Hochschule

Ein Zentrum hilft beim Start in den Job

Die Eigenarten mancher Studienkollegen und diverse andere Ursachen verderben den Studentinnen die Lust an technisch orientierten Studienfächern. Das Blatt soll sich in Berlin mit Hilfe der Femtec GmbH, einem Hochschulkarrierezentrum für Frauen, ändern. Das Angebot soll auch den Einstieg in den Job erleichtern.

In einem Tonstudio Musik produzieren – so hatte sich Marion Esch ihre berufliche Zukunft als Kommunikationstechnikerin vorgestellt. Doch schon nach drei Semestern gab sie auf und wechselte zu den Medienwissenschaftlern über. Von vier Frauen, die mit Marion Esch das Studium der Kommunikationstechnik begonnen hatten, war nun keine mehr übrig. Kein Einzelfall in den Natur- und Ingenieurswissenschaften. Doch was macht die technisch orientierten Studiengänge so unattraktiv für Frauen?

„Allein unter Männern zu studieren und dabei auch noch Freunde zu finden, war alles andere als einfach“, erzählt Marion Esch. Und das nicht nur wegen der zotigen Sprüche, die die Kommilitonen über den Brustumfang der Mathematikprofessorin von sich gaben. Denn selbst wenn die meisten Studenten in Gegenwart ihrer Studienkolleginnen auf Macho-Gehabe verzichten: Was hilft es, wenn lachende Männer-Grüppchen sofort verstummen, sobald sich eine Frau zu ihnen gesellt? Außerdem vermisste Marion Esch Teamgeist unter ihren Kommilitonen. „Zum Beispiel war es kaum möglich, sich gemeinsam auf eine Klausur vorzubereiten“, erzählt sie. „Zwar wollten alle Informationen von den Stärkeren haben. Aber den Schwächeren half keiner.“

Doch nicht alleine die Eigenarten mancher Studienkollegen verderben den Studentinnen die Lust an technisch orientierten Studienfächern. „Ingenieurwissenschaftliche Studiengänge sind viel zu theorielastig“, findet Claudia Kostka, die heute als Oberingenieurin an der TU Berlin arbeitet und Weiterbildungsseminare für Studentinnen leitet. „Frauen wollen von Beginn des Studiums an praxisnah arbeiten.“ Außerdem sei es den Studentinnen wichtig, sich mit ihrem künftigen Aufgabenbereich zu identifizieren. Gefragt sind also vor allem politisch korrekte Studiengänge – wie die Umwelttechnik. In diesem Fach sind fast die Hälfte der Studierenden Frauen.

Aber warum leiden die Männer offenbar weniger unter der Theorielastigkeit ihres Studiums? „Sie sehen das Studium eher als Mittel zum Zweck, um ein Diplomzeugnis und damit den gewünschten Job zu ergattern“, meint Claudia Kostka. Entsprechend zielstrebiger gehen sie auch vor, wenn es darum geht, die Kontakte für den späteren Arbeitsplatz zu knüpfen: beispielsweise über Praktika und Diplomarbeiten im Auftrag eines Unternehmens.

Für Frauen beginnen die Probleme bei der Karriereplanung jedoch oft schon mit der Suche nach einem Praktikumsplatz. „Ich bekam kein Praktikum auf dem Bau, weil niemand mir zutraute, Beton zu schleppen“, erzählt zum Beispiel Claudia Schuster, die als künftige Wirtschaftsingenieurin auch Bauingenieurwesen studiert. Eine Kommilitonin sah sich vor eine noch kompliziertere Hürde gestellt: Das Unternehmen, in dem sie Praktikum machen wollte, hatte trotz gesetzlicher Vorschriften keine Damentoilette zu bieten. Also opferte die Praktikantin ihren mageren Praktikumssalär, um ein Dixie-Klo anzumieten.

Bis zur Diplomarbeit sind vielen Frauen derart findige Einfälle offenbar ausgegangen. „Im Gegensatz zu ihren Kommilitonen schreiben sie nur selten praxisbezogene Diplomarbeiten und verpassen so die Chance für einen glatten Einstieg ins Berufsleben“, sagt Marion Esch. Der Grund: Viele künftige Ingenieurinnen bringen sich bei den Unternehmen, in denen sie ein Praktikum gemacht haben, zu selten wieder in Erinnerung.

Das soll künftig anders werden – mit Hilfe der Femtec GmbH, dem Hochschulkarrierezentrum für Frauen, das die TU Berlin und die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft vor kurzem ins Leben riefen. Die Femtec GmbH bietet Workshops und Seminare zum Training von Kommunikations- und Managementfähigkeiten und liefert die Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern wie Siemens, DaimlerChrysler und Porsche gleich mit: durch die Vermittlung von Praktikumsplätzen, aber auch durch die Organisation von Planspielen und Innovationswerkstätten. „Dort müssen die Studentinnen Marktstrategien für ein bestimmtes Produkt entwerfen, und diese der Herstellerfirma präsentieren“, sagt Marion Esch, die heute als wissenschaftliche Leiterin für Femtec arbeitet.

Mit ihren Studienkollegen müssen die Berliner Studentinnen jedoch auch ohne fremde Unterstützung klar kommen. Aber vielleicht sind die ja manchmal besser als ihr Ruf. Claudia Kostka hat gute Erfahrungen gemacht. „Mit meinen Kommilitonen habe ich nicht nur erfolgreiche Arbeitsgruppen gebildet, sondern sogar Freundschaften geknüpft“, erzählt sie. M. WIMMER

www.femtec-berlin.de

http://be-ing.de

www.kompetenzz.de

www.webgrrls.de

http://ewmd.org

www.vdi.de

Magdeburger Uni

Praktikumsplätze für Frauen

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg stellt auch in diesem Jahr für Abiturientinnen und Fachoberschülerinnen ca. 35 Praktikumsplätze an ihren naturwissenschaftlich-technischen Fakultäten bereit. Die jungen Frauen können für zwei bis drei Monate Themen aus den Bereichen Maschinenbau, Mathematik, Verfahrenstechnik, Physik, Chemie, Elektro- und Informationstechnik sowie Informatik bearbeiten und gleichzeitig schon mal etwas „Uni-Luft“ schnuppern. Für die Dauer des Praktikums wird eine monatliche Vergütung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Sachsen-Anhalt gezahlt.

Interessentinnen melden sich bei: Otto-von-Guericke-Universität, Prorektorat für Studium und Lehre Tel: (0391) 67-18843 (Frau Dr. Behnert) oder per E-Mail unter Rosemarie.Behnert@Rektorat. idw/cha

 

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