Hochschule 07.10.2005, 18:40 Uhr

Die Zeit der Tüftler ist vorbei

Das Ingenieurstudium hat im Laufe der letzten 25 Jahre eine rasante Entwicklung hinter sich. Neue Technologien und die Globalisierung haben die Rolle des Ingenieurs massiv beeinflusst. Willi Fuchs, Direktor des VDI, skizziert im Folgenden einige der wichtigsten Herausforderungen, denen sich junge Ingenieure heute stellen müssen.

Wer vor 25 Jahren Ingenieurwissenschaften studierte, fand sich überwiegend mit technischen Inhalten der jeweiligen Disziplin – etwa Maschinenbau – konfrontiert. Man könnte der Meinung sein, bei einem technischen Studiengang müsse das ja auch so sein.
Weit gefehlt: Heute lernt der angehende Maschinenbauer Grundzüge der Nanotechnik, der Optischen Technologien oder auch der Mikrosystemtechnik. Inhalte, mit denen Maschinenbauingenieurstudenten vor 25 Jahren nicht konfrontiert wurden, die aber heute bei vielen Ingenieuren zum Berufsalltag gehören. Die technische Entwicklung schreitet rasanter denn je voran und mit ihr auch die Entwicklung des Ingenieurberufes.
Dauerte die Neuentwicklung eines Automobils vor zehn Jahren noch mindestens acht Jahre, so benötigen Ingenieure heute gerade einmal die Hälfte der Zeit für die gleiche Aufgabe. Die spezifischen Anforderungen der Industrie an die fachlichen Qualifikationen von Berufsanfängern führen zu einer Diversifizierung und Spezialisierung der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge. Trotz dieser Spezialisierung aber sollten die Grundlagenfächer wie Mechanik, Werkstofftechnik und ähnliche nicht vernachlässigt werden. Die neuen Aufgabengebiete erfordern Mobilität im Denken und Handeln, um fachübergreifende Problemlösungsstrategien zu entwickeln.
Heute sind die Tätigkeitsbereiche immer stärker miteinander vernetzt. So sind in den letzten Jahren auch mehr und mehr Querschnittsberufe entstanden. Dies verdeutlichen die Wirtschaftsingenieure sehr gut. Studierten 1980 noch weniger als 10 000 junge Menschen Wirtschaftsingenieurwesen, sind es heute weit über 40 000 Studierende. Sie arbeiten dort, wo Wirtschaft und Technik zusammentreffen und sind auf dem Arbeitsmarkt stark gefragt. Aber auch in anderen Bereichen ist Querschnittsdenken erwünscht. Im Zuge der rasanten technologischen Entwicklung sind in den letzten Jahren neue Studiengänge wie „Optical Engineering“, „Mechatronik“ oder „Mikrosystemtechnik“ hinzugekommen.
Zudem müssen wichtige Schlüsselqualifikationen bereits im Studium erworben werden. Dazu zählen auf fachlicher Ebene etwa betriebswirtschaftliche Kenntnisse oder Know-how im Projektmanagement. Daneben sind zunehmend weitere Schlüsselkompetenzen erforderlich wie Fremdsprachen, Kundenorientierung, Managementkompetenz und Teamfähigkeit. Der Ingenieur ist längst nicht mehr der einsame Tüftler, vielmehr muss er sich heutzutage schneller auf Globalisierung, neue Technologien und Kundenwünsche einstellen.
Besonders Sprachkompetenz und Mobilität sind für den Ingenieur unausweichliche Voraussetzungen. Der Begriff Globalisierung steckte 1980 noch in den Kinderschuhen, ist aber heute zentraler Bestandteil des Ingenieurberufes. Ingenieure müssen bereit sein, auch im Ausland zu arbeiten, zumindest für eine begrenzte Zeit bei bestimmten Projekten. Gerade in Osteuropa oder China arbeiten immer mehr deutsche Ingenieure. Hierfür brauchen sie interkulturelle Kompetenzen, etwa „Wie verhalte ich mich bei Verhandlungen und Besprechungen im Ausland“, die sich insbesondere im asiatischen Raum doch deutlich von den mitteleuropäischen unterscheiden. Vor 25 Jahren spielte das Thema interkulturelle Kompetenz noch eine geringe Rolle.
Kompetenzanteile über das fachspezifische Wissen hinaus können sich Ingenieure bereits im Studium aneignen. Neben der Möglichkeit, ein oder mehrere Semester im Ausland zu studieren, bieten viele Hochschulen Seminare zum Projektmanagement oder auch Rhetorik an. Aus VDI-Sicht sollten überfachliche Studieninhalte einen Anteil von 20 % haben.
Doch nicht nur bei den überfachlichen Studieninhalten hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Dies sei am Beispiel des in Deutschland vom VDI neu aufgesetzten Wettbewerbs „Formula Student Germany“ erläutert. Dieser Wettbewerb fordert Hochschulen auf, in Studierendenteams einen Formel-Rennwagen zu planen, zu finanzieren, herzustellen und in Produktionsreife zu bringen. Diese „Mini-Unternehmen“ innerhalb der Hochschulen müssen also von der Idee, über den Business-Plan, über Sponsorensuche und Produktion bis zum Rennen alle Hürden meistern können.
Auf der Rennstrecke kommt es nach den theoretischen Prüfungen, die selbstverständlich in Englisch stattfinden, zum „Showdown“. Alle Formel-Wagen müssen in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten. Ausdauer, Belastbarkeit des Wagens, Traktion, Beschleunigung werden hier von einer kundigen Jury auf Herz und Nieren getestet.
Natürlich arbeiten die Hochschulen in diesem Wettbewerb interdisziplinär: Studierende aus der Wirtschaftsfakultät erarbeiten den Business-Plan und akquirieren Sponsoren, die Ingenieurwissenschaftler planen und konstruieren den Rennwagen, Kommunikationswissenschaftler sind für die PR verantwortlich und Sportstudenten sitzen vielleicht hinter dem Steuer.
Was hier deutlich wird: Gruppenarbeit, Internationalität, fachübergreifendes Wissen und schließlich die Motivation zeichnen diese Teams aus. Und wer an einem solchen Wettbewerb teilgenommen hat, braucht sich um einen Arbeitsplatz nach dem Studium keine Sorgen mehr zu machen. Eines hat sich in den letzten 25 Jahren nicht geändert: Wer sich über den Lehrplan hinaus besonders engagiert, wird von der Industrie mit offenen Armen empfangen. WILLI FUCHS
Dr.-Ing. Willi Fuchs ist Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).

Ein Beitrag von:

  • Willi Fuchs

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