Hochschule

Firmen stehen im Informations-Stau

VDI nachrichten, Düsseldorf, 8. 10. 04 -2010 werden Bachelor und Master das Diplom bundesweit ersetzt haben. Die Reformen sind an den Hochschulen umgesetzt, werden in den Firmen aber kaum registriert, wie eine Studie der VDI nachrichten nachweist. Wissenschaft und Wirtschaft sind gefordert, diese Informationslücke zu schließen.

Seid umschlungen, neue Studiengänge! Ihrem angelsächsischen Vorbild und einer gleich lautenden Initiative großer deutscher Firmen angemessen, sind die Reform-Anhänger auch geneigt zu sagen: „Welcome Bachelor“.
Die Begeisterung über die Nachfolger des bewährten „Dipl.-Ing.“ hält sich jedoch bisweilen bei ihren Abnehmern in Grenzen. Dass diese Zurückhaltung in vielen, vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) nicht als Ablehnung zu verstehen ist, verdeutlicht eine aktuelle Studie der VDI nachrichten in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut Arbeitswirtschaft und Organisation. Fazit der Befragung in 286 Unternehmen aus den Bereichen Industrie und technische Dienstleister: Es hapert gewaltig an der Kommunikation. Über drei Viertel der Firmen geben an, nicht ausreichend über die Studiengänge „Bachelor of Engineering“ und „Master of Engineering“ aufgeklärt zu sein. Dass die ingenieurwissenschaftliche Ausbildung reformiert und das Diplom bis 2010 gänzlich von Bachelor und Master ersetzt werden soll, ist den meisten Firmen erst seit kurzem bekannt.
Vielfach haben sich die Betroffenen in Medien oder Verbänden darüber informiert. Der unmittelbare Zugang bleibt häufig verwaist: Die Informationsbrücke zwischen Anbieter und Abnehmer, Hochschulen und Unternehmen, ist ein selten genutzter Weg. Wer Schuld an diesem Defizit hat, sei dahingestellt – die Unsicherheit auf Seiten der Wirtschaft wächst, da die erste Generation der Bachelor- und Master-Absolventen auf dem Markt nach Jobs Ausschau hält.
Die Zahlen der VDI nachrichten-Studie sprechen für sich: 89 % der befragten Firmen haben keine Erfahrungen mit dem Bachelor, beim Master sind es 91 %. Bei Rekrutierung und Wissen um die Fähigkeiten der „Neuen“ sind große Unternehmen jenseits von 1000 Mitarbeitern weiter als KMU, sicherlich auch als Folge größerer Hochschulnähe über eigens mit Kooperationen beauftragte Personalexperten.
Kam es trotz Kontaktaufnahme nicht zu Einstellungen, passten die Qualifikationsprofile der jungen Ingenieure meist nicht zum Stellencharakter. Nur 16,9 % der Befragten warten lieber auf einen Diplom-Absolventen, bevor sie sich auf einen Bachelor oder Master einlassen. Vorbehalte gegenüber den neuen Studiengängen äußerte nur eine kleine Gruppe (5,8 %).
50 % der Unternehmen wollen Bachelor-Absolventen künftig auf Sachbearbeitungsstellen einsetzen, Ingenieure mit Masterzeugnis bevorzugt als Trainee oder in der Projektleitung (53 %). Entgegen vieler Befürchtungen in den Verbänden – so sieht der VDMA die Gefahr eines „Schmalspuringenieurs“ – ist bei mehr als der Hälfte der Befragten der Bachelor of Engineering genauso qualifiziert wie der Diplom-Ingenieur. Bei einem Viertel der Firmen soll der Bachelorqualifizierte das gleiche Gehalt bekommen wie der Diplomierte 62,9 % machen dies vorrangig von Position und Funktion abhängig.
Dass die Bachelorausbildung nur sechs oder sieben Semester beträgt und damit eine zeitlich geraffte Qualifikation nachweist, scheut etwa die Hälfte Firmen nicht. Im Gegenteil: Unternehmen mit Erfahrungswerten schätzen die jüngeren Absolventen, denen zudem die internationale Ausrichtung (Fremdsprachen) der Reformstudiengänge zugute käme, hier vor allem beim Master. Das vermutlich größte Plus der neuen Bildungsgänge: Von ihnen wird angenommen, praxisorientierter als das Diplom zu sein.
Unter dem Strich: Gut 90 % der befragten Firmen begrüßen die Umstellung. 76 % erwarten allerdings eine bessere Informationspolitik. Eine IHK-Studie bestätigt für Berlin: Bei aller Positiv-Entwicklung benötige die Wirtschaft mehr Informationen über die Studieninhalte, damit Absolventen mit den neuen Abschlüssen eine reale Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten. W. SCHMITZ/C. SIEMANN
Die Studie der VDI nachrichten „Bachelor und Master statt Diplom“ ist zu beziehen über pkoether@vdi-nachrichten.com
www.ip-institut.de

Von W. Schmitz/C. Siemann

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