Hochschule

„Industrienähe war früher suspekt“  

VDI nachrichten, München, 11. 7. 08, ws – Kontaktscheu und mangelndes Selbstvertrauen kann man der heutigen Bewerbergeneration nicht vorwerfen. Das war einmal anders. Studierende, die in feinstem Zwirn mögliche Arbeitgeber aufsuchen und dann auch Ansprüche stellen, waren vor 20 Jahren die große Ausnahme, wie ein Vergleich der Firmenkontaktmesse IKOM in München gestern und heute zeigt.

Ein Bewerbungsfoto ist zwar kein Muss mehr, aber mit einem guten Foto einen guten Eindruck zu machen, kann nicht verkehrt sein. Im klassischen Bewerber-Outfit sitzt Maschinenbaustudent Jan Mehring auf dem Fotoschemel und lächelt gezwungen in die Kamera. Wohl fühle er sich nicht in seiner „Verkleidung“, aber was sein muss, das muss sein. Zudem ist die Gelegenheit günstig: Der Foto-Service auf der IKOM ist für Studenten gratis.

Von Studenten für Studenten lautet schließlich der Grundgedanke des Karriereforums der TU München, auch wenn der erste Eindruck angesichts des auf CI getrimmten Erscheinungsbilds der ehrenamtlich tätigen 97-köpfigen IKOM-Crew ein anderer ist: Dunkler Anzug, weißes Hemd, lindgrüne Krawatte bzw. Halstuch bei den Damen – selbst das Personal am Stand einer großen Unternehmensberatung ist an diesem heißen Junitag 2008 legerer gekleidet, vom Gros der durch die Magistrale der Fakultät für Maschinenbau am Campus Garching flanierenden Studenten ganz zu schweigen.

Doch von solchen, dem Markengeist geschuldeten Äußerlichkeiten sollte man sich nicht täuschen lassen. „Oberstes Ziel ist es, den Studenten als starker Partner Orientierung beim Berufseinstieg zu bieten und Kontakte zu knüpfen“, sagt IKOM-Pressesprecher Michael Hörner.

Was einst als eintägige „verdichtete Informationsmeile“ von 25 mehr oder minder großen Firmen auf dem TU-Stammgelände in der Münchner Innenstadt begann, hat sich mittlerweile zur größten studentischen Karrieremesse Süddeutschlands entwickelt.

Erstmals musste das Veranstalterteam dabei in diesem Jahr eine kleine Vorauswahl unter den rund 250 interessierten Firmen treffen. Die Grenzen des Wachstums sind definitiv erreicht, mehr als die 193 Firmen, die sich im Wechsel an drei Tagen dem studentischen Publikum präsentierten, kann die weitläufige „Magistrale“ der Fakultät für Maschinenwesen am Campus Garching nicht fassen.

Studentische Bedürfnisse werden daher künftig eine noch stärkere Rolle bei der Auswahl der Firmen spielen. Hörner: „Wir wollen uns auf Firmen konzentrieren, die interessant für Studenten sind.“ Die Gefahr, dass hier die großen Namen das Nachsehen haben könnten, besteht allerdings nicht. Audi, BMW, Porsche oder Daimler – „das zieht natürlich mehr, als wenn sich eine kleine Firma präsentiert“.

Die Großen suchte man in den Anfangszeiten der IKOM, damals noch „Industriekontaktmesse München“, freilich noch vergebens. „Daimler sagte damals: Was sollen wir in München, wir haben eh keine Bewerberprobleme“, erinnert sich IKOM-Gründungsmitglied Martin Löbbecke.

Das Desinteresse der Stuttgarter war kein Einzelfall, die Resonanz der Firmen generell gering. Denn Hochschulmarketing war auch in den heutigen Dax-Firmen oder bei großen Mittelständlern zur damaligen Zeit noch ein Fremdwort, personelle und organisatorische Strukturen dafür nicht vorhanden. „Das größte Problem war, den richtigen Ansprechpartner zu finden, da eigentlich niemand wirklich zuständig war. Entsprechend unterschiedlich war dann auch die Qualität des Standpersonals“, beschreibt Thomas Peither, auch er ein Mann der ersten IKOM-Stunde, die Anfangsbedingungen.

Doch auch auf Seiten der Studenten herrschte anfangs allenfalls verhaltenes Interesse. „Industrienähe war vor 20 Jahren schon fast suspekt. Auch andere Fachschaften waren von der Idee nicht begeistert“, erzählt Peither. Und überhaupt: „Dass jemand im Anzug oder gar mit einer Bewerbungsmappe auf die Messe kommt, wäre damals völlig undenkbar gewesen.“

Die Zeiten sind definitiv vorbei. Rund 110 vorab vereinbarte Bewerbungsgespräche fanden diesmal in einem eigens dafür vorgesehenen Raum statt, berichtet Hörner stolz, etwa 10 000 Studierende informierten sich an den Ständen über Praktika, Jobs und Karrierechancen.

„Manche Firmen ziehen ihr gesamtes Neupersonal von der IKOM,“ sagt Hörner. Oder ihren Töchtern, denn die Stammveranstaltung wurde mit der IKOM-Life-Science und der IKOM-Bau mittlerweile um zwei eintägige Foren erweitert.

Engagiert und perfekt organisiert, lautet das Urteil der Aussteller, die sich vom „super Service“ (einschließlich jederzeit verfügbarem Shuttle-Dienst), der „Professionalität in der Betreuung“ und der „Respekt einflößenden Leistung“ begeistert zeigten.

„Die IKOM ist eine unserer zentralen Maßnahmen, um an Leute zu kommen“, bestätigt etwa Hannes Wimmer, Leiter der Hauptabteilung Reaktorkern und Anlagendynamik beim TÜV Süd, den Stellenwert der Messe. Aber auch die weniger bekannten Mittelständler profitieren. „Der Zulauf an Studenten ist extrem gut“, sagt Andreas Rybarczyk, Leiter Technik und Planung beim Automobilzulieferer ACP in Penzberg. Nachwuchs rekrutieren ist für ihn das eine Ziel, wichtiger ist ihm aber herauszufinden: „Was sind die Fragen, die Studenten heute haben? Was fehlt vielleicht in der Ausbildung?“

HERTA PAULUS

Von Herta Paulus

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