Nachwuchsförderung

Firmen suchen Dialog mit Jugend

VDI nachrichten, Essen, 19. 11. 04 -Bereits zum achten Mal hat der Initiativkreis Ruhrgebiet führende Unternehmen der Region zum „Dialog mit der Jugend“ aufgefordert. In den nächsten Monaten können rund 1300 Oberstufenschüler aus 29 Gymnasien und Gesamtschulen Konzerne wie ThyssenKrupp, Hochtief und E.ON für einen Nachmittag besuchen und den Unternehmensleitungen ihre Fragen stellen.

Zum Auftakt der aktuellen Veranstaltungsreihe lud Vorstandsvorsitzender Werner Müller in die Zentrale der RAG AG nach Essen. „Mit welcher Qualifikation habe ich die größten Chancen, bei der RAG einen Job zu bekommen?“ Diese Frage eines Schülers traf wohl am ehesten die Interessenlage auch der übrigen rund 80 Gäste, die sich, von drei Gymnasien aus Marl, Bottrop und Bochum Wattenscheid kommend, im kleinen Vortragssaal versammelt hatten. Angesichts der Größe seines Unternehmens mit 100 000 Beschäftigten und 20 Mrd. € Jahresumsatz in den drei wichtigsten Geschäftsbereichen Steinkohle, Chemie und Immobilien, blieb Werner Müller als Antwort nur der allgemein gehaltene Rat, auf der akademischen Ebene eher eine natur- oder ingenieurwissenschaftliche Ausbildung anzustreben als eine betriebswirtschaftliche, denn speziell bei Chemikern und Ingenieuren wäre für die Zukunft ein Fachkräftemangel wahrscheinlich. „Ich glaube, dass grundsätzlich technische Berufe mehr Zukunft haben als kaufmännische, weil vieles im Kaufmännischen wegfallen wird, durch Rationalisierung und Schwerpunktspezialisierungen. In technischen Berufen ist das so nicht möglich, weil die vom Geist leben.“
Verständlicherweise leicht irritiert erläuterte zuvor Arbeitsdirektor Ulrich Weber wohltuend offen einer anderen Fragestellerin, dass es die RAG nicht als ihre Aufgabe ansehe, abgelehnte Bewerber anschließend noch weiter zu betreuen, und dass der Konzern zwar um gute Nachwuchskräfte werbe, aber die Realität nun mal so aussehe, dass es auch bei der RAG sehr viel mehr Bewerber als offene Stellen gebe.
Doch zu erklären, wie ein Großunternehmen arbeitet, wie Wirtschaft überhaupt funktioniert, sei gerade das erklärte Ziel des „Dialogs mit der Jugend“, erläuterte Eckhard Albrecht, Geschäftsführer des Initiativkreises Ruhrgebiet. Auch wenn erfahrungsgemäß die Schülerinnen und Schüler der eingeladenen sozialwissenschaftlichen Oberstufenkurse für die jeweiligen Gesprächsrunden bestens vorbereitet erscheinen, seien grundlegende Mängel der schulischen Ausbildung und entsprechende Wissensdefizite der Schüler in den vergangenen Jahren sehr deutlich geworden. „Die Zeitungslektüre der jungen Leute ist beispielsweise sehr beschränkt. Sie lesen vielleicht den Sportteil, aber Wirtschaft ist nicht so groß geschrieben“, erklärt Eckhard Albrecht.
Eine Einschätzung, die Christina Banner vom Heinrich-Heine-Gymnasium in Bottrop wohl oder übel bestätigen muss. Auch der Besuch bei der RAG sei vom Lehrer ihres Sowi-Grundkurses in der Jahrgangsstufe 12 vorgeschlagen worden, und nicht alle Mitschüler seien motiviert mitgekommen. Sie selbst wolle das Ganze wirken lassen, habe sich aber auch konkrete Fragen zur Ausbildung überlegt. „Mich interessiert, wie ich meine Stärken am besten einbringen kann in einem Unternehmen wie der RAG“, erklärt die 17-Jährige. Andi Solinski (18) vom Gymnasium im Loekamp in Marl will sich überraschen lassen. Sein Sowi-Leistungskurs hat sich in einer Doppelstunde mit der RAG beschäftigt, hat sich Fragen ausgedacht zur Zukunft der Steinkohle in Deutschland und wünscht sich Infos über mögliche Ausbildungsgänge. Und Gott sei Dank sei das Thema klausurenfrei.
Peter Rennschmid ist Lehrer an der Märkischen Schule in Bochum Wattenscheid, die schon häufiger mit der RAG und anderen Betrieben kooperiert hat. Die Schüler hätten keine Ahnung von der Wirtschaft, und es sei schwer, sie unter den schulischen Bedingungen dahin zu führen. „Nur ein Bruchteil der Schüler wählt das Fach Sozialwissenschaften in der Oberstufe. In den derzeitigen Kursen der 12 und 13 besprechen wir den volkswirtschaftlichen Kreislauf und ein wenig die Wirtschaftspolitik“, berichtet Peter Rennschmid bescheiden.
Mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein könne diese Veranstaltungsreihe nicht sein, wenn es darum geht, die schulischen Defizite in Wirtschaftsfragen abzubauen. Dennoch sei das ganze Projekt eine Chance für die im Ruhrgebiet tätigen Unternehmen, den jungen Leuten Einblicke in die eigene Arbeitsweise zu geben. „Wir als RAG machen auch deswegen gerne mit, weil unser Unternehmen einem ziemlichen Wandel unterworfen ist“, verdeutlicht Werner Müller die Motivation der RAG, sich diesem „Dialog mit der Jugend“ zu stellen. Die RAG bekenne sich zwar zur Steinkohle, die sei aber längst nicht mehr das eigentliche Kennzeichen des Unternehmens. „Wir sind ein normaler Großkonzern im Revier“, konstatiert Werner Müller.
Die teilnehmenden Unternehmen seien bunt gemischt, kämen aus Industrie, Handel und dem Dienstleistungsbereich, berichtet Eckhard Albrecht. „Über die Jahre wurde deutlich, dass die an die Schüler gerichteten Botschaften sich sehr gleichen, egal wo man hingeht: Selbstständigkeit, Initiative, extracurriculare Aktivitäten machen sich sehr gut, wenn sich die Jugendlichen später in den Unternehmen bewerben.“
Die Idee, den Schülern die Persönlichkeit des Unternehmenschefs nahe zu bringen, habe sich als richtig erwiesen. Es würden Fragen gestellt, wie: Was machen Sie eigentlich den ganzen Tag? Wie ist er Arbeitstag strukturiert? Dabei hätte es noch nie unangenehme Situationen gegeben.
MANFRED BURAZEROVIC

Von Manfred Burazerovic

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