Hochschule

„Enormes Potenzial, ausgezeichnete Studenten“  

VDI nachrichten, München, 27. 10.06, ws – Ralf Koetter folgte dem Ruf der Heimat, verließ gemeinsam mit seiner Frau die Universität of Illinois in Urbana/Champaign, um fortan am Lehrstuhl für Nachrichtentechnik der TU München zu lehren und zu forschen. Was den 43-Jährigen zu diesem „schweren“ Schritt bewog, erläutert Koetter im Interview.

Ralf Koetter: Teilweise waren es persönliche Gründe. Es ist ein bisschen Idealismus dabei: Meine Frau und ich kommen aus Europa. Ich glaube, dass es enormes Potenzial in Deutschland gibt. Viele ausgezeichnete Studenten, die ich in den USA betreut habe, kamen aus Deutschland.

VDI nachrichten: Fiel Ihnen die Entscheidung schwer?

Koetter: Sicher fiel uns das schwer. Die University of Illinois ist ausgezeichnet, und ich werde meine Kollegen sehr vermissen. Illinois ist ein Stück Heimat für mich geworden.

VDI nachrichten: Worum geht es in Ihrem Fachgebiet?

Koetter: Das Gebiet umfasst Nachrichtentechnik und Informationstheorie. Es geht dabei um diverse Anwendungen: vom Mobiltelefon bis zur Festplatte, vom Glasfasernetz bis zum normalen Telefon. Ich beschäftige mich damit, wie man Signale und Information in physikalische Größen „kodiert“. Wir untersuchen fundamentale Grenzen für nachrichtentechnische Systeme. Hier geht es einerseits um theoretische Arbeiten, die aufzeigen, was prinzipiell machbar ist und was nicht. Andererseits eröffnet uns das praktische Einsichten, wo man in Anwendungen Produkte verbessern kann. Die CD bzw. DVD ist z. B. ohne Kodierungstheorie nicht denkbar, da der physikalische Schreibprozess nicht fehlerfrei in den Griff zu bekommen ist.

VDI nachrichten: Wo liegen die Unterschiede der US-Forschungslandschaft zum deutschen System?

Koetter: Die größten Unterschiede sehe ich nach dem Diplom oder dem Master. In Deutschland werden Doktoranden als wissenschaftliche Mitarbeiter angestellt, die auch viel Institutsarbeit leisten, während in den USA ein „dokterand student“ eher ein Student ist, der viele – im Vergleich zum grundständigen Studium – sehr fortgeschrittene Vorlesungen hört. Jeder Professor ist sein eigener Start-up, der sich um Finanzierung und Ausstattung bemühen muss. Die Lehrstühle sind sehr team-orientiert. So ist es beispielsweise üblich, dass wir alle gemeinsam mittagessen und über Probleme reden, die uns bewegen, sowie natürlich die Arbeit.

VDI nachrichten: Wurden Sie von der TU München direkt abgeworben?

Koetter: Ich wurde von der Berufungskommission angesprochen mit dem Vorschlag, mich zu bewerben.

VDI nachrichten: Wären Sie auch in eine andere deutsche Stadt gegangen – bei gleichen Bedingungen wie an der TU München?

Koetter: Die Stadt hat keine so große Rolle gespielt, aber ich glaube nicht, dass eine andere Stelle den gleichen Anreiz geboten hätte. Der Lehrstuhl ist international der wohl bekannteste und bietet allein durch seine Plattform Chancen. Es ist mir wichtig, die internationalen Verbindungen, die ich in den letzten Jahren geknüpft habe, weiter zu nutzen bzw. auszubauen. Das ist natürlich an einem international renommierten Lehrstuhl einfacher.

VDI nachrichten: Welche Rückkehranreize bietet die TU?

Koetter: Für mich selbst waren die wichtigsten Anreize, dass der Lehrstuhl erfolgreich sein kann. Meine Frau ist Professorin in der Bibliothek der University of Illinois. Bisher konnte keine Stelle für sie gefunden werden. Das bereitet uns schon Kopfzerbrechen.

VDI nachrichten: Was möchten Sie in Deutschland anders machen?

Koetter: Bevor ich dazu etwas sagen kann, muss ich erst das deutsche System besser kennen lernen. Nach zehn Jahren in den USA habe ich vielleicht auch von dem amerikanischen Optimismus etwas abbekommen: Ich glaube fest an die Möglichkeiten hier und dass ich in Deutschland gute Arbeit leisten kann. Mein wichtigster Job wird sein, den Studenten die Möglichkeit zu geben, ihr Potenzial zu verwirklichen. Wenn ich das schaffe, werde ich auch selbst erfolgreich sein. E.T.

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