Hochschule

Für den Bachelor auf Roadshow

VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 1. 04 -Bachelor und Master sollen die „Studienabschlüsse der Zukunft“ sein. Um die Zweifel der Wirtschaft an dieser Prognose auszuräumen, tingeln Politiker durchs Land. Ein Beispiel aus NRW zeigt, wie schwer die Überzeugungsarbeit ist.

Deutschland macht mobil. Die Wissenschaftsminister der Bundesländer werben für die neuen Studiengänge – mehr oder minder enthusiastisch. Nordrhein-Westfalen sieht sich beim Vorantreiben der Reformen gerne in einer Vorreiterrolle. Um vor allem bei den zweifelnden Unternehmen für Master- und den in seiner Reputation wackelnden Bachelorabschluss zu werben, schickt Ministerin Hannelore Kraft ihre Mitarbeiter zum Klinkenputzen vor Ort, als Botschafter für die „Studienabschlüsse der Zukunft“.
So war es an Staatssekretär Hartmut Krebs, im ostwestfälischen Paderborn die Werbetrommel zu rühren. Unterstützt von bachelor-überzeugten Unternehmens-, Verbands- und Hochschulvertretern sang er das Hohelied auf die Vorteile des angelsächsisch geprägten Studiums. „Unser Ziel ist es, dass Studenten kürzer und besser studieren. Sie sollen die Hochschulen berufsfähig, aber nicht berufsfertig verlassen.“ Andere Bundesländer, die am Diplom festhielten, werden sich aus diesem Prozess mittelfristig nicht ausklinken können. Dazu hätten Bachelor und Master international schon zu weite Kreise gezogen.
Lars Hüning vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) wies darauf hin, dass die erfolgreiche Umsetzung nicht in den europäischen Zentralen nachweisbar sei, sondern vor Ort, in den Hochschulen und Unternehmen. Der Trend verspräche viel: „An der Ruhr-Universität in Bochum haben sich für das laufende Semester 58 % der Studenten für Bachelorstudiengänge eingeschrieben, in Paderborn immerhin rund 40 %.“ In den Bildungseinrichtungen liege weniger das Problem als in der mangelnden Akzeptanz durch die Wirtschaft. Die kurze Studiendauer von in der Regel nur sechs Semestern verleite die Unternehmer zum Bild des „zertifizierten Studienabbrechers“. Um eigene Ansprüche geltend zu machen und Inhalte mit zu gestalten, sei es für die Firmen wichtig, sich in die Ausarbeitung der Hochschul-Curricula einzumischen.
Prof. Nikolaus Risch, Rektor der Universität Paderborn und grundsätzlich Befürworter von Bachelor und Master, rät von einer flächendeckenden Umgestaltung ab: „Wir sollten die Studiengänge nur dort einführen, wo sich Abnehmer in der Wirtschaft anbieten. Wir brauchen neue Studieninhalte, aber man sollte Erfolgreiches nicht rigoros über Bord werfen.“ Dann also doch ein „bisschen“ Diplom? Nein, sagt ausdrücklich der VDI. Wer an der Schaffung eines einheitlichen europäischen Bildungsraumes teilhaben wolle, dürfe sich „räumlich und mental“ Bachelor und Master nicht entziehen, meint Margret Sitzler, VDI-Geschäftsführerin „Beruf und Gesellschaft“.
Um die Vorteile der neuen Abschlüsse in die Köpfe der Zielgruppen zu verpflanzen und Zweifel auszuräumen, bedarf es allerdings noch hartnäckiger Überzeugungsarbeit. Laut einer Studie der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen aus dem vergangenen Jahr haben nur 40 % der Unternehmen eine klare Meinung zu Bachelor und Master. Die Gehaltsvorstellungen der Personalverantwortlichen liegen für Anfänger bei durchschnittlich 2000 € bis 2500 €. 70 % der Unternehmensführungen können sich nicht vorstellen, Bachelor-Absolventen als Teamleiter einzustellen. Als Sachbearbeiter seien sie besser aufgehoben, meinen knapp 65 % der Befragten. Fazit der IHK: Die Erwartungen der Unternehmen an die Bachelor-Absolventen sind sehr diffus, die Einsatzvorstellungen begrenzt. Absolventen der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Paderborn sind hingegen optimistisch. Eine aktuelle Umfrage ergibt, dass 78 % der Befragten einen Kurzzeitstudiengang bei der Stellenvergabe für „bedeutungslos“ halten, 77 % bei den Aufstiegschancen.
Während Deutschland nach vorne prescht, schaltet der US-amerikanische Verband der Bauingenieure einen Gang zurück. Er hält einen Bachelor-Abschluss nach vier Jahren für nicht ausreichend, um genügend auf den anspruchsvollen Ingenieurberuf vorzubereiten. Mit einer zeitlich eng begrenzten Ausbildung seien die Herausforderungen der Zukunft nicht zu bewältigen, meint Patricia Galloway, Präsidentin des rund 125 000 Köpfe zählenden Verbandes, in der Zeitschrift „Forschung & Lehre“. Der Vorsitzende des deutschen Fakultätentages für Bauingenieur- und Vermessungswesen, Karl Schweizerhof, sieht das ähnlich. Er meint, dass mit der „Absenkung der Anforderungen die Wirtschaftskraft der Deutschen Industrie in nicht zu verantwortendem Maße“ gefährdet sei.
Prof. Dieter Timmermann, Rektor der Universität Bielefeld, will solchen Pessimismus nicht teilen. Seine Hochschule liegt bei der Einführung von Bachelor und Master weit vorne. Timmermann kann indes nicht über die Zweifel der Firmen hinwegsehen: „Mit den praxisnahen Abschlüssen kommen wir dem 30 Jahre währenden Wunsch der Wirtschaft nach. Wenn die Unternehmen jetzt aber hergehen und sagen: Den Bachelor wollen wir nicht, dann falle ich vom Glauben ab.“
WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

Stellenangebote im Bereich Projektmanagement

Siemens Management Consulting (SMC)-Firmenlogo
Siemens Management Consulting (SMC) Experienced Consultant PLM and R&D Modular Product Concepts (m/w/divers) München, Erlangen
Siemens Management Consulting (SMC)-Firmenlogo
Siemens Management Consulting (SMC) Experienced Consultant PLM and R&D Lean/Agile Transformation (m/w/divers) München, Erlangen
Siemens Management Consulting (SMC)-Firmenlogo
Siemens Management Consulting (SMC) Experienced Consultant SCM Factory Planning and Optimization (m/w/divers) München, Erlangen
Siemens Management Consulting (SMC)-Firmenlogo
Siemens Management Consulting (SMC) Experienced Consultant SCM Procurement (m/w/divers) München, Erlangen
Siemens Management Consulting (SMC)-Firmenlogo
Siemens Management Consulting (SMC) Experienced Consultant SCM Digitalization in Production (m/w/divers) München, Erlangen
Siemens Management Consulting (SMC)-Firmenlogo
Siemens Management Consulting (SMC) Experienced Consultant PLM and R&D Design to Value (m/w/divers) München, Erlangen
Siemens Management Consulting (SMC)-Firmenlogo
Siemens Management Consulting (SMC) Experienced Consultant CRM Service Business (m/w/divers) München, Erlangen
Siemens Management Consulting (SMC)-Firmenlogo
Siemens Management Consulting (SMC) Experienced Consultant PLM and R&D Data Analytics (m/w/divers) München, Erlangen
Hays AG-Firmenlogo
Hays AG Bauleiter SF-Bau (m/w/d) Speyer
BELECTRIC GmbH-Firmenlogo
BELECTRIC GmbH Senior-Projektmanager (m/w/d) für die Projektabwicklung elektrischer Anlagen Kolitzheim

Alle Projektmanagement Jobs

Top 5 Studium