Hochschule

Die Verwaltung des Mangels?

An der Ruhr-Uni Bochum vor allem Stellen aus den Ingenieurwissenschaften. Die Hochschulleitung will aber ohne Abstriche bei den Professuren davonkommen.

Er sollte ein neues Zeitalter in der Wissenschaftspolitik in Nordrhein-Westfalen einleiten: der Qualitätspakt, eine Erfindung von Wissenschaftsministerin Gabriele Behler (SPD). Damit, so die Ministerin, soll den Hochschulen des Landes zu „zukunftsfähigen fachlichen Strukturen“ verholfen werden.
Während man im Ministerium derzeit viel Zuversicht auch von Seiten der Hochschulen ausmacht, zeigen sich dort einzelne Sprecher jedoch skeptisch. „Das Misstrauen in vielen Fächern ist aufgrund der jahrelangen Erfahrungen groß“, so Ulrich Kunze, Prorektor für Strukturplanung und Finanzierung an der Bochumer Ruhr-Universität.
Dabei hat Harald Wellbrock, Sprecher des Düsseldorfer Wissenschaftsministeriums, soeben gelobt, es gebe an den Hochschulen bei der Umsetzung des Qualitätspaktes „keine Kritik“, man gehe vor Ort mit der Strategie seines Hauses – Stelleneinsparungen gegen größere Planungssicherheit und Autonomie für die Mittelverwendung – „konstruktiv um“.
Noch bis November haben die Universitäten und Fachhochschulen Zeit, eigene Vorschläge einzureichen, welche Stellen wegfallen können. Aus diesem meinungsbildenden Prozess „halten wir uns derzeit ganz bewusst heraus“, so Wellbrock. Dann wird ein Expertenrat mit Hilfe regionaler Arbeitsgemeinschaften prüfen, ob die Angebote ausreichen und so akzeptiert werden können.
Die Botschaft von der wachsenden Autonomie kommt auch bei Ulrich Kunze gut an, allein fehle ihm der Glaube, dass „die Politik hier einen wirklichen Wechsel will, denn schließlich sind 90 % der Hochschulmittel Personalkosten, und die bleiben Sache des Ministeriums“. Daher befürchtet der Bochumer Professor für Elektrotechnik „im Gegensatz zu den politischen Vertretern in den Rektoraten, dass wir in Zukunft nur unsere chronische Unterfinanzierung selbst verwalten dürfen“.
Von den vorgeschlagenen und soeben veröffentlichten Streichungsangeboten der Ruhr-Universität sind vor allem die Ingenieurwissenschaften betroffen. In den Fächern Maschinenbau werden 15, in der Elektrotechnik 14 und im Bauingenierwesen insgesamt acht Stellen wegfallen. Auch die Physiker und Astronomen (16) und die Chemiker mit 14 Stellen werden zur Ader gelassen. Dagegen bleiben kleinere Fächer wie Publizistik, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft und Theaterwissenschaft sowie Film- und Fernsehwissenschaft von Streichungen verschont – sie wären sonst in ihrem Bestand gefährdet. „Doch diese Zahlen täuschen ein wenig“, relativiert Kunze, „denn uns ist es gelungen, im Gegensatz zu anderen Fakultäten bei den Ingenieuren keine einzige Professur streichen zu müssen.“
Aufgrund des Wechsels von der personalintensiveren Werkstattausbildung hin zu computergestützten Angeboten hätten bei den Ingenieuren verhältnismäßig viele Stellen von nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern zur Disposition gestanden. Dagegen stehen in Bochum Kleinstfächer wie Indologie, Hethitologie und Sprachlehrforschung vor dem Aus. Die Ruhr-Uni bleibe jedoch „die einzige Volluniversität im Ruhrgebiet“, ließ die Hochschulleitung vor dem Hintergrund dieses in Zukunft eingesparten Luxus jedoch vorsorglich mitteilen.
Joachim Metzner, Rektor der Kölner Fachhochschule, schätzt dagegen zunächst den positiven Anstoß durch den Qualitätspakt: „Ich glaube, so intensiv und methodisch ist früher nicht mit Hochschulplanung umgegangen worden.“ Der im April verabschiedete Beschluss habe durchaus geholfen, „sich selbst intensiv unter die Lupe zu nehmen“.
Hinter dieser allgemeinen Einschätzung wird aber auch Kritik deutlich. Metzner beobachtet eine große Unsicherheit über die Motive des Expertenrates. Dieser Rat sucht nach einem Ausgleich zwischen dem, was das Ministerium als Anforderung formuliert und dem, was die Hochschulen an Streichungen anbieten. „Mir ist nicht ganz klar, woran der Rat uns eigentlich messen wird, denn das geht aus den uns vorgelegten Fragebögen nicht hervor.“
Wichtig ist für Metzner, dass sich am Profil der Hochschule nichts ändert. „Wir wollen keine Gewichtsverlagerung, und deshalb sollen die Ingenieure auch ihre Stellen grundsätzlich behalten.“ Allerdings, so räumt er ein, habe die Kölner FH auf Grund des nachlassenden Interesses an den Ingenieurwissenschaften „etwas Luft, so dass wir überlegen, wie wir die zu Reformen nutzen können“.
Das heißt: An der FH Köln können Fachbereiche ausgebaut werden. Zum Beispiel soll in der Informatik und in der Nachrichtentechnik die Medienausbildung verstärkt werden. Zudem sollen nach wie vor überlaufene Fachbereiche wie die Fahrzeugtechnik oder das Fotoingenieurwesen weiter ausgebaut werden. Im Zuge der Neuorganisation der Ingenieurausbildung liegen auch Pläne für berufsbegleitende Studienmodelle in der Schublade.
Doch ausgerechnet bei diesen Überlegungen stoßen die Hochschulen an Grenzen. Metzner: „Hier hat uns das Land das Problem beschert, dass wir beim Personal durch die wegfallenden Stellen sehr in unserer Entwicklung eingeschränkt sind.“ Nicht nur, dass die Fachhochschulen fast schon traditionell über eine dünne Personaldecke verfügten, ihnen wurde, so Metzner, auch die Chance genommen, zugunsten neuer, zukunftsträchtiger Schwerpunkte wenigstens zeitlich befristete Stellen zu schaffen, „und das ist sehr schade“.
Die Hoffnung der Hochschulen, für Reformprojekte neue Stellen zurückzubekommen, erfüllte Wissenschaftsministerin Gabriele Behler („Unsere Hochschulen müssen zukunftsfähig werden“) bislang nicht. Zwar steht für Reformvorhaben Geld aus einem „Innovationsfonds“ zur Verfügung. Der Haken jedoch: Dieses Geld darf nicht für Personalmaßnahmen verwendet werden.
Nun hat das Warten auf den Expertenrat begonnen. Doch Joachim Metzner sieht hinter der verordneten Nabelschau an den NRW-Hochschulen schon die nächsten Gewitterwolken aufziehen. Seine Sorge: Steht hinter dem Qualitätspakt nicht auch die Frage, wie es mit den Hochschultypen – Universitäten und Fachhochschulen – generell weitergehen wird? „Die beabsichtigte Neuorientierung rüttelt für mich zwangsläufig auch an der Zukunft der Gesamt- und auch Fachhochschulen“, so der Kölner FH-Rektor.
Universitäten, die sich marktgerecht um neue Kurzstudiengänge bemühen und damit stärker in die Nähe der FH“s rücken – dieser Trend könnte dem Qualitätspakt folgen. „Dass sich eine Hochschulart wie die Fachhochschulen, die auf eine bescheidene Tradition von kaum 30 Jahren zurückblickt, da Sorgen macht, darf nicht verwundern.“ Deshalb hofft Metzner auf klare Entscheidungen, die auch die Interessen der künftigen Arbeitgeber berücksichtigen, denn „eines wollen wir nicht: Eine neue Hochschulpolitik, die sich einfach ereignet.“
ANDREAS LEIMBACH
Der Qualitätspakt soll den nordrhein-westfälischen Hochschulen mehr Autonomie bringen. Er könnte aber auch an den Gesamt- und an den Fachhochschulen rütteln.

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