Bildung

Geschichte und Mathe im Web pauken

Nach dem langen Sommerurlaub werden französische Kinder in der Schule schnell wieder Anschluß finden. Schließlich bietet France Télécom einen eigenen Schulbegleit-Service im Abo.

Wie funktioniert ein Telefon? Was muß ich bei Gewitter tun? Wie schnell ist eine Schnecke? Solche Fragen beantwortet „@près l´école“ („nach der Schule“), der Online-Service der France Télécom für Kinder zwischen neun und zwölf Jahren, der neuerdings auch die Sieben- bis Achtjährigen ansprechen soll. Wenn Sophie, Matthieu oder Claude eine Frage haben, können sie diese einfach eintippen – und erhalten die Antwort 24 Stunden später garantiert von einem Lehrer zurück, der bei @prés l´école (www.apreslecole.fr) als Teilzeitkraft arbeitet. Das kommt gut an und wird auch schon mal im Urlaub genutzt, wenn der Netzzugang möglich ist. Immerhin bleiben 16 % der Franzosen zu Hause – und viele Kinder vergessen während der zweimonatigen Sommerferien so einiges. Mit dem Programm wird ihnen der Schulbeginn im September leichter fallen.
Es fällt zunächst durch seine Webseiten auf: Bunt, beweglich und kindgerecht sollen sie die Kleinen locken und den Eltern Sicherheit geben. Schließlich arbeitet France Télécom mit angesehenen Verlagen zusammen. Solche Programme suchen User auf den deutschsprachigen Webseiten vergebens. Es gibt zahlreiche Seiten für Lehrer, Pädagogen und Eltern (www.zum.de/schule) mit Arbeitsblättern zum Ausdrucken oder Vokabeln zum Herunterladen. Aber Webseiten für Kinder setzen bestenfalls im Teeny-Alter an – mit Referaten, die zur Kopie freigegeben sind. Kindgerecht sind diese Seiten hierzulande nicht, bunt oder lustig fast nie.
Schuld daran ist nicht nur eine andere Mentalität und der geringere Anteil von Kindern an der Bevölkerung – Frankreich steht hier nach Irland an Platz zwei der Europäischen Union. Es geht auch um eine andere Umsetzung des politischen Willens. Während in Deutschland die Aktion „Schulen ans Netz“ primär für Hardware in den Klassen sorgt, haben französische Unternehmer die Vision ihres Kulturministers anders verstanden. Als Claude Allègre 1997 öffentlich wünschte, daß bis zum Jahr 2000 alle Schulen über einen Internet-Anschluß verfügen sollten, war das Musik in den Ohren der französischen Telekommunikationsanbieter. Die meisten hatten sich ohnehin überlegt, in den Erziehungsmarkt einzusteigen. Schließlich hat ein reiches Angebot an Zeitschriften für Kinder von zwölf Monaten (!) bis 18 Jahren Jugend und Eltern schon gut vorbereitet. Anders als „Bravo“ und „Mädchen“ bieten Titel wie „Clés d´actualité junior“ oder „Julie“ ernsthafte Themen vom Kosovokrieg bis zu den Geheimnissen ägyptischer Schmink-Utensilien. Eltern und Kinder erwarten ein erzieherisches, werbefreies, kindgerechtes Produkt. Davon liegen in jedem Supermarkt reichlich in den Regalen. Was liegt da näher, als Vergleichbares im Netz zu starten?
Als France Télécom im September vergangenen Jahres endlich auf den Markt kam, waren andere Anbieter schon da: „Nathan-Entraînement“ (Vivendi), Cegetel mit „Internet-Écoles“ und ID-Clic (Lagardère-Gruppe). France Télécom stieg allerdings um so heftiger in den Markt ein: Mit einer Seite für die Lehrer (www.edu.francetelecom.fr), einem Internet-Führer zur Bildung (www.mirandole.tm.fr) und einem Angebot zur Nutzung des dem T-Online vergleichbaren Dienstes Wanadoo für weniger als 300 DM jährlich, der sofort rund 5000 Schulen anlockte.
Der Markt ist jedoch wesentlich größer. Im Hexagon gibt es insgesamt rund 70 000 schulische Einrichtungen, von denen rund 59 000 Grundschulen sind. Der Unterricht dauert dort ein Jahr länger als in Deutschland, umfaßt also fünf Jahre. Doch weniger als 10 % der Grundschulen sind am Netz. Wer sich für den Zugang samt erzieherischem Programm interessiert, landet schnell bei France Télécom.
Trotz des späten Starts wird @près l´école mittlerweile von zahlreichen Web-Guides, Müttern und Vätern sowie nahezu sämtlichen Medien empfohlen. Der Zutritt ist einfach: Im Internet schreibt sich der Interessent ein und gibt Name und Klasse an. Wer nicht mit einem Shockwave-Plug-in ausgestattet ist, kann ihn umsonst herunterladen. Die technischen Voraussetzungen sind ein Modem 28,8, Internet-Zugang und ein PC Pentium 166 W95 oder Power Mac mit mindestens 16 Mo Ram. Der Preis für ein Monatsabo beträgt 40 FF, umgerechnet rund 13 DM – und liegt damit unter dem der meisten Jugendzeitschriften.
Dafür kriegt der Nachwuchs einen personalisierten Service, der jeden Dienstag aktualisiert wird. Jedes Kind entwirft seine eigene Web-Visitenkarte mit Vornamen, Alter, Klassenstufe und Hobbies. Sie wird zum Beispiel bei den regelmäßigen Diskussionen eingesetzt.

Service stößt in Bevölkerung nicht nur auf Gegenliebe

Um sich für den Schulunterricht in Mathematik und Französisch fit zu machen, bietet der Service drei verschiedene Programme an, die in Zusammenarbeit mit Verlagen entstanden sind. Dazu gehören die Bayard Presse, Magnard Jeunesse, sdi, Teletoon, Albin Michel Jeunesse und neuerdings TLC-Edusoft, ein Telelearning-Anbieter, der zur Mattelgruppe gehört und mit der CD-Rom „Körner der Genies“ bekannt wurde. Weitere begleitete Schulfächer sind Geschichte, Erdkunde, Sachkunde, Literatur, Gesundheit oder Sozialkunde.
Der Service, der bis zum Ende dieses Jahres rund 650 000 Abonnenten zählen soll, stößt allerdings nicht nur auf Gegenliebe. Viele Franzosen fragen sich, ob er die ohnehin starken sozialen Unterschiede noch weiter verstärkt. Doch solche Zweifel sind eher selten in einem Land, in dem Minitel fast so üblich war wie das Telefon und in dem jetzt das Internet eine vergleichbare Rolle einzunehmen scheint, nachdem das Hexagon lange hinter anderen Industrienationen zurücklag. Den Kindern scheint es zu gefallen. „Es ist nicht so langweilig wie die Schule. Ich wünschte, die Schule wäre auch oft so“, kommentiert ein kleiner Nutzer.
CORDELIA BECKER
Mit ihren Fragen in Erdkunde oder Literatur löchern französische Schüler seit neuestem nicht mehr nur Lehrer aus Fleisch und Blut, sondern, dank France Télékom, auch ihren hauseigenen Computer.

Stellenangebote im Bereich Projektmanagement

Mainova AG-Firmenlogo
Mainova AG Projektleiter Senior (m/w/d) Projektabwicklung Elektrotechnik Frankfurt am Main
Mainova AG-Firmenlogo
Mainova AG Projektleiter Senior (m/w/d) Projektabwicklung MSR- und Leittechnik Frankfurt am Main
Rücker + Schindele Beratende Ingenieure GmbH-Firmenlogo
Rücker + Schindele Beratende Ingenieure GmbH (Senior) Consultant (m/w/d) München
Mainova AG-Firmenlogo
Mainova AG Bau- und Instandhaltungsplaner (m/w/d) Wärmenetz Frankfurt am Main
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
HAMBURG WASSER Bauingenieur (m/w/d) Hamburg
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
HAMBURG WASSER Projektingenieur (m/w/d) – Tiefbau/Kanalsanierung Hamburg
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH)-Firmenlogo
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) Projektleiter (m/w/d) für die Bereiche Hochschul- und Landesbau Wiesbaden
BAYER AG-Firmenlogo
BAYER AG Senior Engineering Manager Elektrotechnik (m/w/d) Leverkusen
ABG FRANKFURT HOLDING Wohnungsbau- und Beteiligungsgesellschaft mbH-Firmenlogo
ABG FRANKFURT HOLDING Wohnungsbau- und Beteiligungsgesellschaft mbH Hochbau-Bauleiter (m/w/d) für Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen Frankfurt am Main
FICHTNER GmbH & Co. KG-Firmenlogo
FICHTNER GmbH & Co. KG Senior Projektleiter für Netzleittechnik (m/w/d) Stuttgart

Alle Projektmanagement Jobs

Top 5 Studium

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.