Bildungsfokus auf Digitaler Technologie

Großbritannien will Erstklässlern das Programmieren beibringen

Die britische Regierung nimmt die Informatik in den Bildungsfokus: In England sollen Kinder zukünftig direkt ab Schulbeginn spielerisch lernen, wie man programmiert. Das soll zu einer stärkeren Nachfolgegeneration von Technikern und IT-Experten führen. 

Schüler sollen das Programmieren auf spielerische Art und Weise lernen. Zum Einsatz kommen könnte die Programmierumgebung Scratch Tools des MIT. Dabei bewegen Schüler Programmbefehle in farbiger Blockform per Drag-and-Drop.   

Schüler sollen das Programmieren auf spielerische Art und Weise lernen. Zum Einsatz kommen könnte die Programmierumgebung Scratch Tools des MIT. Dabei bewegen Schüler Programmbefehle in farbiger Blockform per Drag-and-Drop.   

Foto: dpa-Zentralbild/Bernd Wüstneck

Erstklässler sollen in Großbritannien von diesem Jahr an lernen, wie man Computer programmiert. Dafür will die britische Regierung im September ein neues Curriculum für Computerwissen an den Schulen einführen. Erziehungsminister Michel Gove lässt keinen Zweifel daran, dass es zu einer Priorität werden muss, Kindern so früh wie möglich beizubringen Computer-Codes und eigene Programme zu schreiben.

In Großbritannien wurde bisher das Fach Information and Communication Technology (ICT) gelehrt. Es ist schon seit geraumer Zeit unter Beschuss, weil Kinder hier vor allem herkömmliche bürotechnische Kenntnisse erwerben, das Fach aber nicht genügend in die Tiefe geht. Das ist der Grund dafür, dass die britische konservative Regierung das Fach nun abgeschafft hat. Kam die Computertechnik im britischen Bildungssystem bisher zu kurz, so will man nun erreichen, dass die Schüler schon in der Grundschule in die Welt des Programmierens eingeführt werden und dabei lernen, eigene Programme zu schreiben.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Initiativen, die Kindern den Umgang mit dem Computer in jungen Jahren nahebringen wollen: Angefangen bei Codecademy, einer interaktiven Plattform auf der man kostenlos programmieren lernt, über Raspberry Pi, dem kostengünstigen Einplatinencomputer von Eben Upton bis hin zum CoderDojo, einer weltweiten Opensource Bewegung, die Kindern Zugang zum Programmieren geben soll.

Kinder sollen in MIT-Umgebung spielerisch programmieren lernen

In Großbritannien starteten im April 2012 auch die sogenannten Code Clubs. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Initiative, die Kindern in Clubs nach der Schule die Basis des digitalen Einmaleins lehrt. Zum Einsatz kommt die Programmierumgebung Scratch Tools des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Kinder lernen das Programmieren auf simple Weise, indem sie einfache Befehle als farbliche Blöcke per Drag-and-Drop in ein Feld ziehen. Sie müssen dabei nicht wie in einer klassischen Programmiersprache Zeile für Zeile einen komplizierten Codetext schreiben.

Angefacht wurde diese Entwicklung nicht zuletzt durch die wachsende Besorgnis darüber, dass es die Schulen verpasst haben, wichtige Informatikkenntnisse zu vermitteln. Nicht nur ist die Zahl der Informatikstudenten in den vergangenen Jahren deutlich gefallen. Viele Studenten bringen auch nur sehr unzureichende Vorkenntnisse für die Programmierung mit. Indem man schon bei Kleinkindern das Interesse an Computern weckt und ihnen vor allem Freude am Experimentieren gibt, hofft man eine neue Generation von Technikern und IT-Experten auszubilden, die später von Arbeitgebern heiß begehrt sind.

Auch Rundfunkanstalt BBC startet digitale Initiative

Mittlerweile hat auch die britische Rundfunkanstalt BBC eine Initiative gestartet, die es zum Ziel hat, das Codieren in jeden Haushalt, jedes Unternehmen und an alle Schulen zu bringen. „Wir wollen eine neue Generation dazu inspirieren, Kreativität beim Codieren, Programmieren und bei der Digitalen Technologie zu entwickeln,“ erläutert Tony Hall, Generaldirektor der BBC. Zwar liegen konkrete Einzelheiten zum Projekt bisher noch nicht vor. Aber die BBC hofft, als eine Art Verbindungsglied zu wirken, das die Vielzahl neuer Initiativen zusammenführt. Dafür will man mit der Regierung, dem Erziehungswesen und Technologieunternehmen zusammenarbeiten.

Von Peter Odrich
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