Hochschule

Gebühren-Zug gewinnt an Fahrt

Die Befürworter von Studiengebühren erheben immer lauter ihre Stimmen. Das Beispiel Aachen jedoch zeigt, dass es Alternativen gibt, um auch die teuren Ingenieurwissenschaften über andere Quellen zu finanzieren.

Vor wenigen Jahren war die Hochschulpolitik ein wirkungsvolles Instrument, um ideologische Gräben zu ziehen. Das hat sich geändert: Welcher Parteigänger welche Linie verfolgt, ist nicht immer deutlich auszumachen. Bei der Hochschulfinanzierung ist man sich weitestgehend einig: Studiengebühren werden – in welchem Modell auch immer – bundesweit die Runde machen. In Hamburg sind Studiengebühren ein heißes Thema, Thüringen hat sich jüngst in die Riege der Länder eingereiht, die Gebühren für Langzeitstudierende erheben. Selbst einige Grüne scheuen nicht mehr vor einer stärkeren, wenn auch moderaten finanziellen Beteiligung der Studenten.
Auch zahlreiche deutsche Hochschulen halten Studiengebühren für ein geeignetes Mittel, den notorischen Geldmangel in den Griff zu bekommen. Besonders weit ist man in Bayern: Auf einem Kongress der Bayerischen Rektorenkonferenz (BRK) ging es nicht mehr um das Für und Wider, sondern um die besten Gebührenmodelle.
„Wir dürfen Studierwillige nicht abschrecken und die Studenten nicht mit unzumutbaren Beträgen belasten.“ Ausgerechnet Wissenschaftsminister Hans Zehetmair hatte die BRK als ersten Redner geladen, um in München „Neue Wege zur Studienfinanzierung“ zu diskutieren. Der CSU-Mann ist ein Gegner von Studiengebühren. „Die bekannten Modelle eignen sich nicht für die Hochschulfinanzierung, die Einnahmen sind zu gering“, stellt Zehetmair fest und erinnert an das bundesweite Gebührenverbot. Und trotz aller Vorbehalte prophezeit der Bayer: „Studiengebühren werden kommen.“
Gebührenverbot hin oder her: Eine bunte Schar an Rektoren, Professoren und Politikern hindert dies nicht, einhellig festzustellen, dass Studiengebühren die beste Möglichkeit darstellen, um schnell an Geld zu kommen. Ein Allheilmittel seien die Beiträge aber nicht: „Studiengebühren können nur eine Ergänzung zum Hochschuletat sein. Bei den derzeit diskutierten Modellen kommen wir auf rund 8 % bis 10 % zusätzliche Einnahmen“, sagt Karl-Dieter Grüske, Rektor der Uni Nürnberg-Erlangen.
So sieht ein Modell Gebühren von 500 € pro Semester vor. Die Finanzierung soll über ein Darlehens- und Stipendiensystem erfolgen. Die Gelder stellt der Staat anstelle von Bafög und Kindergeld zur Verfügung. Sobald der Absolvent einen Job hat, zahlt er seinen „Bildungsvorschuss“ in Raten zurück, vorausgesetzt, er erreicht eine bestimmte Einkommenshöhe. Für rund 30 % der Studenten käme dies in Frage, so der Hamburger Wissenschaftssenator Jörg Dräger.
Sonderwege für einzelne Hochschulen werde es nicht geben, dämpfte Zehetmair die Hoffnungen. Der Seitenhieb galt dem Präsidenten der TU München, Wolfgang Herrmann, der mit „Premium-Studiengängen“, die hochklassige Lehre bieten sollen, aber extra Geld kosten, kokettiert. Und selbst wenn es allgemeine Studiengebühren gäbe: Woher soll die Anschubfinanzierung für die Darlehen und Stipendien kommen? Gebühren machten ohnehin nur dann Sinn, wenn die zusätzlichen Erlöse bei den Hochschulen bleiben würden, ohne dass das Hochschulbudget weiter gekürzt werde.
Die RWTH Aachen hat sich gegen Gebühren für ein Erststudium ausgesprochen. Die Hochschule setzt neben der staatlichen Finanzierung auf andere Trümpfe. „Wir sind in Deutschland bei der Drittmittelfinanzierung mitführend“, erläutert der stellvertretende Kanzler Heinz-Herbert Kaußen. 137 Mio. € brachte die RWTH im Jahre 2002 auf diesem Wege zusammen, das sind 28 % des Gesamthaushaltes. „Darüber hinaus haben wir in Kooperation mit Firmen wie Philips, Ericsson oder Henkel die Einrichtung von Stiftungsprofessuren vorangetrieben.“ Weitere Projekte mit der Fraunhofer Gesellschaft, Ford oder Microsoft fördern die Öffnung nach außen. Und die ist dringend nötig, sonst würden vor allem die teuren Ingenieurwissenschaften, die rund das Dreifache (22 000 € je Student) der Geisteswissenschaften verschlingen (7500 €), nicht dem hohen Anspruch der Aachener gerecht.
E. TSAKIRIDOU/W. SCHMITZ

Von E. Tsakiridou/W. Schmitz

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