Pro und Kontra

Fahrzeugtechnik – ein eigenständiger Studiengang?

Hat sich das Fahrzeug im Laufe der Jahre seine Eigen­ständigkeit verdient und sollte es einen eigenständigen Studiengang losgelöst vom klassischen Maschinenbaustudium geben? Hermann Winner von der TU Darmstadt sagt „Nein“, Christof Wolfmaier von der Hochschule Esslingen „Ja“. Wolfmaier argumentiert, ein Auto sei in Design und Bauweise heute nicht mehr mit einer Maschine im klassischen Sinne zu vergleichen, zudem ließe die zeitliche Enge des Studiums keine andere Wahl als die Spezialisierung. Winner glaubt, eine fehlende Breite räche sich im Berufsleben als fachliche Nische.

Pro: Prof. Christof Wolfmaier, Dekan der Fakultät Fahrzeugtechnik an der Hochschule Esslingen:

„Von Fachhochschülern wird eine steile Anlaufkurve erwartet.“

„Noch vor 35 Jahren gab es in Esslingen drei unterschiedliche Studiengänge im Maschinenbau. Die Fahrzeugtechnik war wie an vielen Universitäten dem Maschinenbau zugeordnet. Als die Nachfrage nach Fachhochschulstudiengängen in den 70er- und 80er-Jahren stetig stieg, förderten die Landesregierungen den Aufbau neuer Studiengänge.

Damit einher gingen neue Lehrprofile. Innerhalb dieser Studiengänge wurde das Wachstum zunächst mit Vertiefungsrichtungen im Hauptstudium realisiert. Sobald aber Studiengänge mit Kursgrößen von 40 und mehr Studierenden überschritten werden, stoßen Fakultäten an Fachhochschulen an ihre Grenzen und es werden neue Studiengänge gebildet. So kam es zur eigenen Fakultät Fahrzeugtechnik in Esslingen.

Anfänglich hieß sie noch Maschinenbau-Fahrzeugtechnik und hat sich erst 1995 nach kontroversen Diskussionen völlig zur Fahrzeugtechnik bekannt. Die Diskussionen fanden innerhalb unserer Fakultät statt. Damals gab es noch einige eingefleischte Maschinenbauer im Kollegium, die ausschließlich in Eisen- und Stahldimensionen dachten. Diese Situation hat sich zwischenzeitlich gewaltig geändert und unser Kollegium präsentiert von Seiten der Fachkompetenz das moderne Automobil.

Das Fahrzeug ist nicht nur eine komplexe mobile Maschine und deshalb zwangsläufig dem Maschinenbau zuzuordnen. Bei einem Fahrzeug hat die Ästhetik eine viel höhere Priorität als dies bei einer Maschine der Fall wäre. Ein anderes Beispiel ist der extreme Leichtbauanspruch beim Auto, dem mit besonderen Lehrinhalten schon im Grundstudium Rechnung getragen wird.

Mit der Konkretisierung auf die Fahrzeugtechnik verfolgen wir primär das Ziel in der Automobilregion Stuttgart, das Auto in der Hochschullandschaft nach innen und außen sichtbar zu machen und es auch inhaltlich insbesondere auf den Gebieten der Mechatronik und des Karosseriebaus vom allgemeinen Maschinenbau abzugrenzen. Unsere Organisationsform ist typisch für eine Fachhochschule.

Heute führen wir ein kooperatives Mit- und Nebeneinander mit der Fakultät Maschinenbau. Weil wir uns unserer Wurzeln bewusst sind, haben wir uns bei der Umgestaltung der Curricula auf die Bachelor-Master-Studiengänge inhaltlich eng abgestimmt. Für das Grundstudium wurden gemeinsame Inhalte beschrieben, im Hauptstudium auf Differenzierung geachtet. Wir sind uns bewusst, dass der Begriff Fahrzeugtechnik für Studienbewerber sehr attraktiv ist. Jährlich haben wir etwa 120 Absolventen in der Fahrzeugtechnik, Tendenz seit Jahren steigend.

Den Schritt der Trennung würden wir auf jeden Fall wieder machen. Denn Technik, Prozesse und Methoden, die heute im Ingenieur-Studium vermittelt werden müssen, sind komplexer geworden. Dies erfordert eine stärkere anwendungsorientierte Diversifikation.

Insbesondere von Fachhochschulabsolventen erwartet die Industrie eine steile Anlaufkurve: Sie müssen in der Lage sein, ihr Wissen möglichst rasch in die Praxis umzusetzen. Ein Fachhochschüler ist auch in einer globalen und komplexen Welt immer noch der Macher, und unter dem Anspruch immer kürzer werdender Studienzeiten bleibt uns gar nichts anderes übrig, als frühzeitig im Studienverlauf in Spezialisierungen zu gehen. Damit sind aber auch die Bachelor der Fachhochschulen nach wie vor voll berufsqualifiziert.

Den Universitätskollegen bleibt durch die Bachelor-Reform kaum Zeit, mit den Grundlagen so in die Tiefe zu gehen, dass der Anspruch der Wissenschaftlichkeit noch gesichert werden kann – keine beneidenswerte Situation.“

Kontra: Prof. Hermann Winner, Leiter des Fachgebiets Fahrzeugtechnik an der TU Darmstadt:

„Breiter aufgestellte Absolventen sind im Vorteil, weil sie leichter mit Veränderungen im Beruf umgehen können.“

„Der Maschinenbau setzt sich aus Grundlagenfächern und Anwendungsfachgebieten wie der Fahrzeugtechnik zusammen. Aber auch für die Fahrzeugtechnik werden Grundlagen benötigt. Daher ist es sinnvoll, auf einer gemeinsamen Basis zu arbeiten. Die Spezialisierung könnte über Wahlpflichtfächer geregelt werden.

Gerade in für Universitäten typischen Bachelor-Programmen ist die Spezialisierung eher gering. Im Master-Programm hingegen finden sich an anderen Universitäten oftmals spezialisierte Studiengänge wie Fahrzeugtechnik.

Der Fachbereich Maschinenbau der TU Darmstadt hat sich aus pragmatischen Gründen gegen eine Teilung in verschiedene Masterprogramme entschieden, da mit jedem Studiengang ein hoher administrativer Betreuungsaufwand verbunden ist.

Dieser lässt sich minimieren, wenn es nur einen Maschinenbau-Master gibt, der aber durch flexible Fächerwahl individuell anpassbar ist. Das zur Auswahl vorliegende Angebot ist in den Schwerpunkten schon so dicht, dass der Master durchaus doppelt oder dreimal so lang werden könnte.

Somit wäre jede weitere Reglementierung entweder zu starr oder würde zu einem aufwendigen Ausnahmenmanagement führen. Wir haben in Darmstadt sehr gute Erfahrung mit dem Modell der individuellen Schwerpunktsetzung gemacht. Es hat uns den Bologna-Prozess erheblich erleichtert.

Für das Bachelor-Studium an einer Universität ist unsere Organisationsform typisch, im Master-Studium gibt es – wie bereits erwähnt – unterschiedliche Philosophien. An der TU Darmstadt entscheidet sich etwa ein Viertel der jährlich rund 450 Maschinenbaustudenten später für einen der Fahrzeugtechnik zuzuordnenden Schwerpunkt.

Unser breites Ausbildungsangebot führt zu einer ebenso breiten Qualifikation, bei der die für viele Anwendungsbereiche gültige Methodik im Vordergrund steht. Zu lernen, wie eine Entwicklungsaufgabe angegangen werden sollte, wie ein messtechnisches Problem zu lösen ist oder wie eine Sicherheitsanalyse anzustellen ist, hilft mehr für den Beruf als tiefe Kenntnis über viele Details eines speziellen Fahrzeugs, denn in zehn Jahren kann davon schon alles nicht mehr gültig sein.

Weil ein Absolvent nicht als Generalist eingestellt wird, ist eine gewisse Schwerpunktbildung notwendig, auch für eine spätere wissenschaftliche Arbeit sollte eine notwendige Tiefe im Studium erreicht werden.

Trotzdem sind die breiter aufgestellten Absolventen in der Praxis im Vorteil, weil sie leichter mit Veränderungen im Beruf umgehen können. Durchschnittlich hat ein heute sein Studium abschließender Ingenieur sieben verschiedene Arbeitsplätze während seines Berufslebens zu erwarten. Der Spezialistenvorteil verbraucht sich mit der ersten Stelle und eine fehlende Breite rächt sich im Berufsleben als Gefahr der Nische.

Für die Fachhochschulen bringe ich Verständnis auf, wenn für den Bachelor als Regelstudienabschluss früher spezialisiert wird als an Universitäten, bei denen der Regelabschluss der Master ist. Aber ich glaube nicht, dass dies ein Muss ist, denn ich kenne keine Stellenanzeige, bei der nur Fahrzeugtechniker gesucht wurden. Das Wort Maschinenbauer steht immer daneben, manchmal davor, manchmal dahinter.“

Peter Ilg zeichnete die Texte auf.

Von Wolfgang Schmitz

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