Hochschule

Im Geiste europäischer Bildungsideale

Sie ist nicht nur Stätte elitärer Ingenieurausbildung, ihre Vertreter behaupten auch, die französische Hochschule Eurecom sei ein zukunftsweisendes Modell europäischer Bildungsverflechtung.

Denkt man an Südfrankreich, wandern die Gedanken meist in Richtung Sonne, Urlaub und Strand. Nur wenige wissen, dass die Region auch einen der größten europäischen Forschungs- und Technologieparks beheimatet: Sophia Antipolis, 20 Autominuten von Nizza entfernt. Und noch weniger wissen, dass dort, wo 25 000 Spezialisten in rund 1300 Firmen arbeiten, eine elitäre Ingenieurhochschule ihren Sitz hat: Eurecom.
„Wir verstehen uns als Prototyp einer zukünftigen europäischen Universität“, beschreibt der Direktor Ulrich Finger die Ingenieur-Schmiede. Vor zehn Jahren startete das Projekt als Initiative der Hochschule in Lausanne und der Grande Ecole für Telekom in Paris. Ausgewählte Studenten der Unis sollten im Bereich Kommunikationstechnologie forschen und ausgebildet werden. Mittlerweile bietet das Institut seinen rund 200 Studenten drei Departments an, die von allen durchlaufen werden: Multimediakommunikation, Unternehmenskommunikation und Mobilkommunikation.
„Wir wollen vor allem den internationalen Charakter unterstreichen“, sagt Finger. „Studenten aus verschiedenen Ländern, sozialen Umfeldern und mit unterschiedlichen Ausbildungsansätzen kommen hier zusammen und lernen voneinander.“ Europa als länderübergreifende Idee könne nur existieren, wenn Kontakte und Verbindungen bereits in der Studienzeit gelegt würden. Die Zusammenarbeit basiert nicht immer auf ähnlichen Voraussetzungen: Die Franzosen, die rund die Hälfte der Studenten ausmachen, sind theoretisch stark geschult, die Schweizer sind eher in Richtung Technikpraxis orientiert. Auch die Unis von Turin und Helsinki beteiligen sich mittlerweile, mit Darmstadt ist man im Gespräch. Um die 70 000 € muss eine Hochschule bezahlen, um Studenten ihrer Hochschule nach Sophia Antipolis schicken zu dürfen. Neben den Unis engagieren sich auch Industrieunternehmen, darunter Swisscom, Thales, STMicroelectronics, Texas Instruments und Hitachi. Gemeinsam mit den europäischen Hochschulen bilden sie eine Art Träger-Gesellschaft, die Forschungsprojekte und Ausbildungspläne festlegt.
„Wer hierher kommt, hat bereits drei Jahre Universität hinter sich“, erklärt Finger. „Wir praktizieren schon das europäische System: Den Bachelor erhalten die Studenten nach dem Vordiplom und einem weiteren Studienjahr, nach zwei weiteren Jahren erhalten die Studenten das Diplom ihrer Mutter-Universität.“ Der promovierte Ingenieur weist darauf hin, dass bei ihm kein akademischer Tourismus stattfinde: „Wer hier eintritt, hat Einfluss auf Lehre und Forschung. Die Unis haben hier praktisch eine Filiale.“ Neben fachlicher Ausbildung steht auch die Profilbildung der späteren Ingenieure und Manager im Mittelpunkt: Rund 30 % der Ausbildung befassen sich mit Themen, die von der Wirtschaft mit Nachdruck gewünscht werden: Präsentation, Selbstdarstellung, soziale Kompetenz.
Der Standort, einer der ersten der Mega-Technologieparks und eine Art europäisches Silicon Valley, konzentriert sich besonders auf den Bereich Telekommunikation. Viele Unternehmen dieser Branche haben hier ihre Future Labs. „Wir müssen unsere Studenten praktisch nur über die Straße schicken, hinein in die interessanten Projekte“, freut sich Finger. Die Firmen erhalten Optionen auf Patente, die von Eurecom entwickelt werden, haben aber kein Mitspracherecht, sondern üben eine beratende Funktion aus.
Bei Telekommunikation sei internationale Verknüpfung unerlässlich, meint Finger. Alte Ausbildungskonzepte könnten diesem Anspruch aber nicht gerecht werden. Finger: „Die Studenten werden hier nicht für Frankreich vorbereitet, sondern für Europa und die USA.“ Mehr als die Hälfte aller Vorlesungen wird in Englisch gehalten.
Die Arbeit von 200 Studenten, 45 Doktoranden, 18 Professoren (die eine Hälfte ist für die Informatik zuständig, die andere für die Elektrotechnik), zehn Ingenieuren und Technikern verschlingt jährlich ein Budget von rund 7 Mio. €.. Die Finanzierung erfolgt zu 70 % über die Mutterschulen. Bis 2001 konnte jeder Absolvent unter zehn Stellenangeboten wählen, jetzt sind es immerhin noch vier Jobs pro frisch gebackenem Ingenieur.
Der Begriff „Elite-Universität“ wird bei Eurecom vermieden, aber eine Auswahl findet allein schon durch die Universitäten statt, die ihre Studenten nach Südfrankreich schicken. Das Rezept: Gute Studenten locken gute Professoren an, gute Professoren garantieren gute Lehre. WILFRIED URBE

 

Von Wilfried Urbe

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