. Ein zentrales Thema ist die Qualität der Hochschulausbildung. Zu beantworten sind die Fragen: Warum sind Abbrecherquoten an manchen Hochschulen hoch, an anderen niedrig, wo existieren Best-Practice-Beispiele, wo funktionieren welche Projekte? Wir wollen informieren und zum Dialog unter den Beteiligten, speziell unter den Dozenten, anregen. Dabei handelt es sich um eine Win-win-Situation.

Wir wollen natürlich auch von den Hochschulen lernen, die sich entweder über die ehrenamtliche Gremienarbeit oder über Formate wie den Qualitätsdialog Lehre einbringen. Nicht zuletzt diskutieren die Studierenden im VDI selbst über diese Themen. Bedarfe der Studenten und Jungingenieure im VDI fließen in die Gremienarbeit und Beratung ein. Im Bereich Beruf und Gesellschaft ist Beratung stark aufgestellt, seien es Angebote rund um das Thema Karriere, die Begleitung von Gründern auf dem Weg in die Selbstständigkeit oder wie beschrieben Beratungsangebote rund um Studienwahl oder das Studium selbst.

Mit welchen Fragen wenden sich Studierende und Studierwillige an den VDI?

Die Fragen nach der geeigneten Hochschule, nach einem möglichen Studienwechsel, nach dem Berufseinstieg mit Bachelor- oder Masterabschluss in der Tasche sind zentrale Themen, für die wir als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Die Bandbreite an Fragen ist immens. Bei Schülerinnen und Schülern schlägt das Pendel zwischen konkreten und sehr diffusen Vorstellungen aus. Viele Studierende sind häufig an sehr individuellen und speziellen Lösungen interessiert. Die bunte Vielfalt an Fragen zeigt, wie groß der Aufklärungsbedarf ist.

Eine Zielgruppe, die früher allgemein vernachlässigt wurde, sind die Frauen.

Auch in diesem Bereich hat sich der VDI breiter aufgestellt. Inzwischen engagieren sich über 400 Role Models als Multiplikatoren im Netzwerk MINTalente, um junge Frauen für naturwissenschaftliche und technische Studiengänge zu begeistern sowie Hochschulabsolventinnen für Karrieren in Wirtschaft und Wissenschaft zu gewinnen. Das ist ein gutes Beispiel für das Netzwerk, in dem Mitarbeiter in der VDI-Geschäftsstelle mit den ehrenamtlichen Ingenieurinnen vor Ort kooperieren.

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