Hochschule

Ein „marktgerechtes“ Studium kann es nicht geben

Nur wenn Hochschulen auch Distanz zum Arbeitsmarkt wahren, können Studenten die Qualifikationen erwerben, die sie im Beruf brauchen, meint HRK-Präsident Klaus Landfried, Autor des folgenden Artikels.

Hochschulen als Stätten der Kultur“ – als die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sich dieses Thema für ihre diesjährige Jahresversammlung stellte, hielten dies nicht wenige für einen Anachronismus oder auch für ein „Feigenblatt“. Die Zeichen an den Hochschulen stehen – in nicht geringem Maße von der HRK selbst forciert – auf Strukturreform, Leistungsorientierung, Wettbewerb. Gerade in der Zeit eines bemerkenswerten Umbruchs in der deutschen Hochschullandschaft darf jedoch die ganze Spannweite der Aufgaben, die Hochschulen in unserer Gesellschaft zu erfüllen haben, nicht aus dem Blick geraten.
Die Hochschulen müssen in einem ständigen internen Dialog selbst klären, wie sie eine allzu simple und kurzhorizontige Orientierung von Forschung und Lehre an – aus der Distanz betrachtet – rasch wechselnden „Markt-Zyklen“ vermeiden, ohne dabei in die als Versuchung ständig präsente eitle Arroganz des selbstgenügsamen Elfenbeinturmes zu verfallen. Bei dieser Gratwanderung gibt es keine einfachen Antworten auf die Fragen: wie lassen sich kulturelle Bildung der Persönlichkeit und Ausbildung von Können für den Arbeitsmarkt verantwortbar verbinden? Wie können sich zweckfreie und anwendungsorientierte Forschung gegenseitig befruchten, ohne daß eine die andere unterwirft?
Seit ihrem ersten Auftreten im Mittelalter waren Universitäten zugleich Initiatoren von Wandel und Bewahrer der Überlieferung. Anfangs und für lange Zeit – in Deutschland bis vor rund 35 Jahren – waren Universitäten winzige elitäre Inseln in Gesellschaften, in denen Wissenserwerb und natürlich auch die Weitergabe von Wissen das kaum erschwingliche Privileg weniger war.
Vor dem Hintergrund der steigenden Bildungsbeteiligung – rund ein Drittel eines Altersjahrgangs studiert in den Hochschulen – und der rasch fortschreitenden Globalisierung der Arbeits- und Lebenswelt stellt sich verstärkt die Frage nach der Mission der Hochschulen, insbesondere der Universitäten am Ausgang des 20. Jahrhunderts. Ebensowenig wie ganze Gesellschaften ihre Leitbilder unverändert konservieren können, darf sich die Universität auf das bloße Festhalten an einem traditionellen Selbstverständnis beschränken.
Ein erheblicher Teil der Absolventinnen und Absolventen geht in Berufe außerhalb von Wissenschaft und Forschung, und die spezielleren Wissensbestände veralten besonders rasch, so daß sie teilweise bereits bei Abschluß des Studiums überholt sind. Und Forschung wie Lehre in den Hochschulen übernehmen die Aufgabe von „Zukunftswerkstätten“ der Gesellschaft. Aber wie die großen Erfindungen der letzten 150 Jahre meist zufällige Nebenprodukte von zunächst zweckfreier Forschung waren, brauchen die Hochschulen, um optimal leistungsfähig zu sein, die Chance, sich von direkten Marktzwängen frei zu halten.
Die Neufassung des Hochschulrahmengesetzes hat die Einführung eines international anerkannten, gestuften Systems von Studienabschlüssen in Deutschland ermöglicht. Diese Entwicklung entspricht zum einen der Nachfrage von Studierenden, die sobald wie möglich ins Arbeitsleben eintreten wollen. Zum anderen steigt die Zahl derjenigen, die mit einem deutschen Bakkalaureus-/Bachelor-Abschluß im Ausland ein Master-Studium bzw. eine Promotion anstreben. Zugleich formuliert auch die deutsche Wirtschaft seit einiger Zeit den klaren Wunsch nach qualifizierten Bachelor-Absolventen, nachdem sie eben diesen Abschluß in der Vergangenheit häufig als „Nottaufe für Studienabbrecher“ diskreditiert hatte.
Die Aufgabe der Hochschulen, die sich für die Einführung der neuen Abschlüsse entscheiden, besteht darin, die Curricula so zu strukturieren, daß sie zu vollwertigen Abschlüssen führen. Darüber darf aber keinesfalls die Bedeutung von „Bildung“ aus den Augen verloren werden. Dabei ist, im Gegensatz etwa zu den USA, weniger an die Verpflichtung der Hochschulen zu denken, in den ersten Studienjahren „Bildung“ im Sinne von Allgemeinwissen zu vermitteln: Ungeachtet der Klagen über die zurückgehende Studierfähigkeit von Abiturienten wird Allgemeinwissen in Deutschland immer noch in erster Linie von den Sekundarschulen vermittelt. Vielmehr ist ein umfassender Bildungsbegriff im Sinne von Formung der Gesamtpersönlichkeit, Entfaltung und Ausbildung der geistigen Anlagen gemeint.
Auf der Notwendigkeit von Bildung zu beharren, heißt nicht, traditionellen Leitbildern um ihrer selbst willen anzuhängen. Vielmehr steht dahinter die Überlegung, daß es ein marktgerechtes, auf „Ausbildung“ reduziertes Studium schon deshalb nicht geben kann, weil niemand den Arbeitsmarkt von morgen kennt. Mit dem Zusammenwachsen und zugleich der Erweiterung der EU, mit der Globalisierung aller Arbeits-, Produktions- und Lebensbereiche wachsen die Chancen, aber zugleich auch die Unübersichtlichkeit für die künftigen Arbeitnehmer.
Um so wichtiger werden neben der Bereitschaft zum lebenslangen Lernen auch „Schlüsselqualifikationen“ wie Selbständigkeit, Teamfähigkeit, Eigeninitiative und Kreativität. Daß ein Hochschulstudium diese Fähigkeiten vermitteln sollte, wird auch von den Vertretern der Wirtschaft gefordert. Dort heißt es, man brauche Absolventinnen und Absolventen, die über den Tellerrand ihres Fachgebiets hinausblickten, Persönlichkeiten mit sozialer Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit in mehr als einer Sprache.
Es gibt kein Patentrezept, das den Erfolg in der Arbeitswelt von morgen garantiert, aber Bildung in der Begegnung mit Forschung, erworbenes fachliches Können, ein Blick für das Wesentliche und die Fähigkeit zur Kommunikation, bilden dafür gute Voraussetzungen. Insofern ist eine gewisse „Marktferne“ der Hochschulen geradezu die Bedingung für ihre nachhaltige „Marktnähe“.
KLAUS LANDFRIED
Niemand kenne die Arbeitsmärkte von morgen, deshalb müsse ein Studium mehr vermitteln als reines Ausbildungswissen, meint HRK-Präsident Klaus Landfried.

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