Hochschule

Gefahr des Bachelor-Sparmodells  

Vor wenigen Tagen trafen sich im norwegischen Bergen Wissenschaftsminister aus 45 europäischen Staaten, um dem „Studium ohne Grenzen“ ein Stück näher zu kommen. Fast zeitgleich erklärten die deutschen Fachhochschulen in Bad Wiessee, wie sie sich ihren Beitrag zur Gestaltung des bis 2010 währenden „Bologna-Prozesses“ vorstellen. Die VDI nachrichten sprachen darüber mit dem FH-Rektor Dietmar von Hoyningen-Huene.

VDI nachrichten: Der Deutsche Gewerkschaftsbund behauptet, Deutschland sei bei Bachelor und Master im Vergleich zu anderen Ländern ein „Entwicklungsland“. Ist dem zuzustimmen?

von Hoyningen-Huene: Die Bologna-Nachfolgekonferenz in Bergen hat gezeigt, dass Deutschland bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses nicht in der Spitzengruppe ist und gerade die Aktivitäten der großen deutschen Technischen Universitäten, der TU 9-Gruppe, und auch die diskutierten zweistufigen Strukturen bei der Lehrerbildung die Weiterentwicklung des Bologna-Prozesses gefährden. Insofern ist der Analyse zuzustimmen, dass sich die deutschen Hochschulen bei der Umstellung auf die Abschlüsse schwer tun. Allerdings ist der weit verbreiteten Auffassung, das deutsche Diplom sei in der Welt doch bestens etabliert, zu widersprechen. Das Gegenteil ist der Fall, weil mit dem Diplom insbesondere in den angelsächsischen Ländern nur Missverständnisse ausgelöst werden.

VDI nachrichten: In einer großen deutschen Tageszeitung hieß es jüngst, an deutschen Hochschulen tobe ein Streit um Bachelor und Master, der „alle Züge eines Kulturkampfes trägt“.

von Hoyningen-Huene: Es ist klar, dass sich mit Einführung der neuen Studienstrukturen eine neue Dimension des Wettbewerbs um die besten Studierenden und die knapper werdenden Haushaltsmittel ergeben hat. Von Kulturkampf zu reden, überzeichnet allerdings die Situation – zumindest aus Sicht der Fachhochschulen. Wir meinen – und das drückt die jüngst von uns veröffentlichte Bad Wiesseer Erklärung aus -, dass ein im Rahmen des Bologna-Prozesses fortentwickeltes Hochschulsystem nicht an den Grundfesten akademischer Qualifikation in Deutschland rührt, sondern eine sinnvolle Weiterentwicklung und Nutzung der vorhandenen Potenziale sowohl auf der Seite der Hochschulen als auch auf der Seite der Studierenden mit sich bringt.

VDI nachrichten: Hier die TU 9-Erklärung, dort die von Bad Wiessee. Das erweckt den Eindruck, als zögen Unis und Fachhochschulen nicht an einem Strang. Und der sollte doch Voraussetzung für ein gemeinsames deutsches Vorgehen im Bologna-Prozess sein.

von Hoyningen-Huene: Eines der zentralen Ziele der Bologna-Erklärung ist die Umstellung auf ein zweistufiges Studiensystem, das zu einer Berufsfähigkeit auf zwei Ebenen führt. Das ermöglicht den Fachhochschulen eine Ergänzung ihres Angebotes in Feldern besonderer Expertise und erfordert von den Universitäten eine Neustrukturierung des Studiums. Die TU 9-Erklärung macht deutlich, dass diese Universitäten eine solche Neustrukturierung nicht vollziehen wollen, jedenfalls noch nicht. Die Mobilität nach einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss quer über alle Hochschularten hinweg – wie es mit der Bologna-Erklärung intendiert ist – wird so behindert, wenn nicht gar untergraben. Der Beschluss verlässt die Linie der gemeinsamen Erklärung von Kultusministerkonferenz und Hochschulrektorenkonferenz zur Einführung gestufter Studiengänge in den Ingenieurwissenschaften. Diese ist Richtschnur für die Fachhochschulen, was in der Erklärung von Bad Wiessee zum Ausdruck kommt.

VDI nachrichten: Der Bologna-Prozess ist nun sechs Jahre alt. Bis zum Ziel eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes bleiben noch fünf Jahre Zeit. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus?

von Hoyningen-Huene: Im Sommersemester 2005 werden in Deutschland 2925 Bachelor- und Masterstudiengänge angeboten, das entspricht 26,3 % des gesamten Studienangebotes. Im Wintersemester 2003/2004 waren 107 749 oder 5,3 % aller Studierenden in Bachelor- oder Masterstudiengänge eingeschrieben. Zu den beliebtesten Bachelor- und Masterstudiengängen zählen neben den Wirtschaftswissenschaften und der Informatik auch die Ingenieurwissenschaften.

VDI nachrichten: Ein gemeinsamer Hochschulraum setzt ein großes Maß an Einheitlichkeit voraus. Im Bildungsstreit der Länder mit dem Bund zeichnet sich aber noch nicht einmal auf nationaler Ebene ein annähernd gemeinsames Vorgehen ab. Sollte der Bund weiter ein wichtiges Wort in der Bildungspolitik mitreden können?

von Hoyningen-Huene: Ich würde in diesem Zusammenhang ungern von Einheitlichkeit sprechen, sondern lieber von vergleichbaren Kompetenzstufen eigenprofilierter Studiengänge. Selbstverständlich muss auf nationaler Ebene ein gemeinsames Vorgehen abgestimmt und müssen einheitliche Qualitätsstandards vereinbart werden insofern muss der Bund ein gewichtiges Wort mitreden können.

VDI nachrichten: Wie groß ist die Gefahr, dass einige Bundesländer den Bachelor als Sparprogramm betrachten, nach dem Motto: kurze Studienzeit, weniger Zuschüsse.

von Hoyningen-Huene: Vor dem Hintergrund, dass in einigen Bundesländern, etwa in Baden-Württemberg, wachsende Studierendenzahlen in den nächsten zehn Jahren erwartet werden und ein Aufwuchs im Staatshaushalt nicht erwartet werden kann, besteht die Gefahr, dass man durch Begrenzung der Aufnahmekapazität in den Masterstudiengängen ein Sparmodell gefunden hat.

VDI nachrichten: Waren in Bergen auch Wirtschaftsvertreter vor Ort? Schließlich wird allgemein angemahnt, Unternehmen sollten sich aktiv an der Debatte um die Studienreformen beteiligen, um nachher nicht sagen zu können, es sei gegen ihren Willen und ihre Vorstellungen gehandelt worden.

von Hoyningen-Huene: Die Position der Bundesrepublik in Bergen wurde mit den Verbänden intensiv erörtert. Die Umstellung auf das gestufte Studiensystem wurde von den Unternehmen angeregt und gefordert. Es ist richtig, dass sich der Diskurs am Anfang sehr stark in den Gremien der Hochschulrektorenkonferenz und in den Hochschulen abgespielt hat. In der Zwischenzeit ist die Akzeptanz der neuen Studiengänge bei den Unternehmen durch zahlreiche Initiativen und Veranstaltungen stark gewachsen. Für die Zukunftssicherung Deutschlands ist der Bologna-Prozess eine einmalige Chance, weshalb die Fachhochschulen ihn mit Nachdruck verfolgen – so haben in Baden-Württemberg bereits Ende des Jahres nahezu alle Fachhochschulen ihre Studiengänge auf das neue System umgestellt. W. SCHMITZ

Von W. Schmitz

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