Hochschule

Eine Mini-Ausgabe der französischen Revolution

Sciences-Po gilt als die Elite-Universität in Paris. Die Zulassung von Abiturienten aus unterprivilegierten Gegenden stößt den Verfechtern französischen Elitedenkens übel auf.

Staatspräsident Jacques Chirac, France Telecom-Chef Michel Bon und der IMF-Chef Michel Camdessus haben eines gemeinsam: Sie alle saßen einmal in den Hörsälen des Institut d´études politiques (Institut für politische Studien) in Paris. Die 125 Jahre alte Institution im noblen Viertel St. Germain ist Franzosen und Ausländern unter dem Kürzel Sciences-Po bekannt. Wer aus dieser Kaderschmiede kommt, braucht sich um seinen Job keine Sorgen zu machen. Rund 1000 Angebote für Berufseinsteiger sowie 3000 Praktikantenplätze erhält das Universitätsbüro jährlich.
Dabei geht es in den ehrwürdigen Hallen aus dem 17. und 18. Jahrhundert keineswegs nur um Geschichte, Politik, Wirtschaft oder internationale Beziehungen. Die Elite-Universität verhilft auch zum MBA und wird von vielen Studierenden nur als ein- oder dreijährige Ausbildung besucht, um die Karrierechancen zu erhöhen. Das gilt auch für Ingenieure. Denn das Alumninetz ist berühmt.
Deshalb befinden sich unter den rund 4000 Studenten auch 800 Ausländer darunter viele Deutsche. Sciences-Po unterhält 120 Austauschprogramme in 29 Ländern. In Deutschland gehören unter anderem Berlin, Bonn, Heidelberg, Köln, Leipzig, Saarbrücken und Tübingen zu den Partneruniversitäten. Angesichts der sehr schwierigen Aufnahmeprüfung und der Studiengebühren von 930 Euro jährlich reagierte die Öffentlichkeit sehr heftig auf die Ankündigung des Direktors Richard Descoings, die Universität für Schüler aus einem schwierigen Umfeld öffnen zu wollen. Ab Oktober diesen Jahres sollen Absolventen aus sieben Gymnasien in der Nähe von Paris sowie aus der Region um das nahe der deutschen Grenze gelegenen lothringischen Nancy einen vereinfachten Zugang zur Grand École finden. Die Gymnasien sollen Listen mit Schülern schicken, die statt der schwierigen Aufnahmeprüfung nur ein Gespräch über ihre Motivation hinter sich bringen müssen. Damit steht ein dritter Weg – neben dem für in- und ausländische Studenten – in die Kaderschmiede offen. Auf lange Sicht will Sciences-Po auf diese Weise 15 % der Absolventen rekrutieren.
Descoings will mit seinem Aufsehen erregenden Schritt dem Ruf der Grand Écoles als Ort einer abgehobenen Elite, zu dem Durchschnittsbürger keinen Zutritt haben, vorbeugen. Schon seit längerer Zeit haftet im sozialistisch regierten Frankreich den Elite-Universitäten ein schlechter Ruf als separatistische Trutzburg an. Der ist oft so abschreckend, dass sich selbst gute Schüler nicht bewerben. „Meine Abiturienten sind durch ihr soziales Milieu gezeichnet viele halten Paris – nicht örtlich betrachtet – für zu weit weg und unerreichbar“, erzählt Alain Raymond von einem beteiligten Gymnasium in Creutzwald nahe Saarbrücken.
Zwar ist die Krawatte bei der mündlichen Prüfung nicht mehr zwingend, aber tatsächlich blieben bislang die Schichten an Sciences-Po getrennt: Kinder von Angestellten sind sechs Mal weniger vertreten als im Landesdurchschnitt, Kinder von Arbeitern sogar zwölf Mal weniger. Waren es 1987 noch 77 % der Studenten aus besserverdienenden Haushalten, so stieg diese Zahl zehn Jahre später auf 81,5 %. Von den 2303 Bewerbern kamen bei der Aufnahmeprüfung 64 % aus Familien mit akademischer Bildung, 4 % hatten Angestellte als Eltern und 1,5 % Handwerker. Die Zahlen verschärften sich bei der Zulassung: 72 % hatten Eltern mit einem Studienabschluss. Ade Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.
Daran hat sich auch durch mehr Stipendien in den vergangenen Jahren nichts geändert. Ein Viertel der Schüler wird mittlerweile von den Einschreibegebühren befreit. Gleichzeitig überweist Sciences-Po – zusätzlich zu staatlichen Stipendien – jährlich rund 925 000 DM an Schüler. „Aber das reicht noch nicht, um den Zugang zur Elite zu demokratisieren“, bedauert Descoings. Er denkt über Videos nach, die die sprachlichen Fähigkeiten der neuen Studenten schulen sollen. Auch Tutoren und Unterweisung im methodischen Arbeiten sollen den Zugang zum fünfjährigen Studium erleichtern. Genauso wie ausländische Studenten, sollen die Neuen sieben Wochen lang in der Methodik des Französischen unterrichtet werden. Während des Studiums erhalten sie finanzielle Stipendien.
Der schöne Plan zur sozialen Integration gefällt allerdings nicht allen an der Elite-Universtität. Studenten protestierten vehement gegen den erleichterten Zugang der neuen Kommilitonen. Viele von ihnen hatten eine zweijährige Vorbereitung für die Zulassungsprüfung auf sich genommen.
Auch andere äußern Kritik. So beschwerten sich Universitätsprofessoren und Ehemalige aus ganz Frankreich. Sie beklagten die Stürmung einer der letzten Bastionen der Elite. Denn eines haben sie begriffen: Für Frankreich bedeutet das Revolution – wenn auch nur eine kleine. C. CHATON

Von C. Chaton

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