Wissenschaft

Energie-Universität Lausitz soll auch auf internationaler Bühne punkten

In Brandenburg drängt die Politik zwei 1991 gegründete Hochschulen in der Lausitz zur Fusion

VDI nachrichten: Frau Ministerin Kunst, Sie wünschen eine Zusammenlegung der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus mit der Hochschule Lausitz zu einer Energie-Universität. Was soll das bewirken?

Kunst: Wir haben in der Lausitz zwei Hochschulen, die seit 20 Jahren eine ganze Reihe Doppelungen im Studienangebot aufweisen und die nur 30 km voneinander entfernt sind. Wir wollen aber Doubletten vermeiden und zu einer engeren Kooperation in den Bereichen Energie und Umwelt motivieren, zum Zwecke der Profilierung. Diese Empfehlung ist aber nicht neu, sie ist seit einem Jahrzehnt in der Diskussion.

73 Professorinnen und Professoren haben sich jüngst in einer Resolution für den Erhalt der BTU ausgesprochen. Die Wissenschaftler behaupten, Sie hielten die Universität für „reform-unwillig“ und „reform-unfähig“.

Ich habe noch nie geäußert, dass ich irgendeinen Hochschullehrer für reformunwillig halte. Es geht immer um die Ergebnisse in der Gesamtheit. Hierbei wird deutlich, dass Reformansätze nicht umgesetzt sind und sich nicht in einem strukturierten Hochschulentwicklungsplan der BTU wiederfinden.

Ändert daran auch der von der BTU vorgelegte Konzeptentwurf mit drei eng mit der Hochschule Lausitz kooperierenden Fakultäten und mit zwei gemeinsamen wissenschaftlichen „Schools“ nichts?

Das beinhaltet die Punkte, die zum Teil schon im Februar im Gutachten einer Expertenkommission Erwähnung fanden. Es freut mich sehr, dass man sich in der BTU auf einen solchen Vorschlag geeinigt hat. Das ist ein großer Fortschritt und ein wichtiger Beitrag, um den Diskussionsprozess voranzutreiben. Ich halte diese Vorschläge aber noch längst nicht für das Ende der Fahnenstange.

Kann sich ein Bundesland den Verzicht auf eine breit aufgestellte technische Universität leisten?

Brandenburg braucht und will zweifellos eine gute technische Universität in der Lausitz. Einen Verzicht können wir uns nicht leisten. Aber was heißt breit aufgestellt? Die BTU ist seit jeher eine Universität mit klarem Schwerpunkt auf bestimmten Profillinien der Ingenieurwissenschaften und im Sinne einer Volluniversität nicht breit aufgestellt. Sie ist eine Art spezialisierte Universität.

Legt die aktuelle Entwicklung von Energieversorgungsunternehmen in Brandenburg überhaupt die Gründung einer Energie-Universität nahe?

Brandenburg ist führend im Bereich erneuerbare Energien, die hierzulande über 16 % des Stroms erzeugen. In der Lausitz wird Kohle abgebaggert, es gibt mit Forschungsanteilen der BTU das erste Hybridkraftwerk in der Uckermark. Die BTU ist auch an dem Projekt esolcar beteiligt, bei dem überschüssige Sonnenenergie von Pkw genutzt wird, in der Lausitz wird mit Algen geforscht. Es gibt hier viele solche Anknüpfungspunkte. Brandenburg ist Energieland und die Lausitz Energieregion. Brandenburg hat sich früh der Herausforderung erneuerbare Energien angenommen und mit der Energiewende erhält das Thema neue Dringlichkeit. Wenn sich die Ingenieure verschiedener Fächer dort zusammenfinden, wo Interdisziplinarität Innovativität verspricht, dann wird dort auch die Einwerbung von Drittmitteln Aussichten auf Erfolg haben.

Kritiker unterstellen, es handele sich bei der geplanten Fusion um die Sparmaßnahme eines klammen Bundeslandes.

Ich betone hier zum wiederholten Male: Es ist keine Sparmaßnahme, gerade weil Brandenburg eine gut aufgestellte technische Universität braucht. Wir wollen die Zukunftsfähigkeit einer solchen Universität herausarbeiten. Es gilt zu investieren statt zu sparen. So bleiben mindestens die Budgets beider Hochschulen erhalten, zudem werden die zur Bildung des Schwerpunktes Energietechnik benötigten Parallelstrukturen zu finanzieren sein. Auch dazu ist das Land bereit.

Vor anderthalb Jahren klagten Sie als Präsidentin der Universität Potsdam über das „unredliche Verhalten“ des Landes Brandenburg, das der Hochschule Rücklagen in Höhe von 4,5 Mio. € nehmen wollte. Wie denken Sie heute darüber?

Die Hochschulen und das Wissenschaftsministerium Brandenburg sitzen in einem Boot, um möglichst viele Ressourcen für den Wissenschaftsbereich aus dem Landeshaushalt zu akquirieren. Ich halte es nach wie vor für nicht gerechtfertigt, an Rücklagen von Hochschulen zu gehen, weil dies einen Eingriff in die autonome Gestaltung der Hochschulbudgets bedeuten würde. Das Land Brandenburg leistet sich das Maximale dessen, was es aufbringen kann. Es gibt sogar eine moderate Steigerung des Hochschuletats. Wir dürfen aber die Augen nicht davor verschließen, dass Brandenburg Verluste in dreistelliger Millionenhöhe zu verkraften hat. Es ist ein großer Erfolg, dass die Wissenschaft von weiteren Sparmaßnahmen verschont bleibt – nicht zuletzt dank der Solidarität anderer Ressorts. Sowohl Politik als auch Hochschulen müssen Interesse haben, dass Bundesmittel für intensive Forschungskooperationen im Energiebereich mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, wie Fraunhofer oder Helmholtz Gesellschaft, in der Lausitz attraktiv bleiben.

Was halten Sie von der Lockerung des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern in Hochschulfragen? Demnach sollen neben Forschungsvorhaben auch ausgewählte Forschungseinrichtungen gefördert werden.

Das ist für die Entwicklung von Wissenschaft und Forschung in Brandenburg eine sehr, sehr interessante Option. Man darf darüber aber die Beteiligung des Bundes an Bildungsfragen nicht aus dem Blick verlieren. Eine positive Wendung jedoch ist dieses Vorhaben schon.

Halten Sie eine zu gründende Energie-Universität in der Lausitz für konkurrenzfähig – national wie international?

Sicherlich, es handelt sich schließlich um das Zusammenfügen der Stärken beider Hochschulen. Die Hochschule Lausitz etwa hat sich in der Sparte Biotechnologie auf Universitätsniveau entwickelt. Naturwissenschaftliche Fächer ergänzen sich somit passgenau mit technischen Disziplinen.

Wäre es nicht sinnvoller, die Hochschule Lausitz als regionalen Ausbilder und die BTU als universitären Leuchtturm bestehen zu lassen?

Die regionale Industrie braucht essenziell die Qualität der FH-Ausbildung. Diese Qualität soll auch in einer neuen Universität bestehen bleiben, ohne dass eine Einheitssoße entsteht. Ich halte das Fortführen der FH-Stärken, also anwendungsorientierte Forschung und praxisorientierte Bachelorausbildung, mit der Etablierung einer gemeinsamen Graduiertenschule, in der die Forschungsexzellenz schwerpunktmäßig von der BTU getragen wird, für miteinander vereinbar. Somit soll einerseits die Verankerung in der Region gestärkt werden, andererseits sollen die guten Forschungsansätze der BTU weiter verbessert und mit den Naturwissenschaften der Hochschule Lausitz kombiniert werden.

Was wird aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieurwesen und Informatik an der BTU?

Die Basis der Ingenieurdisziplinen bleibt für die Grundausbildung erhalten. Bei Master und Promotion könnten Zusatz- und Vertiefungsqualifikationen hinzukommen, etwa Aspekte des energieeffizienten Bauens für Bauingenieure und Architekten oder der Kraftwerkstechnik. Ziel ist die gemeinsame Marke und das gemeinsame Leitbild einer Energie-Universität.

Wird es Entlassungen geben?

Bedienstete des Landes Brandenburg oder gar Beamte genießen auch im Rahmen einer Hochschulneugründung einen besonderen Kündigungsschutz. Es werden sicherlich einige nicht ausgelastete Fächer oder solche, die nicht mehr ins neue Profil passen, geändert. Konzentrationen wird es in den Bereichen BWL, Bauingenieurwesen und Architektur geben. Die Neugründung beinhaltet auch das Entwickeln einer neuen Leitungsstruktur, von einem gemeinsamen Präsidium bis hin zu gemeinsamen Leitungen von Graduiertenschulen und Weiterbildungseinrichtungen. Die Professoren werden eins zu eins übernommen.

Welche Hürden gilt es bis zur Realisierung der Energie-Universität zu überwinden?

Bis zur neuen Hochschule dauert es noch drei bis fünf Jahre. Die politische Grundsatzentscheidung, ob eine neue Universität an den Start geht und wie diese dann in ihren Grundzügen ausgestattet wird, fällt im Landesparlament noch im Laufe dieses Jahres. Danach ist die Hochschule bei der weiteren Ausgestaltung des Prozesses autonom.

WOLFGANG SCHMITZ

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