Hochschule

„Diese Studiengänge sind nicht mit Leben gefüllt“

Die meisten Studenten haben zwar schon von Bachelor- und Master-Studiengängen gehört, doch die wenigsten würden sich für ein Bachelor-Kurzstudium entscheiden, so eine Befragung unter Studierenden.

Unter einem Bachelor kann sich Reinhart Rendel nichts vorstellen. „Für mich ist das nur ein Wort“. Damit steht das AStA-Mitglied der Fachhochschule Düsseldorf nicht allein. In einer vom Bundesministerium für Bildung in Auftrag gegebenen Untersuchung fand das Hochschul-Informations-System (HIS) heraus, daß mehr als einem Fünftel der Studierenden der Abschluß Bachelor oder Master gänzlich unbekannt ist.
Insgesamt 8000 Studierende aller Fachrichtungen hat das in Hannover ansässige HIS befragt, um herauszufinden, was Studierende von den angelsächsischen Abschlüssen Bachelor und Master sowie von dem Bewertungssystem der Credit Points halten.
Von den Studierenden, denen beide Abschlüsse bekannt waren, gaben nur 12 % an, daß sie sich durchaus vorstellen könnten einen Bachelor-Grad zu erwerben, der in sechs Semestern erreicht werden kann. Die Hälfte der Befragten lehnt diesen Abschluß allerdings ab. Gerade in den Fachrichtungen, in denen Bachelor und Master als besonders interessant eingestuft werden, nämlich den Ingenieurwissenschaften, vermuteten Experten, daß die Akzeptanz größer sei. Weit gefehlt: Nur 15 % der Studierenden an FH und 11% an Universitäten könnten sich einen Bachelor-Abschluß vorstellen.
Die Vorbehalte richten sich allerdings stärker gegen ein Kurzstudium. In der Kombination, zuerst den Bachelor in sechs Semestern, dann den Master in vier Semestern, werden die neuen Studiengänge schon deutlich besser beurteilt. Dies würde fast ein Drittel aller Studierenden in Betracht ziehen. Allerdings sprechen sich beinahe genauso viele auch gegen diese Variante aus.
Mit der Einführung dieser neuen Studiengänge soll das deutsche Studiensystem an das international übliche angelsächsische Modell angeglichen werden und den Studenten einen Wechsel ins Ausland erleichtern. Zumindest, was den ersten Punkt betrifft, glauben rund 60 % der befragten Studenten, daß Bachelor- und Master-Studiengänge die deutschen Hochschulen für ausländische Studierende tatsächlich attraktiver macht.
Das zeigt auch ein Blick in die Praxis: Die Fachhochschule Niederrhein beispielsweise richtet im kommenden Semester einen Bachelor- und Masterstudiengang im Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik mit Englisch als Unterrichtssprache ein. Seit der Veröffentlichung des Studiengangs vor 14 Tagen im Internet, seien zwar erst zwei Anmeldungen eingegangen, so ein Sprecher der Fachhochschule, aber es gebe ungewöhnlich viele Anfragen aus Großbritannien. Dort könne ein vergleichbarer Studiengang nur in London belegt werden, und der würde den Bedarf nicht decken.
Also mehr Internationalität durch neue Studienabschlüsse? Die Betroffenen bleiben skeptisch. Vor allem, weil es (noch) keine Übereinkunft über Lehrinhalte gibt. „Warum werden nicht die Richtlinien zu Grunde gelegt, die auf EU-Basis für Bachelor und Master erarbeitet wurden? Jetzt wurschtelt doch jeder vor sich hin,“ meint Detmar Arlt, Professor für Energieversorgung und Elektrowärme an der FH Düsseldorf. Seine Erfahrung: Viele Fachhochschulen und Universitäten würden zwar die neuen Studienabschlüsse anbieten, aber die Nachfrage, nicht zuletzt wegen der damit verbunden Unsicherheiten, sei einfach nicht da. „Die Studiengänge sind nicht mit Leben gefüllt.“ Zudem sei die Umsetzung bei andauernden Mittelkürzungen kaum möglich. Zu erst müßten zusätzlich Hochschullehrer eingestellt werden, damit Lehrveranstaltungen nicht nur in deutscher Sprache angeboten werden müssen, fordert Arlt . Zudem müßte gewährleistet sein, daß Studenten in Master-Studiengängen auch an Fachhochschulen promovieren können. Doch das werde nicht der Fall sein, befürchtet der Düsseldorfer Professor, weil es an FH, im Gegensatz zu Universitäten, keine Assistenten gebe..
Nicht viel positiver beurteilen die Studenten die Einführung des Credit-Point-Systems. Damit können Leistungen studienbegleitend erbracht werden. Das soll verhindern, daß Studenten nur noch auf eine große Abschlußprüfung hin studieren. Die sogenannten Credit-Points sollen sicherstellen, daß Scheine und Prüfungen beim Wechsel der Hochschule anerkannt werden. Fast zwei Drittel der vom HIS befragten Studierenden können sich damit anfreunden, gleichzeitig befürchten jedoch nahezu 40 %, daß die Verschulung zunehme.
Wie beurteilen Unternehmen die geplanten und teilweise schon eingerichteten Bachelor- und Master-Studiengänge? Bei international tätigen Firmen wie Hewlett Packard oder Technip Germany (ehemals Mannesmann Demag) wird weniger auf den Studiengang, als auf die Qualifikation geachtet. Joachim Gräf, für Personalfragen im Kundendienstzentrum von HP in Ratingen zuständig: „Bewerber, die ein deutsches Diplom und einen ausländischen Bachelor oder Master bieten, haben gute Chancen. Doch letztlich ist Abschluß X oder Diplom Y kein entscheidender Faktor.“ Vor allem müsse die Bereitschaft vorhanden sein, ein Leben lang zu lernen, denn nach drei Jahren sei jedes Hochschulwissen schon überholt.
Inwieweit jene Skeptiker Recht behalten, die sicher sind, daß ein Bachelor-Kurzstudium kein berufsqualifizierendes akademisches Niveau vermittle und die Absolventen erhebliche Probleme auf dem Arbeitsmarkt bekommen werden, bleibt abzuwarten. Vorerst glauben immerhin mehr als 40 % der befragten Studenten, daß mit Bachelor- und Master-Abschlüssen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt steigen könnten – obwohl sie gegenüber diesen Studiengängen sehr zurückhaltend reagieren. K. MARTIN
Weitere Infos unter: http://www.his.de
Gute Chancen beim akademischen Nachwuchs hätten Bachelor-Studiengänge nur in Verbindung mit einer Master-Ausbildung.

Von K. Martin

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