Hochschule

Forschungspartner für den Mittelstand  

VDI nachrichten, Bonn, 17. 3. 06, moc – Die deutschen Fachhochschulen liefern seit Jahrzehnten von der Industrie hoch geschätzte Absolventen. Doch jetzt drängen sie zunehmend in die anwendungsnahe Forschung. Stärker als bisher versuchen sie, sich als Partner innovativer kleiner und mittelständischer Unternehmen zu etablieren. Deshalb suchen sie Zugang zu den traditionell von den Universitäten kontrollierten Forschungsförder-Communities

Fischer: Das hat sich ja schon eine ganze Weile geändert. Viele Fachhochschulen haben exzellente Forschungskontakte insbesondere zu mittelständischen Unternehmen und üben so eine wichtige Brückenfunktion zwischen Grundlagenforschung und praxisnahen Innovationen aus. Und gerade wenn es um Innovationen geht, spielt die Forschung ja eine zentrale Rolle.

VDI nachrichten: Schwindet damit der Unterschied zwischen FH und Universitäten in Sachen Forschung?

Fischer: Formal ist heute der gesetzliche Auftrag der Fachhochschulen und der Universitäten in Bezug auf Forschung vergleichbar.

VDI nachrichten: Schlägt sich das auch in der Berufungspolitik nieder?

Fischer: In den letzten Jahren gab es an FH immer mehr Berufungen junger Professoren, die sich aktiv in der Forschung engagieren und die es ganz bewusst als Teil ihrer Aufgaben ansehen, angewandte Forschung an FH zu betreiben.

VDI nachrichten: Finden Sie an den Universitäten vergleichbare Bedingungen vor?

Fischer: Das eben nicht. Fachhochschulen sind eindeutig schlechter aufgestellt. Die Professorinnen und Professoren haben deutlich mehr Lehrverpflichtungen, und den FH fehlt der Mittelbau. Je zwei Professoren teilen sich einen Assistenten.

VDI nachrichten: Und die Ausstattung mit Forschungsgerät?

Fischer: Die Ausstattung in vielen FH ist deutlich schlechter, oft schlicht museal, die Mittel für Ersatzinvestitionen sind minimal.

VDI nachrichten: Und wie sieht es mit dem Zugang zu Förderprogrammen aus?

Fischer: Wir wollen einen angemessenen Zugang zur Forschungsförderung. Der ist uns bisher verwehrt. Nehmen Sie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Wir können zwar Anträge stellen bei der DFG, aber FH können keine Gutachter in die Gremien entsenden, die die Anträge bewilligen. Da bleiben die Universitätsprofessoren unter sich.

VDI nachrichten: Aber es gibt doch seit Jahren spezielle Förderprogramme für die Forschung an FH.

Fischer: Bei diesen Programmen liegt die Förderquote heute bei unter 10 %. Das reicht uns nicht. Regelmäßig bleiben sehr gute Anträge auf der Strecke. Auch spezielle Programme der Länder helfen derzeit kaum weiter.

VDI nachrichten: Bleibt der Weg über Drittmittel aus Industriekooperationen.

Fischer: Das machen wir auch. Fast alle Assistenten, die an FH in der Forschung arbeiten, sind über Drittmittel finanziert. Drittmittel helfen den FH auch, um ihre Forschungsinfrastruktur auf dem neuesten Stand zu halten.

VDI nachrichten: Traditionell sind es die mittelständischen Unternehmen der Region, die mit FH zusammenarbeiten. Ist das noch immer so?

Fischer: Mehr denn je. Die Zahl der Industriepartner wächst ständig. Zwischen der regionalen Wirtschaft und den FH ist das Vertrauen über Praxissemester und über Diplomarbeiten gewachsen. Und es sind ja die kleinen Unternehmen, die Innovation vorantreiben und neue Arbeitsplätze schaffen. Um für diese ein kompetenter Ansprechpartner zu bleiben und in Zukunft noch mehr für sie tun zu können, brauchen die Fachhochschulen mehr Forschung.

VDI nachrichten: Hat sich die Zahl der steigenden Industriekontakte auch in mehr Drittmitteln niedergeschlagen?

Fischer: Bisher ging man davon aus, dass bei den Fachhochschulen 90 % des Gesamtbudgets für die Lehre eingesetzt werden, 10 % für die Forschung. In Nordrhein-Westfalen sind daraus mittlerweile 15 % geworden. Das kommt insbesondere durch das Einwerben zusätzlicher Drittmittel. Hier an der FH Bonn-Rhein-Sieg haben sich in den letzten drei Jahren die eingeworbenen Drittmittel verdoppelt. Derzeit liegt das Drittmittelaufkommen bei gut 2 Mio. €, der Gesamthaushalt bei gut 20 Mio. €.

VDI nachrichten: Sind die Fachhochschulen denn mit der übrigen Forschungslandschaft auch so gut vernetzt wie die Universitäten?

Fischer: Wir sind mit der Universität Bonn und der RWTH Aachen in dem “Bonn-Aachen International Center for Information Technology“ verbunden und haben enge Kontakte zum Fraunhofer Campus Birlinghoven und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Wir kooperieren nicht nur bei Landes- oder Bundesprojekten, sondern auch bei EU-Vorhaben.

VDI nachrichten: Trotz aller Anstrengungen in Sachen Forschung werden die FH ja noch immer vor allem als Ausbildungseinrichtungen wahrgenommen. Müssen sie nicht auch an ihrer Außenwirkung etwas ändern?

Fischer: Neben dem fairen Zugang zu den Fördertöpfen möchten wir für unsere qualifizierten Absolventen den gesetztlich geregelten Zugang zur Promotion erleichtern. Das wäre ein wichtiger Schritt in Sachen Außenwirkung. Zudem werden wir in Zukunft unsere Forschungsergebnisse verstärkt an die Öffentlichkeit bringen.

VDI nachrichten: Haben Sie den Eindruck, dass die Politik auf Ihrer Seite ist?

Fischer: Allein hier in Nordrhein-Westfalen zeigt ja schon die Umbenennung des Forschungsministeriums in Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie, dass das Land das Problem angehen will. Wer die Innovationskraft des Mittelstands stärken will, der muss dafür sorgen, dass er Zugang zu angewandter Forschung hat. Und den bekommt er in der Regel über die Fachhochschulen. Wir hoffen deshalb, dass wir mehr Freiräume bekommen, um mit der Wirtschaft besser zusammenarbeiten zu können.

VDI nachrichten: Verbinden sich mit Ihrer Forderung nach mehr Forschung an den Fachhochschulen auch neue Schwerpunkte in der Forschung?

Fischer: Es gibt traditionell große Fächergruppen an den FH, wie die Ingenieur- und die Betriebswissenschaften. Über 60 % aller Ingenieure werden an FH ausgebildet und über 70 % aller Betriebswirte. In diesen Fächern gibt es schon eine gewisse Forschungstradition und darauf werden wir aufbauen.

VDI nachrichten: Seit kurzem gibt es ja auch neue Fachbereiche an FH, die „angewandten Naturwissenschaften“. Ist das ein Zukunftsfeld der Forschung?

Fischer: Sicher auch. Die FH Bonn-Rhein-Sieg arbeitet beispielsweise an Fragen der Biokompatibilität neuer Materialien und ist Mitglied im Kompetenznetz Stammzellenforschung des Landes NRW. Aber immer liegt die Betonung auf angewandter Forschung.

VDI nachrichten: Grundlagenforschung ist also für die FH kein Thema?

Fischer: Nein. Das bleibt Sache der Universitäten. Was die Fachhochschulen auszeichnet, ist die Nähe zur Industrie und wir haben nicht vor, den Weg zur transferorientierten, anwendungsnahen Forschung aufzugeben. moc

Von Wolfgang Mock

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