Hochschule

Einmal Uni Lüneburg und dann gleich wieder zurück  

Der Campus Suderburg wird wieder Fachhochschule. Das ehrgeizige Projekt des Lüneburger Uni-Präsidenten Sascha Spoun ist damit für die Ingenieurwissenschaften gescheitert. Nachdem Anfang 2009 die Nordwest-Fachhochschule wegen Querelen unter den Standorten geteilt wurde, ist dies die zweite Kurskorrektur der niedersächsischen Regierung in der Hochschulpolitik innerhalb kurzer Zeit. VDI nachrichten, Düsseldorf, 5. 6. 09, ws

Uni-Präsident Sascha Spoun wusste schon bei seinem Antrittsbesuch an der Leuphana-Universität Lüneburg vor drei Jahren, woran es mangelt: an Medientauglichkeit, an akademischem Glamour. Glamour, wie ihn der Universität ein neues Zentralgebäude mit Audimax, Forschungs- und Studierendenzentrum bescheren soll – entworfen vom New Yorker Stararchitekten Daniel Libeskind.

Standortwechsel: Es ist ein Pflaster, das so gar nicht an Daniel Libeskind denken lässt. Wenn Studierende der Leuphana Universität Lüneburg vom Bahnhof zu Vorlesungen an der Außenstelle Suderburg laufen, kommen sie vorbei an der Kneipe „Guschi“s Eck“, dem bescheidenen Rathaus und einem Standard-Einkaufszentrum. Der Campus, 45 Zugminuten von der Salzstadt entfernt, ist durchaus auf dem neuesten Stand, 1000 Studierenden böte er Platz.

Doch seit die Lüneburger in der Dependance der einstigen FH Nordostniedersachsen das Sagen haben und diese zum Department für Bau-Wasser-Boden geworden ist, läuft es nicht mehr rund. Die Fusion erfolgte 2005, seitdem ist der Standort nicht nur um den Studiengang Angewandte Informatik ärmer geworden. Nicht einmal als 50 Studierende starteten zum Wintersemester in den beiden Studienfächern, die schwerpunktmäßig gelehrt werden, Wasser- und Bodenmanagement sowie Bauingenieurwesen. Früher waren es dreimal so viele. 378 angehende Ingenieure werden zurzeit in Suderburg ausgebildet. Die Folge einer neuen Uni-Strategie.

Spoun sorgte mit dem radikalen Umbau der Lüneburger Universität überregional für Aufsehen. Denn auf Exzellenz statt auf Masse setzt Sascha Spoun in Lüneburg – der Abbau der Studienplätze schreitet voran. Statt ehemals rund 10 000 Studierenden waren im Wintersemester 2008/2009 nur noch 7591 Studierende eingeschrieben.

Leuphana: Kunstprojekte eröffnen Ingenieuren ungewohnte Perspektiven

In Suderburg würden zwar mit über 20 Professoren äußerst günstige Betreuungsverhältnisse für die Studierenden bestehen, so der Universitätslenker, aber der Standort tauche in keinem Hochschul-Ranking auf. Die wenigen Minuten, die sich ein Wissenschaftler im Fernsehen äußert – beim Wasserbau sollten sie einem Suderburger gehören.

Das Erststudium wird nun im „Leuphana College“ absolviert: Im Komplementärstudium, das den Studierenden zum Generalisten während des Bachelorstudiums ausbilden soll, eröffnen Kunstprojekte Ingenieuren ungewohnte Perspektiven.

Doch dem Ingenieurnachwuchs fehlt bei diesem Konzept der Kontakt mit der Praxis, und sechs Semester bis zum Leuphana-Bachelor sind aus Sicht der Berufsverbände und künftiger Arbeitgeber zu knapp bemessen, so Suderburgs Campus-Sprecher Harald Burmeier zur Resonanz. Nur wenige Befürworter wie der Suderburger Prodekan Ralf Schottke glaubten an eine Zukunft in der Leuphana mit Masterstudiengängen, die neben Bau-Wasser-Boden-Stoff auch Inhalte wie unternehmerisches Handeln und Wissenschaftsethik integrieren sollten.

An Renommee in Fachkreisen fehlt es Suderburg tatsächlich nicht, und das weltweit: Professoren aus Indonesien zapfen das Suderburger Know-how für die Wasseraufbereitung an, Experten aus der Heide sind an der Tsunami-Forschung beteiligt. Die Studierenden haben oft schon vor dem Abschluss einen Arbeitsvertrag in der Tasche.

Andererseits aber trug die Leitung der Universität dazu bei, Interessenten zu verschrecken: Die klassische Suderburger Klientel der Absolventen mit Fachhochschulreife blieb zunehmend aus. Der Niedergang hat aus Suderburger Sicht deshalb eine andere Ursache als fehlender Glanz: Das innovative Leuphana-Modell taugte nach verbreiteter Überzeugung nicht für die Anforderungen der Ingenieurwissenschaften.

Einer, der dem Siechtum Suderburgs nicht tatenlos zusehen mochte, ist ein Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel des Gründers der Einrichtung. Der Landtagsabgeordnete Jörg Hillmer (CDU) zog die Fäden zwischen Kultusministerium, Suderburgern und Hochschulvertretern – und das erfolgreich: Das Landeskabinett gab im Februar grünes Licht für den Anschluss des jetzigen Universitätsstandorts Suderburg an die Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel, gültig bereits für das kommende Wintersemester.

Beschlossen ist die Rückkehr zum siebensemestrigen Bachelor mit Praxissemester in den zentralen Ingenieurfächern. Wolf-Rüdiger Umbach, Präsident der FH Braunschweig/Wolfenbüttel, verspricht weitere Standbeine für Suderburg, um die Kapazität von 1000 Studienplätzen zu füllen: Die Studiengänge Handel und Logistik sowie Soziale Arbeit sollen zur Krisensicherheit beitragen.

„Ostfalia – Hochschule für Angewandte Wissenschaften“ soll die neue Fachhochschule heißen, die sich auf fünf Standorte verteilt. „In Salzgitter haben wir mit null angefangen, jetzt sind es 1600“, verbreitet der FH-Präsident Optimismus, dass die Studierendenzahlen wieder anziehen. „Die Gebäude sind da, wir brauchen nur noch das Personal zu rekrutieren. Das ist eine komfortable Situation.“ Sogar für eine Erweiterung sei Platz, weist Umbach aus der Mensa in Suderburg ins Grüne.

Der Schmerz über das Ende der unglücklichen Lüneburger-Suderburger Verbindung hält sich auf beiden Seiten in Grenzen. Simon Drücker, Sprecher des AStA der Leuphana, allerdings kritisiert aus studentischer Sicht die „Hinterzimmerpolitik“, mit der „die Abspaltung eines integralen Bestandteils der Universität“ betrieben worden sei. Diese gehe zulasten „interessanter Studiengangskombinationen“. C. ROSENAU

Von C. Rosenau

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