Hochschule

Hochschulen erlernen das Energiesparen nur mühsam

Öffentlich geführte Einrichtungen können mehr vom Energiemanagement profitieren. Das würde die Verbräuche und Kosten senken. Darüber diskutierten Experten kürzlich auf einer VDI-Tagung in Essen.

Energieintensive Branchen wie die chemische Industrie, die Papier- oder Baustoffwirtschaft machen es seit langem vor: Energiemanagement, das detaillierte Erfassen, systematische Überwachen und effiziente Steuern der Energieverbräuche im Unternehmen kann ein hochprofitables Geschäft sein. Einsparpotentiale von 20 % bis 30 % sind dabei keine Seltenheit, wie Bernd Schieferdecker, Professor für Energiewirtschaft an der Betriebswirtschaftlich-Technischen Universität Cottbus weiß. Der Wissenschaftler entwickelt energiewirtschaftliche Optimierungskonzepte und ist damit bei der Industrie so erfolgreich, dass er im Vorjahr mit dem Technologietransferpreis des Landes Brandenburg ausgezeichnet wurde.

Was bei vielen großen Unternehmen funktioniert, stellt sich jedoch bei kleinen Betrieben und Einrichtungen der öffentlichen Hand nicht selten anders dar. Hier kommen die Ausgaben für Energie im Durchschnitt nur auf einen Anteil von 1 % bis 2 % an den Gesamtkosten. „Das Bewusstsein für einen rationellen Energieeinsatz ist oft noch nicht ausreichend ausgeprägt“, glaubt Schieferdecker. Ein wichtiger Grund für die Zurückhaltung beim Energiemanagement sei, dass der messtechnische Aufwand und die damit verbundenen Investitionen als zu hoch eingeschätzt werden, so der Wissenschaftler. Ein Dilemma, in dem viele Universitäten mit ihren angeschlossenen Großforschungseinrichtungen stecken.

Das nordrhein-westfälischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung initiierte deshalb schon 1998 ein Projekt, das den Energie- und Ressourcenverbrauch von Universitäten beispielhaft ermitteln und entsprechende Einsparmöglichkeiten vorschlagen sollte. Danach lag der Verbrauch von Strom, Gas und Wärme bei einer mittelgroßen Hochschule wie der RWTH Aachen mit 37 000 Angehörigen bei rund 300 000 MWh im Jahr 2000. Zusätzlich fielen in dem Zeitraum 900 000 m3 Wasser an. Die entsprechenden Gesamtkosten beziffert die Studie auf knapp 10 Mio. $. Eine ansehnliche Summe, die aber gemessen am Gesamtjahresetat der Hochschule von 0,6 Mrd. $ nur einen Anteil von 1,5 % ausmacht.

„Würde die Universität alle von uns vorgeschlagenen Einsparmöglichkeiten nutzen, brächte ihr das eine Kostenersparnis von rund 75 000 $“, hat Projektwissenschaftler Patrick Weber errechnet. Der Aachener Ingenieur war im Rahmen des Modellvorhabens an der Entwicklung neuer Mess- und Bewertungsverfahren beteiligt, was angesichts von einem Stromzähler für durchschnittlich zehn Institute „eine Menge technischer Improvisationsarbeit erforderte“, um an detaillierte Verbrauchswerte heranzukommen.

Diese dienten in dem Modellvorhaben dann als Basis für einen auf Umweltkennzahlen beruhenden Kontenrahmen in dem Energie- und Stoffbilanzen berücksichtigt werden. „Damit lassen sich die Energiedaten wirtschaftlich analysieren und ökologisch bewerten“, stellt Wissenschaftler Weber nicht ohne Stolz fest.

Wer jedoch geglaubt hatte, dass die von schwindenden Einnahmen gebeutelte öffentliche Hand zügig an die praktische Umsetzung der neuen Einsparmöglichkeiten gehen würde, sieht sich enttäuscht. Ausgerechnet der von ihr selbst formulierte Anspruch einer verursachergerechten Zuordnung von Ressourcenverbrauch und Kosten wird nun dem Energiesparen zum Verhängnis. „Die Energieversorgung der Hochschule wird zentral geregelt, eine unzureichende Zählerstruktur lässt bislang eine verursachungsgerechte Kostenzurechnung nicht zu“, stellt Weber fest.

Was den Forscher aber noch mehr frustiert: „Bei unserer Arbeit haben wir leider nur wenig Unterstützung von den betroffenen Instituten erfahren. Warum auch sollten sie sich mühen, ihre Energieverbräuche zu überwachen und zu sparen, wenn sie von der erzielten Kosteneinsparung nichts haben?“

Genau das kann aber das nun entwickelte Energiemanagement ohne größeren Aufwand leisten. Den Hochschulen bietet das Instrument wirksame Anreize zum wirtschaftlichen Umgang mit Energie und Ressourcen. Doch noch ist eine Kosten-Leistungsrechnung, bei der die tatsächlichen Energiekosten auf die einzelnen Institute umgerechnet und diese auch anteilig von entsprechenden Einsparungen profitieren könnten, nicht in Sicht.

SILVIA VON DER WEIDEN

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