Nachwuchsförderung

Formula Student 2012: Count-down des Konstruktionswettbewerbs läuft

Wenige Wochen vor dem Start des internationalen Konstruktionswettbewerbs präsentieren die studentischen Rennställe ihre neuen Boliden. Doch um die Poleposition zu erringen, bedarf es mehr als guter Technik. Erfahrene Teams erklären, wie sie sich trotz wechselnder Besetzung und teils schwieriger Finanzierungslage jährlich steigern.

Studenten und Rennwagen haben vieles gemeinsam – zumindest bei der Formula Student. Seit dem Start des Konstruktionswettbewerbs in Deutschland 2006 haben sich Teams und Boliden stetig weiterentwickelt. Wie in der Realwirtschaft kämpfen die Studenten um technische Allianzen, mediale Aufmerksamkeit und gegen den demografischen Wandel. Mit den Älteren wandert auch aus den Hochschulteams das Know-how ab.

Formula Student 2012: Bodensee Racing Team fast komplett neu besetzt

„Das momentane Bodensee Racing Team ist bis auf vier oder fünf Ausnahmen komplett neu“, beschreibt die Marketingbeauftragte Jasmin Deissinger die Problematik der dem Studienzeitplan unterworfenen Rennställe. „Viele der Formula-Student-Erfahrenen sind im Praxissemester, fertig mit dem Studium oder durch ihr Auslandssemester am anderen Ende der Welt.“ Das erschwere die Kommunikation und mache das Team anfälliger für Fehler. „Dadurch haben wir dieses Jahr tatsächlich von vorne angefangen“, sagt Deissinger.

Doch das Bodensee Racing Team hat bereits sein ganz eigenes Konzept gegen den Wissensverlust im Kopf: Neulinge sollen in Zukunft frühzeitig durch Patenschaften angelernt und in die Verantwortung genommen werden.

Formula Student 2012: Wissenstransfer zwischen alten und neuen Team-Mitgliedern wichtig

Das Motto der Süddeutschen und ihrer Wettstreiter könnte heißen: Hauptsache in der Spur bleiben. Anna Kaufmann, Chefin vom Running Snail Team der HAW Amberg-Weiden, erklärt: „Der direkte Erfahrungsaustausch zwischen alten und neuen Teammitgliedern ist unerlässlich, um besser zu werden.“ Sie spricht damit vielen aus der Seele.

Umgesetzt wird der Wissenstransfer überall unterschiedlich: Einige Teams nutzen Wikis, andere haben Server eingerichtet, um die Dokumentation bisheriger Konstruktionsschritte oder Hinweise zur Fehlerbehebung jederzeit für alle Mitglieder abrufbar zu machen.

Die naheliegendste Form des Mentorings, nämlich die Betreuung der Studenten durch Hochschulmitarbeiter, findet nur selten Anwendung. Zwar berichten einige Teams, dass sie Ansprechpartner an ihren Hochschulen haben, die sie tatkräftig unterstützten. Die Erfahrungen, die die Studenten in den Werkstätten machen, wird jedoch nur selten in letzter Konsequenz mit der Lehre der Hochschule verbunden.

„Wir arbeiten daran, den Studierenden die Möglichkeit zu bieten, Credit Points für ihr Engagement in der Werkstatt zu bekommen“, sagt der Hawks-Vorstandsvorsitzende Markus Lembert aus Hamburg. Das Bodensee Racing Team ist den Hawks in diesem Punkt einige Zehntel voraus. Die HTWG Konstanz erkennt besondere Leistungen im Team als Tutorium oder Studium Generale an. „Auf die Karriereleiter im eigenen Studiengang nimmt es allerdings kaum Einfluss“, sagt Deissinger.

Wer begeistert sich trotz dieser Doppelbelastung für die Mitarbeit in einer Werkstatt? Für Jana Knode, Projektleiterin des Fasttube-Teams der TU Berlin, ist die persönliche Motivation aus der Affinität zu Rennautos ausschlaggebend für den Einstieg ins Team. „Natürlich sind Studenten der fahrzeugnahen Studiengänge wie Verkehrswesen, Fahrzeugtechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau besonders interessiert, in der Werkstatt mitzuarbeiten“, sagt sie. Aber auch für Studenten der Bereiche Wirtschaft, Elektrotechnik oder Physik gebe es passende Aufgabenbereiche.

Letztlich gehe es darum, das theoretisch erlernte Wissen in die Praxis umzusetzen, stellt Deissinger heraus. Dabei werden die in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern unterrepräsentierten Softskills, wie Organisationstalent und Verhandlungsgeschick, gefördert, ein internationales Netzwerk für das berufliche Weiterkommen kann gesponnen werden.

Krisenmanagement zählt zu den wichtigsten Fähigkeiten bei der Formula Student

„Die wichtigste Fähigkeit, die man aus dem Projekt mit in die Zukunft nehmen kann, ist für mich das Krisenmanagement. Es ist wichtig, bei Problemen umzudenken – und manchmal ist Plan B sogar besser als Plan A“, freut sich Knode. Das Fasttube-Team fand keinen Sponsor für die CNC-gefräste Pedalerie und musste selbst ran. Die Eigenbauvariante war sogar 100 g leichter als geplant. So kann der Zwang zu Eigeninitiative und Kreativität junge Ingenieure beflügeln.

Würde sich die Anerkennung der Arbeiten im Rennstall zudem in Credit Points ausdrücken, wäre das in erster Linie eine Arbeitsentlastung. „Der hohe Zeitaufwand ist für viele eine Einstiegsschwelle. Neue Mitglieder merken schnell, ob sie das Rennfieber packt“, sagt Knode.

Nur wer bereit sei, einige Jahre auf sonstige Hobbys und einige Unikurse zu verzichten, könne in der Werkstatt Erfolg haben. So pendle sich die Teamstärke ganz von allein auf einem stabilen Niveau ein.

Fein eingependelt oder fast festgefahren präsentiert sich auch die Sponsorenlage der deutschen Teams. Zwar äußern sich die Studenten zufrieden mit der allgemeinen Situation und berichten, es gebe in Deutschland ausreichend Sponsoren, die den semiprofessionellen Bastlern mit Beratung, der Fertigung von Bauteilen und finanzieller Unterstützung zur Seite stehen. Rennställe, deren Studienorte nicht an Ballungsräume der Automobilindustrie grenzen, müssen jedoch mit Nachteilen leben.

„Die meisten Sponsoren bevorzugen regionale Unterstützung aus der eigenen Branche“, heißt es aus den Rennställen. Und auch der Zukunftstrend Elektromobilität setzt die Teams unter Druck: „Als Benziner-Team haben wir seit einiger Zeit immer wieder das Problem, dass die Unternehmen lieber E-Teams unterstützen möchten“, sagt eine Sprecherin.

Wer auf gute Sponsorenverträge bauen kann, hat Auftrieb. „Die Industrie hat zu unserem Glück großes Interesse daran, uns teure Software und modernste Werkstoffe zur Verfügung zu stellen“, sagt Jana Knode aus Berlin.

 Sponsoringanfragen für die Formula Student Germany häufen sich

Im Vergleich zu den Anfängen der Formula Student Germany vor sechs Jahren, in denen es ausschließlich die Fahrklasse Benziner gab, haben sich die Sponsoringanfragen vermehrt. Die Anzahl der Rennställe ist auf 289 in der Kategorie Benziner und 85 in der Kategorie elektrische Antriebe angestiegen. „Bei großen Firmen ist die Lage inzwischen sehr angespannt“, berichten Studenten.

Einige Schikanen können noch umfahren werden, bevor das Rennfieber sich Anfang August vollends ausbreitet. Und last but not least, so Anna Kaufmann vom Running Snail Team, geht es nur um das eine: „Ein eigenes Auto zu bauen und damit an einem Rennen teilzunehmen, das ist wohl für jeden von uns die Erfüllung eines Kindheitstraums.“ 

Von Lisa Schneider

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