Hochschule 07.12.2001, 17:32 Uhr

Doktorhut nach Multi-Kulti-Art

In sechs Exzellenzzentren in NRW werden promovierende Ingenieure in fachlichen Schwerpunkten, aber auch in Unterrichten, Veröffentlichen und Präsentieren geschult.

Eine Promotion bedeutet oft Einsamkeit und finanzielle Unsicherheit – und wird nicht selten zur unendlichen Geschichte. In anglo-amerikanischen Ländern gibt es Graduate Schools, an denen Nachwuchswissenschaftler schnell und unter optimalen Bedingungen zum Doktorhut greifen. Nun soll das Modell auch in Deutschland Schule machen. In NRW starteten im November sechs dieser Einrichtungen. Die Universität Dortmund erhielt den Zuschlag für „Production und Logistics“.

Eliteförderung innerhalb staatlicher Hochschulen, das ist es, was dem nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium vorschwebt. „Wir wollen in Exzellenzzentren die besten Köpfe zusammen bringen – aus aller Welt“, sagt Ministerin Gabriele Behler. „Ich hoffe, dass es uns gelingen wird, an einigen Universitäten in ausgewählten Themenbereichen international angesehene Zentren für die Förderung von Spitzennachwuchs-Wissenschaftlern zu etablieren.“

Daher wird eine strenge Auswahl getroffen. Von 20 Bewerbern erhielten in diesem Semester neun Stipendien. In drei Jahren sollen sie ihre Promotionsurkunde in der Hand halten. „Zum April rechnen wir mit 50 bis 60 Bewerbungen auf acht Plätze“, sagt Meni Syrou, Koordinatorin der Dortmunder Graduate School. Auswahlkriterien sind vor allem Noten und Referenzschreiben, manchmal kommen Gespräche hinzu. Die Gruppen müssen zudem interdisziplinär und international zusammen gesetzt sein.

Chancen haben Absolventinnen und Absolventen ingenieur- und naturwissenschaftlich-mathematischer Studiengänge aus aller Welt. Die Ersten – acht Männer und eine Frau – kommen aus sechs Ländern von Asien bis Afrika, nur zwei sind aus Deutschland.

Genau das fand Alexander Baar spannend. Er, der nach dem Vordiplom in Dortmund am Georgia Institute of Technology in Atlanta seinen Master of Science gemacht hat, möchte ein multikulturelles Umfeld nicht mehr missen. Daher hat sich der 24-Jährige, gerade aus den USA zurückgekehrt, „ganz fix“ beworben. Sein genaues Thema weiß er noch nicht, aber es soll etwas zu Konstruktionsmethoden sein. Langfristig an einem Projekt zu arbeiten reizt ihn sehr. „Überzeugt hat mich aber auch, dass man in Soft skills trainiert wird“, sagt der Maschinenbau-Ingenieur. Denn neben der fachwissenschaftlichen Ausbildung, die durch Lehrveranstaltungen begleitet wird, haben die Promovierenden unter anderem Seminare in Unterrichten, Veröffentlichen und Präsentieren, um auf einen Job in Forschung und Lehre vorbereitet zu werden.

An der Universität zu arbeiten, ist der berufliche Traum von Ali Daryusi. Der Syrer hat an der Hochschule von Lattakia Maschinenbau mit Schwerpunkt Fertigungs- und Konstruktionstechnik studiert. Nach seiner Diplomarbeit wollte er – wie viele Ingenieur-Wissenschaftler aus Syrien – in Deutschland promovieren. Weil sein Universitätszeugnis nicht anerkannt wurde, hing er ein zweites Hauptstudium an der Universität Duisburg an und fand sofort eine Stelle als CAD-Ingenieur in Würzburg. „Ich wollte aber in jedem Fall meine Doktorarbeit schreiben“, erläutert der 31-jährige Diplom-Ingenieur, der später gerne noch habilitieren würde. Als er fast schon eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Tasche hatte, erfuhr er von der Graduate School. Jetzt forscht er zur „Druckerzeugung für die wirkmedienbasierten Blechumformverfahren“. Daryusi: „Hier kann man als echter Wissenschaftler arbeiten.“

Frei von dem Zwang, noch dieses oder jenes für „ihren “ Professor erledigen zu müssen, können sich die Promovierenden – ohne einen Nebenjob – ganz auf ihre Arbeiten konzentrieren. Dabei werden sie nicht nur vom Doktorvater unterstützt, sondern sind in ein Netzwerk von Lehrenden, Tutoren, Kommilitonen und einem Vertrauensdozenten eingebunden. Nicht umsonst gehört die Einrichtung von Graduate Schools zum Programm „Exzellenz NRW“. ANDREA BEHNKE

Graduate Schools

NRW: Sechs sind an den Start gegangen

Der Wissenschaftsrat hat ebenso wie die Hochschulrektorenkonferenz schon Mitte der 90er Jahre Empfehlungen zur Doktorandenausbildung gegeben. „Der Wissenschaftsrat erachtet strukturierte Doktorandenstudien als sinnvoll“, sagt Referent Carsten Dose. Graduate Schools seien ein Schritt in die richtige Richtung. „Darüber hinaus soll und muss es auch andere neue Ansätze geben.“ Letztlich kommt derzeit nur ein Bruchteil der Promotionswilligen in den Genuss einer „Graduate School“. Im Gegensatz zu Graduiertenkollegs, die zeitlich befristet sind, sind Graduate Schools eine feste Einrichtung an der jeweiligen Hochschule. In NRW sind mit dem Zentrum an der Universität Dortmund weitere fünf Einrichtungen an den Start gegangen. Der Schwerpunkt: technisch-naturwissenschaftliche Themenbereiche. In anderen Bundesländern gibt es ähnliche Projekte, so an der Humboldt-Universität Berlin und an verschiedenen Hochschulen Niedersachsens oder die bundesweite Initiative der „International Max Planck Research Schools“. ab

Stellenangebote im Bereich Projektmanagement

ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften-Firmenlogo
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Informatiker/-in für Software Security und Security Testing als Wissenschaftliche/-r Mitarbeiter/-in Winterthur (Schweiz)
Fr. Lürssen Werft GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Fr. Lürssen Werft GmbH & Co. KG Ingenieur als technischer Angebotsmanager (m/w/d) Bremen
Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz mbH Heidelberg'-Firmenlogo
Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz mbH Heidelberg' Projektentwickler (m/w/d) Projektentwicklung und -steuerung Heidelberg
Fr. Lürssen Werft GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Fr. Lürssen Werft GmbH & Co. KG Projektmitarbeiter (w/m/d) Digitalisierung / Innovationsmanagement Bremen, Lemwerder
Clariant SE-Firmenlogo
Clariant SE Verfahrensingenieur / Elektroingenieur als Projekt Manager (m/w/d) Burgkirchen an der Alz (Gendorf)
csi entwicklungstechnik GmbH-Firmenlogo
csi entwicklungstechnik GmbH Ingenieur / Entwickler als Projektleiter (m/w/d) im Fachbereich Thermodynamik Ingolstadt (Gaimersheim)
medac GmbH-Firmenlogo
medac GmbH Projektmanager (m/w/d) Herstellung mit Schwerpunkt MES Wedel
Sweco GmbH-Firmenlogo
Sweco GmbH Ingenieur Elektrotechnik Bahnsysteme (m/w/x) Frankfurt am Main
Porsche Consulting GmbH-Firmenlogo
Porsche Consulting GmbH Manager (m/w/d) Automobilindustrie (OEMs und Zulieferer) Berlin, Stuttgart, Frankfurt am Main, Hamburg, München
schattdecor AG-Firmenlogo
schattdecor AG Ingenieur für technisches Projektmanagement (m/w/d) Thansau

Alle Projektmanagement Jobs

Top 5 Studium

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.