Hochschule

In Bochum hat ein Ingenieur das Sagen

Der neue Rektor der Ruhr-Universität hält mehr von deutlich definierten Zielen als von Visionen.

Das Rektorat an einer großen Universität zu übernehmen, erfordert in Zeiten knapper Kassen sowie neuer strategischer und marktpolitischer Orientierung ein starkes Rückgrat sowie eine gesunde Portion Wagemut. Prof. Gerhard Wagner besitzt diese Voraussetzungen. Mit großer Mehrheit wurde er jüngst zum neuen Rektor der Ruhr-Universität Bochum (RUB) gewählt. In den nächsten vier Jahren will der Ingenieurwissenschaftler mit seinem Rektoratsteam dafür sorgen, dass trotz aller finanziellen Engpässe genügend Freiräume für Forschung und Lehre bleiben.
Ingenieure an der Spitze großer Universitäten, die ein breites Fächerspektrum abdecken, sind selten. Gerhard Wagner wird deshalb aber keineswegs das Kunststück versuchen, aus der Ruhr-Uni eine Technische Universität zu machen. Bereits in den letzten beiden Jahren als Prorektor für Forschung und Wissenstransfer deutete der 56-jährige Professor für Maschinenelemente und Fördertechnik an, dass er die anderen Disziplinen keineswegs vernachlässigen wird. „Erst im Rektorat habe ich die großen Gegensätze an unserer Universität richtig kennen gelernt. Es war faszinierend, diese Vielfalt zu erleben. Das habe ich als Ingenieur gar nicht so gesehen.“
Vor großen Visionen hütet sich Wagner. „Es ist immer schön, welche zu haben, aber realisieren lassen sie sich dann meist doch nicht. Da bin ich als Ingenieur vielleicht etwas pragmatischer orientiert als andere.“ Klare Ziele hat er natürlich dennoch vor Augen. Das wichtigste sei, in allen Bereichen für ausreichende finanzielle Mittel zu sorgen, damit in Forschung und Lehre auf gewohnt hohem Niveau gearbeitet werden kann und die hohe Zahl der Sonderforschungsbereiche erhalten bleibt. Bei den Studiengängen gelte es, die Bachelor- und Master-Aktivitäten weiter voranzutreiben und den Bochumer Modellversuch in der Lehrerausbildung langfristig abzusichern. Was die Organisation im engeren Arbeitsumfeld angeht, will der Maschinenbauer den künftigen Prorektoren stärker als bisher Verantwortung übertragen. Das Rektorat solle zu einem echten Team zusammenwachsen, wozu auch räumliche Nähe gehöre.
Als Manager hat Wagner seine Klasse bereits unter Beweis gestellt – zuletzt als Geschäftsführer der MAN GHH Krantechnik in Heilbronn. Mit diesen Erfahrungen im Rücken war es folgerichtig, sich in der universitären Selbstverwaltung zu engagieren: Gleich nach Antritt seiner Professur wurde er Mitglied des Konvents der RUB, anschließend, von 1993-1995, Dekan seiner Fakultät weitere zwei Jahre hatte er dort das Amt des Prodekans inne, und seit 1990 vertrat er die Fakultät für Maschinenbau der RUB im bundesweiten Fakultätentag.
„Ich habe lange gezögert, als ich den Ruf der Ruhr-Universität erhielt“, erinnert sich Wagner, denn er habe sehr gern in der Industrie gearbeitet. „Irgendwann fragt man sich aber, ob man wirklich nur noch reine Managementaufgaben übernehmen möchte oder ob das fachliche Interesse nicht doch überwiegt“, erklärt der Absolvent der TU Darmstadt. Nach zwei weiteren Jahren als Geschäftsführer wäre er wohl nicht mehr in den Schoß der Wissenschaft zurückgekehrt.
Gerhard Wagner ist – wie sein Vater und inzwischen auch sein Sohn – mit Leib und Seele Ingenieur. Dabei wollte der in Nürnberg aufgewachsene Franke eigentlich Lehrer für Mathematik und Physik werden, aber seine Zeit als Ausbilder bei der Bundeswehr kurierte ihn nachhaltig von dieser Vorstellung. Er erkannte, dass es auf Dauer frustrierend sein kann, jungen Menschen etwas aufzudrängen, was sie offensichtlich nicht hören wollen. Der ehemalige Leutnant würde übrigens heute den Dienst verweigern oder sich dem Technischen Hilfsdienst anschließen.
Eine große Universität wie die RUB mit 37 000 Studierenden und rund 5000 Beschäftigten braucht einen Vollzeit-Rektor. Für Gerhard Wagner bedeutet das zwangsläufig, sich aus Forschung und Lehre weitgehend zurückziehen zu müssen. „Das ist das Einzige, was mich ein wenig traurig macht. Ein Minimum an Mitwirkung in der Forschung wird zwar bleiben und auch meine Vorlesung in der Fördertechnik versuche ich durchzuhalten, aber mein Lehrstuhl wird eine Vertretung erhalten.“ Da das Ende des Rektorats nicht fließend in den Ruhestand übergeht, wird Wagner auch weiterhin seine Industriekontakte pflegen. Der Ingenieur arbeitet in Gremien zur Normung im Maschinenbau, ist beispielsweise Chairman einer ISO-Arbeitsgruppe.
Angesichts der hohen Belastung soll Zeit zur aktiven Erholung bleiben. Damit seine Frau sich nicht nach einem neuen Partner für das gemeinsame Hobby umsehen muss, wird ihr Gerhard Wagner auch als Turniertänzer treu bleiben. „Das wird jetzt natürlich schwieriger, aber wir werden das schon durchhalten.“ M. BURAZEROVIC

  • Dr. Manfred Burazerovic

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