Technikunterricht

Früh übt sich der Ingenieur von morgen

VDI nachrichten, Wuppertal, 16. 1. 04 -Ein Beispiel dafür, wie technikorientierter Schulunterricht eine ideale Brücke zum ingenieurwissen-schaftlichen Studium schlagen kann, ist das Berufskolleg am Haspel in Wuppertal.

Für Elektroingenieur Torsten Lang war es ideal, seine Leidenschaft für die Technik bereits in der Schule auszuleben. Der Remscheider „baute“ vor rund zehn Jahren sein Abitur in der bergischen Nachbarstadt und ist heute – nach seiner Lehre als Energieelektroniker und dem Studium der Elektrotechnik an der Universität Wuppertal sowie ersten Berufsjahren – voll des Lobes für die Schule am Haspel.
„Wir bekommen von unseren früheren Schülerinnen und Schülern immer ein gutes Feedback“, berichtet Schulleiter Volker Lieb. Nachdem der Bildungsgang vor 16 Jahren verhalten angelaufen war, gab es in den letzten Jahren konstante Anmeldezahlen. Jeweils 60 bis 70 Haupt- und Realschüler sowie auch immer wieder einige Gymnasiasten kamen in der Jahrgangsstufe 11 zusammen, um einen Leistungskurs in einem Technikfach zu belegen. Der Elektrotechnikkurs ist meist etwas stärker besetzt, dafür ist der Frauenanteil bei den Bautechnikern stets höher.
Männliche wie weibliche Teilnehmer des Leistungskurses Bautechnik bleiben fast geschlossen bei diesem Fach und wechseln an eine Fachhochschule oder Universität. Bei der Elektrotechnik sieht es anders aus: Etwa die Hälfte der Schüler entscheidet sich für eine andere Richtung. Die Elektrotechnik sei eben sehr anspruchsvoll, bemerkt Abteilungsleiter Wolfgang Hardt. „Unsere Schüler erlangen die allgemeine Hochschulreife. Sie sind nicht auf ein Fach festgelegt. Wenn sie feststellen, dass Bautechnik oder Elektrotechnik nicht das Richtige sind, dann können sie in andere Bereiche wechseln ohne irgendeinen Verlust.“
Absolventin Caroline Meurer studiert heute im siebten Semester Architektur an der Universität Wuppertal, direkt in der Nachbarschaft ihrer alten Schule. Sie hat in guter Erinnerung, dass es in der 11. Klasse keine ausgrenzenden Grüppchen gab und somit schnell eine angenehme Lernatmosphäre entstand. „Im Studium konnte ich in den ersten beiden Semestern in vielen Fächern entspannt zuhören, weil ich das alles bereits kannte – dementsprechend einfach waren auch die Klausuren. Die Grundkenntnisse hatte ich, konnte zeichnen, mit dem Computer umgehen. Das war schon sehr hilfreich.“ Die praktische Erfahrung in technischen Berufen, die viele Lehrer in der Schule am Haspel weitergeben, hätte eine wichtige Rolle gespielt.
Von den 75 Lehrerinnen und Lehrern des Berufskollegs unterrichten etwas über 30 in der gymnasialen Oberstufe, gleichzeitig aber auch in den anderen Bildungsgängen. So hat Monika Küpper eine Klasse mit Berufsschülern, die eine Ausbildung zum Bauzeichner absolvieren. „Die für diese Gruppe notwendigen Unterrichtsmaterialien kann ich, meist modifiziert, auch bei den Gymnasiasten einsetzen. Wir alle profitieren also von dem ständigen Kontakt zum Berufsalltag. Ähnlich läuft es bei den Elektrotechnikern“, erläutert die Bautechnik-Lehrerin.
Rund 30 Lehrer des Berufskollegs haben Elektrotechnik studiert und können alle Facetten dieses Faches abdecken. „Wir haben Lehrer aus dem Bereich der Nachrichtentechnik sowie Informatiker. Wir können also in der gymnasialen Oberstufe von Jahr zu Jahr unterschiedliche Schwerpunkte setzen“, erklärt Volker Lieb. Das Gleiche gelte für die Bautechnik: Architekten und Bauingenieure ergänzten sich ideal.
Ein wichtiges, übergeordnetes Bildungsziel in ihrem Leistungskurs Bautechnik sei die Förderung der Selbstständigkeit der Schüler, betont Monika Küpper: „Mir liegen besonders die Frauen am Herzen. Ihnen soll es nicht an Selbstvertrauen mangeln, wenn sie aus der Klasse 13 ins Studium übergehen.“ Caroline Meurer erinnert sich, dass sie und ihre Mitschülerinnen sich bei einem Mädchenanteil von 10 % bis 20 % bereits in der Schule das nötige Durchsetzungsvermögen aneigneten.
Obwohl der Bildungsgang etabliert ist, bleibt die Konkurrenz der Gymnasien sehr stark, so dass jedes Jahr aufs Neue die Werbetrommel gerührt werden muss. Schulleiter Lieb: „Wir sind ja nicht der Regelfall. Die Eltern tendieren eher dazu, ihr Kind aufs Gymnasium zu schicken, möglichst auf eines mit besonders gutem Ruf. Wenn sich also jemand für unsere Schule entscheidet, dann mit Blick auf den Technikanteil.“MANFRED BURAZEROVIC

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