Eine neue politische Initiative

Euro-Uni bildet Knotenpunkt

Die deutschen Hochschulen sollen sich dem gemeinsamen Bildungsmarkt öffnen.

Die Technische Hochschule Aachen möge mit ihrem weltweiten Renommee den Börsengang wagen, empfiehlt der Bildungspolitiker Peter Glotz (SPD). Der Präsident der TU Berlin, Hans-Jürgen Ewers, proklamiert ein solches Fernziel auch für seine Forschungs- und Ausbildungsstätte. Es geht darum, für die bislang als „Körperschaften des öffentlichen Rechts“ bürokratisch verwalteten Hochschulen neue Strukturen zu finden, unter denen die Produktivität im internationalen Wettbewerb weiter gesteigert werden kann. Das sind keineswegs Forderungen aus einer rein neoliberalen Ecke. So hat die Hamburger Wissenschaftssenatorin Krista Sager (Grüne) eine Kommission unter dem früheren Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, Hans-Uwe Erichsen, berufen, um die optimale Organisationsform der Zukunft zu entwerfen.
Am reformpolitischen Nonplusultra bastelt seit 1998 – mit Rückendeckung des damaligen wie des heutigen Bundeskanzlers sowie der Regierung von Luxemburg – eine Arbeitsgruppe „Europäische Stiftungsuniversitäten“. Leiter des deutschen Gründerteams ist Konrad Schily von der privaten Universität Witten-Herdecke, also jemand mit wenig Geschmack für staatliche Bildungsanstalten. Der Luxemburger Premierminister Jean-Claude Juncker will noch in diesem Jahr eine Initiativkonferenz für den alternativen internationalen Ausbildungs- und Forschungsverbund einberufen.
Wenigstens eine Universität aus jedem Staat soll in der Europaliga unter dem Dach einer European University Foundation (EUF) mitspielen. Ausbildungsziel sind Absolventen mit sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen, also Führungskräfte für Europa. Deshalb müssen die Jungakademiker einen Teil des Studiums an einer ausländischen Partneruni verbringen. Der Vorteil gegenüber bisherigen Austauschprogrammen: Die Lehrangebote sind im Rahmen der EUF reibungslos aufeinander abgestimmt, so dass der Auslandsaufenthalt das Studium garantiert nicht verlängern muss. Freilich kann nicht jeder die „europäischen“ Hochschulen besuchen, sie behalten sich vielmehr nach dem Motto „Die Besten zu den Besten“ die Selbstauswahl der Studenten vor. Es geht um Elitenbildung und „internationale Qualitätssicherung“. Das „bedeutet, die nationale Aufsicht über die Universitäten zu reduzieren“, heißt es in einer grundlegenden Denkschrift. Die Vordenker um Schily vertrauen mithin nicht dem Qualitätssiegel des neugegründeten deutschen „Akkreditierungsrats“, der Studiengänge im Sinne des Verbraucherschutzes lediglich nach „Mindeststandards“ beurteilt. Hingegen soll Qualität auf einer nach oben offenen Skala durch den „erfolgreichen Übergang der Studierenden in das Beschäftigungssystem“ gemessen werden.
Die Studenten sollen die akademische Ausbildung als Investition in die persönliche Zukunft betrachten – und sich deshalb mit Studiengebühren beteiligen, die allerdings erst später einkommensabhängig fällig werden. Diese Vorstellungen lehnen sich an Konzepte des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft und des Centrums für Hochschulentwicklung an.
Die deutsche(n) Stiftungsuniversität(en) soll(en) genau genommen die Gestalt einer Kommanditgesellschaft auf Aktienbasis haben, an der zunächst hauptsächlich das jeweilige Bundesland als bisheriger Träger der Hochschule beteiligt ist und bildungsbeflissene Bürger mitmachen können. Eine solch gemeinnützige Einrichtung wie der Berliner Zoo ist schon traditionell eine AG. Durch die privatrechtliche Form gewinnt die Stiftungsuni vor allem Personalhoheit. „Personal ist der entscheidende Inputfaktor der Produktionsfunktion einer Universität“, erklärt die Arbeitsgruppe ziemlich technisch. „Die Universität muss über die vollen Arbeitgeberrechte gegenüber allen Beschäftigten verfügen“. Neue Mitarbeiter vom Fahrer bis zum Professor werden nicht länger nach dem „öffentlichen Dienstrecht beziehungsweise Beamtenrecht“ eingestellt. Die Gelehrten müssen sich umstellen. Die neue Uni setzt „weniger auf die Distribution von Verantwortung in Kollegialorgane als auf individuelle Führungsverantwortung“, also auf starke Hochschulleiter, die sagen, wo`s lang geht.

Wer am Markt vorbei lehrt, erhält keine Finanzmittel

Nötig ist das vor allem für zügige Anpassungen an den Forschungs- und Bildungsmarkt, zum Beispiel die Umwidmung von traditionellen Physik-Lehrstühlen in dringend gebrauchte Informatik-Professuren. „Kollegial“ lässt sich das erfahrungsgemäß nur schwer bewerkstelligen.
Die „europäische“ Uni gliedert sich in die drei Leistungsbereiche Forschung, Lehre und Dienstleistung unter jeweils eigenen Bereichsleitern. Auf Fakultätsebene gibt es entsprechend Forschungs- und Studiendekane. Die einzelnen Bereiche verkehren auf einem hochschulinternen Markt wechselseitig als Leistungsanbieter und -nachfrager. Der Studiendekan beispielsweise entscheidet, was er in der Lehre „gebrauchen“ kann – und das ist nicht wie bisher jedes beliebige Steckenpferd oder Forschungsgebiet eines Professors. Wenn er trotzdem Vorlesungen und Seminare hält, für die kein Bedarf besteht, fließen an ihn oder sein Institut keine Finanzmittel für die Lehre. Ganz neu sind derartige Regelungen nicht. In den Niederlanden sind sie schon üblich, neuerdings auch im „Wissenschaftszentrum Weihenstephan“ der TU München.
Einzelne Elemente der „Europäischen Stiftungsuniversitäten“, wie die besagten internen Hochschulmärkte mit einer kaufmännischen Buchführung, gewinnen in der Hochschulpolitik zunehmend Akzeptanz – „das Ganze“ aber mit Studiengebühren, Professoren ohne Beamtenprivilegien und mit den Arbeitsmarktchancen als Indiz für die Qualität der Lehre bleibt für den lebenserfahrenen Hochschulreformer Erichsen hierzulande „Utopie, bestenfalls eine fruchtbare Provokation“. H. HORSTKOTTE

Von H. Horstkotte

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