Hochschule

„Hier lernt ihr, auf eigenen Füßen zu stehen“  

VDI nachrichten, Dortmund, 7. 3. 08, ws – Der Türke Erman Tekkaya ist ein Pendler zwischen den Wissenschaftswelten. Als Leiter des Instituts für Umformtechnik und Leichtbau an der TU Dortmund bemüht er sich um den Austausch zwischen seinen beiden Heimatländern und darum, hartnäckige Vorurteile aus der Welt zu räumen.

Tekkaya: Hinter den meisten seiner Vorhaben steckt die Absicht der Islamisierung. Das gilt auch für die Schulen.

VDI nachrichten: Migrantenkinder haben es an deutschen Schulen schwer.

Tekkaya: Aber die Abschottung in türkischen Schulen wäre der falsche Weg. Es geht darum, das familiäre und kulturelle Umfeld den westlichen Anforderungen anzupassen. Und wenn hier eine türkische Hochschule eröffnet, wird das Problem nur von der Türkei nach Deutschland verlagert. Das wäre ein Rückschritt und keine Förderung kultureller Entwicklung.

VDI nachrichten: Die Vorurteile zwischen beiden Ländern sind hartnäckig. Wie kann man sie aufbrechen?

Tekkaya: Die meisten Türken, die nach Deutschland kommen, stammen aus Arbeiterfamilien. Dies aber ist nur ein kleiner Ausschnitt der modernen türkischen Gesellschaft. Ich habe viele türkische Studenten nach Deutschland geholt, um ihnen die Menschen, das akademische Umfeld und die Industrie nahezubringen. Im Gegenzug machten sich die Deutschen ein Bild von ihren Gästen. Beiderseitige Vorurteile sind schlagartig verschwunden.

VDI nachrichten: Die besten türkischen Studenten gehen in die USA. Welche Argumente gibt es für Deutschland?

Tekkaya: In einigen Disziplinen ist Deutschland weltweit führend, so etwa in der Fertigungstechnik. Rund 50 Studenten von türkischen Elite-Unis habe ich von der Erstklassigkeit dieser Ausbildungsgänge überzeugen können.

VDI nachrichten: In der Türkei reichen die Studienplätze nicht aus, um die große Nachfrage zu befriedigen. Können deutsche Hochschulen davon profitieren?

Tekkaya: Auf jeden Fall. Wir hatten jüngst in der Türkei rund 1,6 Mio. Studienbewerber, von denen 400 000 einen Platz fanden. Nur etwa 20 000 bekamen die Zulassung für eine der renommierten Universitäten.

VDI nachrichten: Welche Probleme haben Türken an deutschen Hochschulen?

Tekkaya: Junge Türken werden an Schulen und Hochschulen nicht zur Eigenständigkeit erzogen. Ich sage ihnen: „Hier lernt ihr, auf eigenen Füßen zu stehen. Schaut euch die Wissenschaftler an, die in Deutschland promoviert haben: Das sind die Erfolgreichsten, das sind die Kreativsten.“ Ein gravierendes Problem ist auch die Sprache. Die meisten Masterstudiengänge sind in deutscher Sprache. In dem von mir initiierten englischsprachigen Elite-Masterstudium „Manufacturing Engineering“ möchte ich die besten Studenten nach Dortmund holen. Ein weiteres Problem: Türkische Top-Studenten erhalten in den USA auf Anhieb Stipendien. In Deutschland müssen sie sich selbst um den Unterhalt kümmern. Wir wollen ihnen rund 800 € monatlich zur Verfügung stellen.

VDI nachrichten: Was hat Deutschland davon, wenn mehr türkische Studenten nach Deutschland kommen?

Tekkaya: In der Türkei sind Ingenieure hoch angesehen. Daher studieren nur die besten Schulabsolventen diese Fächer. Die Studenten sind sehr begabt, wissbegierig und ehrgeizig.

VDI nachrichten: Ist der internationale Austausch durch die Studiengänge Bachelor und Master leichter geworden?

Tekkaya: Ja, aber die Fachhochschulen profitieren stärker als die Universitäten. Unter dem Label „Universities of applied sciences“ erwecken sie in der Türkei den Eindruck, als böten sie universitäre Qualität an. Das aber nährt falsche Erwartungen. W. SCHMITZ

Prof. Erman Tekkaya vertritt während seiner DFG-Präsidentschaft Prof. Matthias Kleiner als Leiter des Instituts für Umformtechnik und Leichtbau (IUL) an der TU Dortmund. Der 51-Jährige leitet außerdem an der Atilim University in Ankara die Abteilung Fertigungstechnik.

Von W. Schmitz

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