Hochschule

Exotin in einer Männerwelt

Als angehende Professorin genießt die 37-jährige Birgit Skrotzki in dem von Männern dominierten Maschinenbau den Status einer Exotin. Eine Rolle, mit der sie umzugehen weiß.

Die Pressestelle der Ruhr-Universität Bochum meldete vor wenigen Monaten: Fakultät für Maschinenbau habilitiert nach 30 Jahren erstmals eine Frau. Birgit Skrotzki hat sich nach eigenem Bekunden inzwischen mit ihrer Rolle als einzige Frau unter lauter Männern arrangiert. Um aber nicht als Quotenfrau angesehen zu werden, will sie durch „anständige Forschung und Lehre“ in ihrem Fachgebiet, der Werkstoffkunde, überzeugen. In drei Jahren hofft sie, Professorin zu sein.
In den ersten Semestern an der Universität ging es ihr wie den meisten anderen Maschinenbau-Studierenden: „Nach dem ersten Jahr war ich bereit aufzuhören.“ Das geforderte Arbeitspensum mit den vielen Klausuren schien sie zu erdrücken. Aber erst mit den Werkstoffen wurde die Ausbildung praxisnäher.
Von den Prüfungsergebnissen im Grundstudium machte Birgit Skrotzki abhängig, ob sie weiter Maschinenbau studiert, zu Physik oder Mathematik wechselt oder sich um einen Medizin-Studienplatz bemüht. Das bestandene Vordiplom war der Wendepunkt. Ein Zurück gab es fortan nicht mehr. „Wenn ich mir vornehme, etwas zu erreichen, dann bringe ich es auch zu Ende“, schätzt sie sich selbst ein. Die folgenden Hochschul-Stationen folgten zwangsläufig: studentische Hilfskraft am Institut für Werkstoffe, Diplom 1987, Promotion 1992. Ihr Dissertationsthema: „Temperaturen und Verlauf der martensitischen Umwandlung in Eisenlegierungen.“ Ermutigt durch ihren Doktorvater und ihre Kollegen fasste sie den Entschluss, ganz auf die wissenschaftliche Karriere zu setzen.
Die Anfänge ihrer beruflichen Laufbahn gehen weit in die Jugend zurück. Wie andere Technikinteressierte, bastelte auch Skrotzki an Mopeds und Autos herum, angeleitet von ihrem Vater, einem Kfz-Mechaniker. „Er hat mich immer ermutigt, einen technischen Beruf zu erlernen.“ Birgit Skrotzki lernte früh, mit Vorurteilen umzugehen. „Vielleicht habe ich mich daher auch an die Männerwelt angepasst.“ Was aber nicht bis zur Selbstverleugnung führt. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie Kollegen auf Tagungen darauf hinweist, nicht nur von Ingenieuren sondern auch von Ingenieurinnen zu sprechen. Nur äußerst unsensible Zeitgenossen könnten dem Irrtum erliegen, diese zierliche Frau mit leiser Stimme hätte keine Durchsetzungskraft. Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin nennt die 37-Jährige als entscheidende Charaktereigenschaften, um in den Ingenieurwissenschaften habilitiert zu werden. Wie die Kollegen sie sehen, kann sie nur einschätzen: „Vielleicht als Neutrum, ich habe keine Ahnung.“
Während eines zweijährigen Forschungsaufenthaltes an der Universität von Virginia in Charlottesville stieß Skrotzki auf ein Thema, das sie fortan nicht mehr loslassen sollte: Leichtmetalle im Flugzeugbau. In einem von der Nasa finanzierten Projekt ging es um Aluminiumlegierungen für Überschallflugzeuge. „Da gibt es noch Aspekte, die nicht erforscht wurden“, bilanzierte Birgit Skrotzki nach ihrer Rückkehr. Insgesamt sei zu klären, wie sich Werkstoffe aus Titan oder Aluminium bei großer Beanspruchung durch hohe Geschwindigkeit, bei der sich die Leichtmetalle stark erhitzen, verhalten. Die Ergebnisse ihrer – natürlich aus lauter Männern bestehenden – Arbeitsgruppe sollen dazu beitragen, diese neue Generation an Werkstoffen zu optimieren und Fehler im Herstellungsprozess auszuschließen. Finanziert wird die Grundlagenforschung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und von der Industrie.
Der zweijährige Aufenthalt in den USA war für Birgit Skrotzki nicht nur in beruflicher Hinsicht Weg weisend. „Das Leben war dort einfach entspannter“, erinnert sie sich. „Selbst wenn die Leute in den USA vielleicht oberflächlicher sind, hilft die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft im Alltag ungemein.“ Bei ihrer Rückkehr hatte Birgit Skrotzki deshalb Probleme, sich wieder einzugewöhnen. „Die Behördenmentalität in Deutschland macht mir auch jetzt noch zu schaffen.“
Bisher sind weibliche Professoren rar im deutschen Hochschulwesen. Nicht zuletzt die harte und langwierige Habilitation schreckt viele ab, an eine Familie ist dabei nicht denken. Dabei dürften solche Bemühungen schon bald nicht mehr nötig sein. Die hohe Politik nämlich denkt an einschneidende Änderungen. „Ich sehe es schon kommen“, sagt Birgit Skrotzki schmunzelnd. „Wenn ich wirklich in den nächsten Jahren eine Professur bekomme, wird das Habilitationsverfahren abgeschafft.“ MANFRED BURAZEROVIC

Von Manfred Burazerovic

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