Hochschule

Gütesiegel fördert den Wettbewerb

Mit seinen nun veröffentlichten Mindeststandards und Kriterien will der vor einem Jahr geschaffene Akkreditierungsrat die Qualität von deutschen Studiengängen gewährleisten.

Das deutsche Diplom hat von seinem guten Ruf nichts eingebüßt. Es gilt immer noch als Gütezeichen erster Klasse – für die, die es kennen. Im internationalen Wettlauf zeigen ihm die Abschlüsse Bachelor und Master die Fersen. Inzwischen schließen von 2000 deutschen Studiengängen bereits 300 mit diesen anglo-amerikanischen Titeln ab.
Doch der Boom hat auch seine Schattenseiten: Dauer und Qualität der Modellstudiengänge sind längst nicht an allen Hochschulen gleich. Um Wildwuchs zu vermeiden und die internationale Anerkennung der Abschlüsse „Made in Germany“ zu gewährleisten, hat ein länderübergreifender Akkreditierungsrat nun Mindeststandards und Kriterien für Studiengänge erlassen, die von Akkreditierungsagenturen geprüft und überwacht werden sollen. „Bei der Akkreditierung geht es nicht um eine Uniformisierung von Leistungen und Angeboten, sondern um Transparenz und Vergleichbarkeit der Qualität dieser Leistungen“, betont der Vorsitzende des Rates, Prof. Karl-Heinz Hoffmann. Das Gremium habe es sich zur Aufgabe gestellt, einen Rahmen für Gestaltungs- und Entscheidungsmöglichkeiten zu geben und den Hochschulen Freiräume für die Einführung neuer Studiengänge zu eröffnen. Dieses „System der Vielfalt“ solle auf stärkerer Berücksichtigung von Internationalität, Berufsbefähigung und der Förderung sozialer Kompetenzen fußen.
Bisher kümmerten sich die Kultusminister darum, ob Bedarf für einen neuen Studiengang vorhanden war oder nicht. Die sogenannten Rahmenprüfungsordnungen sorgten dafür, dass beispielsweise Studiengänge in Darmstadt mit denen aus Aachen vergleichbar blieben. „Dieses starre System wollen wir nun durch die Akkreditierung ablösen“, sagt Hoffmann. „Erstmals werden in Deutschland somit nicht allein formale Standards, sondern vor allem inhaltliche gesetzt.“ Die Einsetzung eines neuen Studienganges haben sich die Wissenschaftsministerien allerdings ausdrücklich vorbehalten.
Dem Akkreditierungsrat gehören Professoren, Vertreter der Wirtschaft, Studenten und Bildungspolitiker an. Universitäten und Fachhochschulen, die die Mindeststandards erfüllen, erhalten ein Gütesiegel des Rates. Keine Hochschule wird jedoch dazu gezwungen, sich der Zertifizierung zu unterziehen. „Es ist ein Qualitätsmerkmal, das im Wettbewerb der Hochschulen für Vorsprung sorgen kann“, beschreibt Hoffmann die wesentliche Bedeutung der Gütesiegel. Die Mindeststandards müssen erfüllt sein, nach oben ist die Werteskala offen. Die Prüfung übernehmen Akkreditierungsagenturen, die nicht nur einen, sondern mehrere Studiengänge unter die Expertenlupe nehmen sollen. Auch die Agenturen werden sich zwangsläufig dem Wettbewerb stellen müssen, denn, so Hoffmann, „unter den rund zwölf zu erwartenden Akkreditierungsagenturen wird sich nach geraumer Zeit eine Wertigkeit einstellen“, deren Konkurrenz das Geschäft beleben werde. An ein Ranking allerdings denke der zunächst für drei Jahre ins Leben gerufene Akkreditierungsrat nicht.
„Insbesondere bei Ingenieurstudiengängen ist das Interesse sehr groß, sich dieses Qualitätssiegel zu sichern“, berichtet Dr. Heide Naderer, Mitarbeiterin im Akkreditierungsrat. „Die Veränderung der Berufswelt hat auf diesem Feld zu einer immensen Nachfrage geführt.“ Schon lange vor der Verabschiedung der Mindeststandards hat sich der VDI mit Vertretern der Wirtschaft, der Hochschulen und anderer technisch-wissenschaftlicher Vereine zu einer Agentur zusammen getan, um diesem Trend Rechnung zu tragen. In der „Akkreditierungsagentur für ingenieurwissenschaftliche Studiengänge e. V.“ bündelt der VDI die Kompetenz aller Interessengruppen, deren Stimmen jeweils gleiches Gewicht haben. Der VDI und seine Partner kommen mit der technisch-naturwissenschaftlichen Ausrichtung dem Wunsch der Kultusminister-Konferenz (KMK) entgegen, die zu prüfende Studienlandschaft vielfältig zu gestalten.
„Wir rechnen damit, im Sommer des kommenden Jahres die ersten Akkreditierungen vorzunehmen“, meint Karl-Heinz Simsheuser, Geschäftsführer der Agentur. „Die Kontaktaufnahme erfolgt auf bilateraler Ebene: Die Hochschulen melden sich bei uns, wozu wir ihnen unter www.vdi.de einen eigenen Internet-Auftritt bieten, oder aber wir melden uns bei den Hochschulen.“ Universitäten und Fachhochschulen werden für ihr Gütesiegel kräftig in die Kassen greifen müssen. Pro Studiengang kostet eine Akkreditierung – egal bei welcher Agentur diese in Auftrag gegeben wird – rund 30 000 DM bis 40 000 DM. „Der finanziell aufwendigste Faktor ist das Akkreditierungsteam, dessen Experten sich zwei bis drei Tage mit den formalen und inhaltlichen Aspekten befassen müssen“, weiß Simsheuser. Die Hochschulen sollen sich nach eigenen Vorstellungen ein Profil geben, je nach wissenschaftlicher oder praxisorientierter Ausrichtung. Das Gütesiegel wird für einen zeitlich begrenzten Zeitraum verliehen. Eine zwischenzeitliche Kontrolle schließt der Akkreditierungsrat nicht aus.
Akkreditierungseinrichtungen sind in den USA, aber auch in Europa seit Jahren bekannt und erprobt. Der Bogen spannt sich von der 1913 in Nordamerika gegründeten AACSB über die AEDE in Spanien, die britischen Akkreditierer Amba und ABS bis hin zu ähnlich konzipierten osteuropäischen Organisationen. Darüber hinaus gibt es Anstrengungen in Brüssel, das zusehends anwachsende Konzert der europäischen Agenturen zu koordinieren und zu harmonisieren. WOLFGANG SCHMITZ
An der Ruhr-Universität Bochum werden bald nur noch Bachelor- und Mastertitel vergeben. Die Hochschule will auf das Diplom vollkommen verzichten.

Von Wolfgang Schmitz
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