Hochschule

In internationalen Teams die Welt erleben

Ein MBA-Studium an einer Business School wie der Kellogg Graduate School bedeutet für den jungen Ingenieur, vorerst auf einen Arbeitsplatz zu verzichten, vor allem aber harte Arbeit. Der Autor des Beitrags beschreibt seine Erfahrungen aus dem ersten Studienjahr.

Und wenn Ihr jemandem über Eure Erfahrungen in Kellogg erzählt, sagt bitte nicht nur, wieviel Spaß Ihr habt, sondern auch, wie hart Ihr arbeiten müßt“, meinte Dean Jacobs, Dekan der Kellogg Graduate School of Management, im September 97 in einer Willkommensrede für die „1st Years“, die natürlich Erwartungen weckte. Die Schule, die bisher immer noch als die Marketing-Schule unter den Business Schools gilt, arbeitet hart daran, ihren Markennamen in Europa zu etablieren, unterstützt durch Austauschprogramme mit der London Business School und der WHU in Koblenz.
Nach einem Jahr MBA-Erfahrung bzw. MM, wie der Abschluß für den „Master in Management“ an der „Northwestern University“ nördlich von Chicago abgekürzt wird, ist klar, was er damit gemeint hat. Es muß hart gearbeitet werden. Aber die teamorientierte Kultur in Kellogg macht es insbesondere für ausländische Studenten einfacher, sich an die neue Umgebung und den amerikanischen Lehrstil zu gewöhnen. Ich habe nach diesem ersten Jahr Freunde aus allen Ecken dieser Welt.
Nach dreieinhalb Jahren angewandter Forschung als Chemieingenieur an einem Fraunhofer-Institut in Deutschland, plötzlich alles hinter mir zu lassen und auf zwei Jahre Einkommen zu verzichten, war keine leichte Entscheidung. Aber die Aussicht, im Ausland zu leben, neue Kulturen kennenzulernen und gleichzeitig einen praxisorientierten Crashkurs in Management zu absolvieren, waren die ausschlaggebenden Gründe für meine Bewerbung.

Wichtig: Renommierte Schulen berücksichtigen

Eineinhalb Jahre dauerte der gesamte Bewerbungsprozeß vom Sammeln erster Informationen bis hin zum Beginn des Zwei-Jahres-Programms im September `97 an der Schule, die kürzlich noch als zweitbeste Business School nach Wharton vom Magazin „Business Week“ eingestuft wurde. Insbesondere jemand, der plant, seinen MBA später in Europa zu nutzen, sollte sich bei der Bewerbung auf die renommierten Schulen konzentrieren, da die Anerkennung eines MBA von unbekannten US-Schulen schwierig sein kann. Ein weiterer Grund ist die Perspektive nach dem MBA. Top-Schulen wie Harvard, Kellogg, Stanford und Wharton verfügen über Karrierezentren, die dem Studenten nahezu sämtliche Arbeiten, außer dem Interview, abnehmen. Es ist klar, daß das Interesse der Firmen an den Absolventen der Top-Schulen größer ist als anderswo. Als Deutscher sollte man jedoch nicht hoffen, allzuviel heimische Konzerne unter den rekrutierenden Unternehmen zu finden. Es ist leider immer noch so, daß hauptsächlich amerikanische Unternehmen für ihre Niederlassungen in Europa rekrutieren, wobei Unternehmensberater und Investmentbanker weit mehr als die Hälfte aller Absolventen einstellen. Als ich endlich einen deutschen Namen unter den rekrutierenden Firmen fand, stellte sich während der Präsentation heraus, daß der Chemieriese nur für den amerikanischen Markt rekrutiert. Deutsche bewerben sich doch bitte in Deutschland direkt, wo man dann mit großer Wahrscheinlichkeit in direkter Konkurrenz mit diplomierten Hochschulabsolventen steht. Unnötig zu betonen, daß man aufgrund seiner Gehaltsvorstellung (das durchschnittliche Gehalt eines Kellogg-Absolventen lag 1998 inklusive Unterzeichnungsbonus und anderen Vergütungen bei 138 000 Dollar) hier eher auf Unverständnis trifft. Daß sich allein die jährlichen Studiengebühren auf 26 000 Dollar belaufen, ist da Nebensache.
Nach einer positiven Antwort auf meine Bewerbung war die Entscheidung für Kellogg einfach. An dieser Schule steht das Team im Vordergrund, Einzelkämpfer und Selbstdarsteller haben es schwer. Die Schule hat eine internationale Ausrichtung durch Austauschprogramme mit weltweit zwölf renommierten Schulen. Der Wasserkopf ist in Kellogg sehr klein, da viele Aufgaben von den Studenten selber übernommen werden. Interviews, Vorauswahl der neuen Bewerber und Organisation von Konferenzen werden von den Studenten gesteuert und durchgeführt.
Sobald ein Student in Kellogg ankommt, geht er zunächst auf einen einwöchigen Abenteuertrip, der von fünf Studenten des Vorjahres geplant und geleitet wird. So lernt man in einem Team von ca. 20 Studenten Kommilitonen des eigenen Jahrgangs näher kennen, hat aber auch die Möglichkeit, die Erfahrungen der „2nd Years“ zu nutzen.
Anschließend kommt die Informationswoche vor Ort in Evanston mit den knapp 600 Studenten des Jahrgangs. In Klassen von ca. 60 Studenten lernen die Neuen die Grundlagen des Lebens und Studierens in Kellogg kennen. Offenheit und Neugier gegenüber anderen ist extrem wichtig. Man lernt sehr schnell, daß die Kommilitonen hier etwas Besonderes sind. Jeder hat irgendein Geheimnis, hat schon irgend etwas erreicht. Ob es sich dabei um einen professionellen Football-Spieler, einen mexikanischen Tequilafabrikanten oder um den Anästhesisten in der Reihe vor einem handelt. Fast alle Mitstudenten sprechen mehr als eine Sprache und haben bereits Auslandserfahrung. Berufspraxis ist eine Voraussetzung für den MM, wodurch man von den Mitstudenten mindestens genauso viel lernt, wie von den Professoren. Die größten Umstellungen für jemanden, der im deutschen Hochschulsystem aufgewachsen ist, ist der verschulte Lehrstil, aber auch das Dienstleistungsverständnis der Schule gegenüber dem Studenten.
Die Professoren sind sehr zugänglich und kennen spätestens nach drei Wochen jeden Studenten in der Klasse mit Vornamen. Mitarbeit im Unterricht wird verlangt und benotet, wobei hier die amerikanischen Studenten sicherlich am Anfang Vorteile gegenüber den meisten ihrer ausländischen Kollegen haben. Die Benotung hat allerdings insbesondere für internationale Studenten einen relativ geringen Stellenwert für die zukünftige Karriereperspektive, und durchzufallen ist nahezu unmöglich. Die eigentliche Triebkraft für die eigene Leistung ist weniger die Note als der gegenseitige Druck der Studenten, der durch die vielen Teamprojekte erzeugt wird. Im Normalfall hat man in Kellogg vier Klassen pro Quartal mit je zwei Vorlesungen wöchentlich. Da fast jede Vorlesung intensive Vorbereitungen verlangt bzw. Teamprojekte oder Fallstudien bearbeitet werden müssen, ist der Terminplan voll.
Im ersten Quartal hat man Zeit, sich an das Leben zu gewöhnen. Bereits jetzt verstopfen die ersten Anfragen von zukünftigen, potentiellen Arbeitgebern die Briefkästen, und es häufen sich die Einladungen zu Präsentationen, Cocktailempfängen und gediegenen Abendessen. Man wird regelrecht verdorben, und es ist schwierig, auf dem Teppich zu bleiben bei all dem Trubel, der um einen veranstaltet wird. Im zweiten Quartal beginnen die Interviews für den Sommerjob. Interviewtraining, Interviews und das Abwarten der Reaktionen lassen den eigentlichen Schulalltag in den Hintergrund rücken, bis endlich die Zusage der Wunschfirma eintrifft.

Nach dem Studium hat jeder Student mehr als drei Angebote

Nach dem dritten Quartal steht das Sommerpraktikum an. Eine gute Chance, wieder etwas Abstand von der Schule zu gewinnen und eine mögliche zukünftige Karriere zu erforschen. Der Sommerjob stellt auch eine wichtige Geldquelle für die Studenten dar. Er ermöglicht für viele Studenten das zweite Jahr zum größten Teil zu finanzieren.
Das zweite Jahr ist wesentlich entspannter. Nicht unbedingt hinsichtlich des Arbeitsaufwands, aber man weiß nun, wie das System funktioniert und hat seinen Freundeskreis aufgebaut. Die „2nd Years“ machen Platz für die „1st Years“, um die es sich in den folgenden Monaten hauptsächlich dreht. In einem letzten Kraftakt geht man erneut durch den Rekrutierungsprozeß für den endgültigen Job nach dem MBA. Im Gegensatz zur klassischen Bewerbung in Deutschland stehen hier 300 Firmen Schlange, um mit den Kandidaten Interviews durchzuführen. Am Ende hat jeder Student mehr als drei Angebote, aus denen er wählen kann.
Im Juni hat meine Klasse Graduierung, und dann heißt es für mich Abschied nehmen vom Studentenleben, von Chicago und, was am schwersten fällt, von vielen neuen Freunden. Ich werde nach Europa zurückkehren mit etwas mehr Fachwissen, viel mehr Lebenserfahrung und einer stark veränderten Sichtweise auf viele Dinge. Um nichts auf dieser Welt möchte ich diese Erfahrungen missen.
ACHIM HOFFMANN
Dr.-Ing. Achim Hoffmann studiert zur Zeit noch in den USA. Nähere Informationen über Kellogg Graduate School of Management, Northwestern University, Leverone und Andersen Halls, 2001 Sheridan Road, Evanston, IL 60208-2001.Internet: www.kellogg.nwu.edu oder E-Mail: admissions@kellogg.nwu.de

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