Hochschule

Hochschul-Elite, eine Sache der Oberschicht  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 19. 1. 07, ws – In der zweiten Runde der Exzellenzinitiative treten einige Universitäten aus dem Schatten der süddeutschen Top-Hochschulen heraus. Der Westen gewinnt an Prestige, und auch im Osten herrscht Zufriedenheit – und das, obwohl keine Universität den Sprung unter die letzten Acht bei der Wahl zur Elite-Uni schaffte.

Tief im Westen, dort wo die Sonne verstaubt, ist es schwer, das Renommee einer grauen Maus abzulegen. Und das nicht nur im Fußball. Die Universität Bochum plagte jahrzehntelang der Ruf, nicht mehr als eine Massenuni zu sein.

Jetzt soll für die Bochumer Wissenschaft eine neue Ära anbrechen. Die Exzellenzinitiative ist besonders auch für jene Hochschulen von Bedeutung, die in benachteiligten Regionen angesiedelt sind oder die mit einem Imageproblem leben. Bochum hat es unter die letzten acht Universitäten geschafft, von denen einige wenige Auserwählte im Oktober neben den bereits gekrönten Hochschulen in München und Karlsruhe zu Elite-Unis gekürt werden. Das Ende des Bochumer Schattendaseins?

Elmar Weiler will sich zwar auf dem bislang Erreichten nicht ausruhen, sieht in der Qualifizierung für die Endrunde aber allein schon einen mächtigen Motivationsschub. „Natürlich ist die finanzielle Förderung für die Ruhr-Universität wichtig“, sagte der Rektor „Spiegel online“. „Aber die positive Begutachtung unserer Projektskizzen sorgt auch für einen Aufschwung auf dem Campus. Wir wollen mit unseren Ideen und Visionen für die Zukunft eine gewisse Anerkennung gewinnen“, so Weiler.

Der nordrhein-westfälische Innovationsminister Andreas Pinkwart teilt die Freude des Hochschulrektors: „Dass Aachen erneut in die Endrunde kommt, ist ein Beweis für die Stärke der RWTH, war allerdings erwartet worden. Dass mit Bochum nun eine zweite NRW-Uni unter die letzten Acht gekommen ist, ist ein riesiges Kompliment für die Arbeit der Ruhr-Universität und gibt der gesamten Hochschullandschaft zusätzliche Motivation bei ihrer Aufholjagd.“

Andere Wissenschaftsminister müssen sich mit weniger zufriedengeben. Schließlich hat keine Ost-Hochschule (abgesehen von Berlin) die Endrunde bei den Zukunftskonzepten (Elite-Universitäten) erreicht. In den Förderlinien „Graduiertenschulen“ und „Exzellenzcluster“ sind immerhin Jena/Halle, Leipzig und Erfurt vertreten.

Während man das Abschneiden in Sachsens und Thüringens Ministerien als Erfolge proklamiert, findet Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) kritische Worte: Die Exzellenzinitiative dürfe nicht dazu führen, strukturelle „Unterschiede zu verfestigen und die neuen Länder von der Spitze der Forschung abzukoppeln“. Begleitprogramme zur Infrastrukturförderung könnten ein wesentliches Mittel sein, diese Ungleichheit nicht ausufern zu lassen.

Den Verantwortlichen bei der Exzellenzsuche, dem Wissenschaftsrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstellt die grüne Politikerin Priska Hinz Diskriminierung: Die ärmeren Länder würden „systematisch benachteiligt“. „Die Annahme, dass ein Land seinen Anteil von 25 % der Kosten (zur Erbringung der Fördergelder, die Red.) nicht werde aufbringen können, reichte aus, um seine Chancen dramatisch zu verringern.“

Peer Pasternack kann die Bescheidenheit ostdeutscher Wissenschaftsminister nachvollziehen: „Sie schätzen die Situation der Hochschulen richtig ein“, meint der Forschungsdirektor am Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg. Weder Minister noch regionale Unternehmen könnten den Ost-Universitäten die finanzielle und materielle Ausstattung bieten, die einen Elite-Anspruch rechtfertige.

In Deutschland schwebten einige Hochschulen in Sphären, die ihr Potenzial weit überstiegen. Die kleineren Universitäten sollten von Liga zu Liga planen und nicht von internationalen Ambitionen reden. Wer an der Realität vorbeiplane, dessen strategische Konzepte seien zum Scheitern verurteilt. Pasternack: „Es ist nicht ehrenrührig, eine Hochschule mit regionaler Ausstrahlung zu sein, sondern eine Herausforderung.“

Für problematisch hält Pasternack jedoch die geringe Resonanz, die ostdeutsche Universitäten bei den Förderlinien „Graduiertenschulen“ und „Exzellenzcluster“ hervorriefen. Hier sei der Osten unterrepräsentiert. Das auch hier enttäuschende Abschneiden könne nicht auf die Infrastruktur zurückzuführen sein, denn die befände sich auf modernstem Stand.

Wenig Hoffnung auf blühende Wissenschaftslandschaften im Osten macht der Darmstädter Eliteforscher Michael Hartmann. Er prophezeit den dortigen Universitäten sowie den Neugründungen im Westen eine Zukunft als schnelle Ausbildungseinrichtungen in einem Zweiklassensystem, das ihnen als Forschungszentren keinen Raum mehr lässt.

„Insgesamt verliert die deutsche Wissenschaft durch den Wettbewerb ihre eigentliche Stärke – nämlich die Breite und Vielfalt der Forschung“, sagte Michael Hartmann gegenüber „Die Tageszeitung“.

Für Bernhard Kempen ist die Exzellenzinitiative nur ein Tropfen auf den kochend heißen Stein der deutschen Hochschullandschaft. Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes mahnte vor einem halben Jahr, den steigenden Studentenberg nicht zu unterschätzen: „Wenn nichts Durchgreifendes passiert, saufen die Hochschulen in den nächsten Jahren schlichtweg ab. Dann war die hoffnungsvoll gestartete Exzellenzinitiative nur noch ein letztes Aufbäumen vor dem Erstickungstod.“ WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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