Nachwuchsförderung

Flirt mit den Geheimnissen des Technikreichs  

Jede Generation und Hautfarbe, Mädchen und Jungen mischen das einstige Expo-Gelände zu einem Bild heiterer Betriebsamkeit. Hier im IdeenPark von ThyssenKrupp kann noch bis Sonntag technische Empathie spielerisch geübt werden.

Mit der flinken Fertigkeit eines Saxophonisten bearbeiten Fuat Aktepes Finger ein Automodell mit Plastillin. Fuat hat den Wagen nach Kriterien aus dem realen Autobau entworfen. Nun bringt er das Modell in Form. Wird es ein Straßenkreuzer? Kein Kommentar. Nur die geröteten Wangen des elfjährigen Jungen färben sich noch einen Hauch intensiver.

Rund um ihn herum wuselt und wimmelt es; Hunderte ziehen durch den Deutschen Pavillon, in dem man mehr ausprobieren kann, als sich ein neugieriges Kinderherz je erträumt. Vor diesem Kosmos der Inspiration warten Besucher über eine Stunde. Doch beim Eintritt in den IdeenPark fällt jede irdische Schwere ab. Geist und Seele tauchen in einen Dom mal roter, mal blauer Ruhe, in dem Luftballons wie in Sphärenlicht fixiert hängen und ein Echo himmlischer Stimmen Wünsche wie von einem neuen Planeten verkünden. Wer aus diesem Rätselraum tritt, ist bereit für den Flirt mit der Quadratur des Erlebens.

Nun will Fuat den Kosmos auch ungestört auskosten. Er hat einen der beliebtesten Mitmach-Plätze ergattert, betreut von hilfreichen Assistentinnen der Autostadt und begleitet von seinem Vater, der geduldig lächelnd hinter seinem Sohn steht. Mit großen Augen betrachtet Fuat seine Schöpfung – weltvergessene Symbiose eines Musikers mit seinem Instrument. Will er Künstler oder Designer werden? „Nein! Ich werde Architekt!“

Wie viel Technik brauchen Architekten? „Viel!“ Deshalb ist er ja hier! Deshalb das Staccato seiner Antworten. Fuat hat keine Zeit er will noch ins Schülerlabor auf der Plaza, in dem man nach Anleitung richtige Elektroanlagen konstruieren kann. Und er will einen Schiffsrumpf mit optimalem Strömungsverhalten bauen.

Daran werkelt bereits die elfjährige Carolina Tomasch aus Peine. Aus Karton, Stöckchen, einem Damenstrumpf und Wachs hat sie ihr Schiff mit Hilfe von Studenten der Uni Duisburg-Essen gebastelt. Noch trocknet der Wachsüberzug danach wird das Werk zu Wasser gelassen. Im Becken zeigt sich, ob das Schiff zu viel Widerstand erzeugt. Carolina bleibt gelassen. Was bringt sie in Wallung? „Das Ideenforum.“ Warum? „Weil Yvonne Catterfeld kommt!“ Die Sängerin und Schauspielerin – ihr Idol.

Carolinas Mutter lächelt verlegen, ihre Tochter hat doch mehr Interessen. „Klar, meine Schwester hat ein Mikroskop das interessiert mich auch.“ Bevor Catterfeld mit Landesbischöfin Margot Käßmann und Ministerpräsident Christian Wulff auf der IdeenBühne Zukunftsthemen diskutiert, will Carolina das JetCafé besuchen, wo Jugendliche für Jugendliche Programm machen. Und sie will mehr über das Computerprogramm erfahren, das Gesichtsausdrücke speichert.

Vor diesem „Mimik-Computer“ der TU München stockt der zäh fließende Besucherstrom endgültig. Hier wird gerade das Gesicht der 13-jährigen May-Brit Wiechmann aus Hameln gefilmt. Dicht hinter ihr stehen zwei Freundinnen, umringt von einem Kranz gereckter Köpfe. Während May-Brit Freude, Staunen, Skepsis mimt, wird ihr Gesicht auf den Monitor projiziert und das Charakteristische jeder Mimik nachgezeichnet. KI-Grundlagenforschung, die Rechner zu besseren Interaktionspartnern, intuitiv lernfähig, „menschlicher“ machen soll. „Du wirkst irgendwie fremd“, kommentiert eine Freundin. May-Brit beobachtet sich selbst, verunsichert und fasziniert zugleich.

Wie eine Allegorie erschließt das Spiel mit verfließenden Selbst- und Fremdwahrnehmungen, was den innovativen Geist weckt: Wahrnehmungs-Metamorphosen, auch oder gerade weil sie verunsichern. Haben nicht Hirnforscher vor kurzem nachgewiesen, dass positives Erleben unbekannter Eindrücke die Neuronen aktiviert? Im geschützten Raum des IdeenParks jedenfalls kann technische Empathie spielerisch geübt werden.

„Spannend ist das schon“, urteilt May-Brit. Sie möchte in ihrem Leben vieles ausprobieren. Vom IdeenPark hatte sie in der Schule gehört den wollte sich das Gymnasiastinnen-Trio anschauen. Am meisten ist es beeindruckt vom Bereich Leben und Umwelt. „Uns war nicht so bewusst, wie Technik Armut etwas erträglicher macht.“ Zum Beispiel durch ein mehrstufiges Wasserfiltersystem. Damit können in Notstandsgebieten stündlich 500 l Trinkwasser gewonnen werden. Dabei bewährten sich besonders die „permeablen synthetischen Kollektoren“, die einen Großteil der Feststoffe zurückhalten und trotzdem, durch die hohe innere Porosität, den Wasserdurchfluss wenig behindern. Die drei erklären das genau und wissen, dass die Anlage ohne Chemikalien funktioniert, technisch einfach zu bedienen ist.

Auch die achtjährige Bella Niovang möchte etwas für die Erde tun. Mit aller Kraft kurbelt sie vor einer Weltkarte, auf der immer mehr Lichter angehen, je mehr sie kurbelt. „Das ist gut“, kommentiert sie ihren Eifer. Sie möchte die Welt erleuchten. Der 14-jährige Jan-Hendrik staunt kurz über die kindliche Verve der kleinen Bella. Dann zieht er weiter. Er will einen Blick auf die Simulation der vorbeiflitzenden Landschaft auf der Transrapid-Strecke zwischen Flughafen Pudong und Shanghai bei 430 km/h werfen.

Auch die Gauß-AG der Uni Hannover, die auf der Plaza zeigt, wie sie an absorbierbaren Implantaten forscht, möchte er noch befragen. Und er will das erdgasbetriebene „Clever“ inspizieren. Das von Forschern aus Wissenschaft und Wirtschaft mit EU-Geld entwickelte dreirädrige Stadtmobil beflügelt Jan-Hendriks Zukunftsplanung. „Das Mobil ist genial und viele sind dran beteiligt.“ Auf jeden Fall im Team möchte er später arbeiten. „Auch Neil Armstrongs Mondflug war Teamarbeit.“ Und auch ihn, den medienscheuen Armstrong, hat ThyssenKrupp nach Hannover geholt. Seinetwegen mühte sich Jan-Hendrik um ein Ticket zur Eröffnungsfete, vergeblich. Ein Freund erzählt ihm davon.

Kann Technik sozialer Kleister sein? „Unser Technikunterricht ist auch Sozialerziehung“, versichert Werner Schlüter, Pädagoge an der hannoverschen Integrierten Gesamtschule List. „Die Kinder lernen, dass es auf jeden Einzelnen ankommt, damit das Ganze funktioniert – das motiviert.“ Seine Schule verlassen nur 3 % der Schüler ohne Abschluss der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei 10 %. Die Schule gehört zu den Gewinnerinnen im ThyssenKrupp-Programm IdeenMacher. Eben hat Schlüter mit seinen Schülerinnen und Schülern die selbst gebauten Roboter auf der Bühne vorgestellt, die den 5000-€-Förderpreis einbrachten.

Der IdeenPark offenbart das Erfolgsgeheimnis: die Lust, etwas Konstruktives zu machen, möglichst gemeinsam mit anderen. Draußen windet sich weiter eine Warteschlange um Tüftler mit technischen Tricks, Laborzelte, die Theaterbühne, auf der eben ein Raumschiff zwischen Außerirdischen ohne logisches Abstraktionsvermögen strandet. Es stürmt in Hannover – doch die Norddeutschen sind das gewohnt. RUTH KUNTZ-BRUNNER

Von Ruth Kuntz-Brunner

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