Hochschule

In Echtzeit von Potsdam nach Peking  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 28. 10. 05 – Der Potsdamer Informatikprofessor Christoph Meinel hält Vorlesungen für chinesische Studenten – über das Internet. Am Ende des Semesters begibt sich Meinel allerdings vor Ort, um mündliche Prüfungen abzunehmen.

Längst müssen Studierende nicht mehr zwangsläufig im Hörsaal sitzen, um einer Vorlesung zu folgen. Viele Professoren und Dozenten sind dazu übergegangen, ihre Vorlesungen ins Internet zu stellen. Über Software wie den „RealPlayer“ können die Vorlesungen auf den PC heruntergeladen und angeschaut werden. Der Vorteil für die Nutzer liegt auf der Hand: Sie können selbst bestimmen, wann sie eine Vorlesung hören. Auch können sie Abschnitte einer Vorlesung, die sie verpasst haben, problemlos nachholen. Das E-Learning oder Tele-Teaching gehört an vielen Hochschulen bereits zum Alltag.

Christoph Meinel, wissenschaftlicher Direktor des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam, geht noch einen Schritt weiter. Von diesem Wintersemester an bietet er eine Vorlesung in englischer Sprache für Studierende an der Technischen Universität in Peking. Die Vorlesungsreihe, die Meinel im Rahmen des regulären Lehrbetriebs an seinem Institut hält, wird aufgezeichnet und an den Server der Pekinger Hochschule übertragen. Dort können die Studenten der Vorlesung zu den dort üblichen Zeiten im Hörsaal folgen.

Meinel ist Professor für Internet-Technologien und -Systeme und kam vor einem Jahr von der Universität Trier nach Potsdam. Schon seit dem Sommersemester 2002 sind seine Vorlesungen nicht mehr nur im Hörsaal, sondern über das Internet für jedermann zu verfolgen. Er hat dafür die Plattform www.tele-task.de eingeführt, auf der unter anderem Vorlesungen über die technischen Grundlagen des World Wide Web, über Web-Programmierung und Sicherheitsprobleme im Internet heruntergeladen werden können. Auch ein Linux-Crashkurs steht dort zum Download bereit. Das Verfahren ist kostenlos. Nach Angaben des Harro-Plattner-Instituts verzeichnet die Website bereits 3,1 Mio. Zugriffe.

Seine Vorlesung für die chinesischen Studenten wird Meinel mit einer Einführung in die Grundlagen der Internet-Technologie beginnen. Der Themenschwerpunkt liegt bei Fragen der Sicherheit im Netz, von Netzwerkattacken bis zu Problemen bei E-Mails und der Übertragung von Files. Am Ende des Semesters wird Meinel vor Ort mündliche Prüfungen abnehmen und eine weitere Blockvorlesung halten. Rund 50 Studenten werden bis April dieses Programm absolvieren.

Nach Meinels Aussage gibt es in China Nachholbedarf beim Thema Internet-Sicherheit. Während die Begeisterung für das Medium groß sei, sei der technologische Aspekt in den Vorlesungen der Technischen Hochschulen bislang vernachlässigt worden. Für die Organisation seiner Vorlesungen in Peking wurde eigens eine Assistentin eingestellt. Bereits von Trier aus hat Meinel vor drei Jahren eine „Internet-Bridge Trier-Peking“ aufgebaut, über die er einzelne Vorlesungen nach China transferiert hat – mit großem Erfolg, wie Meinel bestätigt: „Einige Studenten haben trotz der Sprachschwierigkeiten die Vorlesungen sogar auswendig gelernt.“ Neu ist, dass die Vorlesungen aus Deutschland fest im Lehrplan der Pekinger Hochschule verankert sind.

Das Interesse der Chinesen an dieser Zusammenarbeit in Sachen World Wide Web ist groß. „Als ich mein Arbeitszimmer an der Pekinger Uni einrichtete, fehlte noch ein PC“, erinnert sich Meinel. „Als ich darum bat, stand nach zwei Stunden das Gerät gebrauchsfertig auf dem Tisch.“ Einschränkungen beim Internet-Zugang gäbe es nach seiner Beobachtung kaum: „Alle amerikanischen und europäischen Zeitschriften sind frei zugänglich. Zwischen dem, was offiziell gesagt wird, und dem, was privat gemacht wird, besteht ein Unterschied.“

Geradezu begeistert äußert sich Meinel über die Dynamik, die er in China heute wahrnimmt: „Früher musste man in die USA fahren, um Aufbruchstimmung zu spüren. Heute müssen Sie dafür nach China reisen.“

Eine Kommerzialisierung seiner Teleteaching-Aktivitäten plant Meinel nicht. So werden auch seine neuen Vorlesungen über Sicherheitsprobleme für alle Internet-Benutzer abrufbar sein. Ein Schwerpunkt seiner aktuellen Forschungen liegt bei der Archivierung und Indexierung der Vorlesungen. Ziel ist es, eine bessere Navigation zu ermöglichen und die Inhalte auch für Suchmaschinen erfassbar zu machen. Spürbare Verbesserungen bei der Spracherkennung erleichtern das Verfahren. Zudem werden die mitunter mehrstündigen Vorlesungen in kleine, ein- bis zweiminütige Abschnitte aufgeteilt, um ein schnelles Auffinden der gesuchten Stelle zu ermöglichen.

JOHANNES WENDLAND

 

Von Johannes Wendland

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