Hochschule

Druck auf Doktorarbeiten steigt

Der Druck auf die Qualität wird dadurch stärker, meinen Experten. Viele junge Forscher befürchten zudem, mit dem schnellen Medium ihren Informationsvorsprung zu verlieren.

Endlich ist die Doktorarbeit fertig und erfolgreich verteidigt. Doch für die Universitätsbibliothek fängt die Arbeit jetzt erst richtig an. Zunächst muß das Werk in die Dissertationslisten aufgenommen und an andere Bibliotheken verschickt werden. Im Anschluß gilt es, die Bestellungen zu bearbeiten und die angeforderten Arbeiten zu verschicken, während nicht bestellte Exemplare im Keller gelagert werden müssen. Erst wenn sie nach zehn Jahren niemand bestellt hat, müssen sie an den meisten Bibliotheken den Nachfolgern Platz machen und landen im Reißwolf.
Die Chancen, daß Doktorarbeiten unentdeckt bleiben, stehen dabei nicht schlecht. Wer macht sich schon die Mühe, regelmäßig in den Listen nach spannenden Dissertationen zu fahnden? Die Alternative dazu scheint bahnbrechend: Die Arbeiten werden im Internet so aufbereitet, daß sie von Suchmaschinen unter einem bestimmten Stichwort gefunden und so weltweit publiziert werden können.
Für Doktoranden ergeben sich auf den ersten Blick nur Vorteile. „Wer sich Doktor nennen will, muß seine Dissertation veröffentlichen, und das geht oft ins Geld“, so Sigurd Prätorius von der Duisburger Uni-Bibliothek. Druckkostenzuschüsse an die Verlage, Kopierkosten der mitunter 200 benötigten Exemplare, selbst die günstigere Lösung, die Vervielfältigung auf Mikrofiches, haben ihren Preis.
Vor diesem Hintergrund bietet die Uni Duisburg seit Mitte letzten Jahres diese neue Veröffentlichungsform an. Unterstützt wird sie vom neuen Projekt „Dissertation online“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn, die Hochschulen Hilfestellungen geben will beim elektronischen Publizieren von Doktorarbeiten.
Doch nicht immer treffen die Projektbeteiligten auf offene Ohren. Denn plötzlich wird die wissenschaftliche Leistung des Autors und damit auch seines Doktorvaters nachprüfbar, und zwar weltweit und binnen kürzester Zeit.
„Natürlich wird das bei einigen Doktorvätern den Druck zu mehr Qualität bei den Arbeiten erhöhen“, glaubt Hans-Ulrich Kamke, zuständig für die DFG-Projektkoordination „Dissertation online“ an der Berliner Humboldt-Universität. Gleichzeitig werde es jedoch auch weiterhin Leute geben, die ihre Doktorarbeit lieber auf Papier oder Mikrofiche veröffentlichen, „und dann ab in den Keller“ (Kamke).
Zudem seien vor allem naturwissenschaftliche Fakultäten oft an einer Internet- Veröffentlichung gar nicht interessiert, weil sie dadurch viel zu schnell publik würde. Kamke: „Diese Wissenschaftler befürchten offensichtlich, daß sie ihren Informationsvorsprung mit einem Mal verlieren und veröffentlichen dann lieber Fachartikel, in denen sie die wichtigen Details leichter aussparen können.“

Auch die Internet-Dissertation wird nicht kostenlos sein

Immer mehr Bibliotheken setzen auf die virtuelle Zukunft. Im Rahmen des einjährigen DFG-Projekts, das aufgrund großen Interesses Ende März verlängert werden soll, beteiligen sich bereits rund 20 Hochschulen an der Veröffentlichung ihrer Dissertationen per Internet. Zudem haben die Kultusminister den Weg für das Internet als Alternative zur Veröffentlichungspflicht über Fachverlage, -aufsätze oder Kopien bereits freigemacht, so daß die Universitäten nur noch ihre Prüfungsordnungen anpassen müssen.
Im Bibliotheksalltag erfordert die Umstellung auf die Internet-Dissertationen jedoch trotz aller Kostenersparnis zunächst zusätzliche Mittel, „denn eine virtuelle Bibliothek bekommt man nicht umsonst“, so Werner Reinhardt von der Universitätsbibliothek Siegen. Auch dort sind inzwischen die ersten Vorbereitungen abgeschlossen. Mit einem eigenen Merkblatt wird ab sofort für die Veröffentlichung im Internet geworben. „Damit haben Wissenschaftler auch die Chance, dynamische Dokumente zu schaffen, mit deren Hilfe Diskussionsforen angeregt werden können“, verspricht Reinhardt.
Doch schon mehren sich kritische Stimmen, die vor zuviel Euphorie warnen. „Im Hochschulbetrieb glauben viele, daß das Internet nichts koste“, sagt zum Beispiel der Informationswissenschaftler Gerhard Knolmayer, Professor an der Universität Bern. Dabei sind mit Bereitstellung wie mit dem Abrufen von Dokumenten durchaus Kosten verbunden.“
Auch sei die tägliche Arbeit mit den Dissertationen bei weitem nicht so einfach, wie viele in den Bibliotheken glauben würden. „Hier kommt es vor allem darauf an, wie liebevoll man es macht.“ Das meiste, was er bislang gelesen habe, sei „leider alles andere als leserfreundlich“, selbst Informationen über den Autoren suche man dort vergeblich. Zudem hält es Knolmayer für sehr bedenklich, daß die Veröffentlichung von Dissertationen, in Deutschland bislang eine Domäne privater Verlage, nun in den öffentlichen Bereich verschoben werde, der unter enormen Budgetzwängen leide.
Auch das Thema Sicherheit wird bei vielen Reformbestrebungen noch vernachlässigt. „Man muß wissen, daß viele Dissertationen hierzulande ohne Autorisierung im Internet landen“, warnt Karl-Heinz Schloßer vom Dezernat für Informationstechnik an der Bochumer Ruhr-Universität.
Wer übernimmt für eine „Dissertation online“ die Gewähr, daß sie auch nach der Aufbereitung und dem Zugriff Dritter immer noch mit dem Ursprungswerk übereinstimmt? Den Ausweg könnte laut Schloßer die sogenannte Smartcard bringen. Durch eine „digitale Unterschrift“ könnten Uni und Doktorand die Richtigkeit der vorliegenden Fassung dokumentieren und gleichzeitig einen sicheren Austausch mit Dritten ermöglichen.
A. LEIMBACH
Der Keller so mancher Universitätsbibliothek dürfte in Zukunft als Endlagerstätte für Dissertationen ausgedient haben.

Von A. Leimbach

Stellenangebote im Bereich Projektmanagement

FERCHAU GmbH-Firmenlogo
FERCHAU GmbH Projektingenieur Anlagenbau (m/w/d) München
Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW-Firmenlogo
Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW Ingenieurinnen/Ingenieure / Architektinnen/Architekten (w/m/d) Fachrichtung Hochbau oder technische Gebäudeausrüstung Bielefeld
FVLR GmbH-Firmenlogo
FVLR GmbH Referent (m/w/d) für Tageslicht und Rauchschutz Detmold
Städtisches Klinikum Karlsruhe gGmbH-Firmenlogo
Städtisches Klinikum Karlsruhe gGmbH Architekt bzw. Bauingenieur (m/w/d) Karlsruhe
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Applikationsingenieur Fabrikautomatisierung (w/m/d) Meerane
Pegasystems-Firmenlogo
Pegasystems Client Success Manager (m/w/d) Frankfurt, Köln, deutschlandweit
VTG GmbH, Ingenieurbüro-Firmenlogo
VTG GmbH, Ingenieurbüro Projektleiter mit Schwerpunkt Rohrleitungsbau (m/w/d) München
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Technischer Projektmanager für Industriegetriebe (w/m/d) Bruchsal
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH)-Firmenlogo
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) Projektleiter (m/w/d) für den Servicebereich Bau im Bereich Gebäudemanagement Wiesbaden
Stadt Nordenham-Firmenlogo
Stadt Nordenham Ingenieur (m/w/d) der Siedlungswasserwirtschaft als Bauleitung im Bereich Abwasseranlagen Nordenham

Alle Projektmanagement Jobs

Top 5 Studium

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.