Hochschule

Die verpasste Vorlesung als Live-Mitschnitt

Deutschland soll bei der Bildungssoftware eine Spitzenstellung einnehmen. Die Lokomotive auf dem Weg dorthin heißt „Notebook-Universität“.

Keine Revolution, nein, eine Evolution soll es sein, was die Hochschulen auf den Weg in die Zukunft bringen soll: Der Einsatz neuer Medien mit neuen Konzepten. So auch die Notebook-Universität. Machbar, finanzierbar und nachvollziehbar für Lehrende und Studierende soll der Wandel sein, den Techniker und Didaktiker erarbeiten und begleiten.
„Neue Medien in der Bildung“ ist der Titel des groß angelegten Förderprogramms (Laufzeit 2000 bis 2004) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), unter den auch die Notebook-Universitäten fallen. Ein Versuch, neue Medien und E-Learning in Lehre und Forschung zu etablieren. Politisch gesehen ist es ein Ansatz, Deutschland bis 2005 weltweit eine Spitzenposition bei der Nutzung von Bildungssoftware zu sichern. 284 Mio. €  stellte der Bund aus UMTS-Geldern für den Hochschulbereich zur Verfügung. Mit rund 25 Mio. €  wird am Aufbau der Notebook-Universitäten gearbeitet: Präsenzhochschulen mit mobiler oder ubiquitärer Nutzung von IuK-Technologie.
Von einer virtuellen Hochschule unterscheiden sich die Notebook-Unis bewusst: Forschung und direkter Kontakt zwischen Studenten und Lehrenden werden betont.
Einerseits können und sollen Notebooks direkt in den Vorlesungen genutzt werden, andererseits steht die Infrastruktur auch für Kommunikation jenseits der Hörsäle zur Verfügung. Damit, so meint der Rostocker Informatik-Professor Djamshid Tavangarian, soll Lust auf die technischen Möglichkeiten geweckt werden, beispielsweise Bibliotheks-Recherche aus der Mensa.
Die multimediale Umsetzung des Lernstoffes ermöglicht Studierenden eigenverantwortliches, selbstorganisiertes und individuelles Lernen. An der Verfügbarkeit von Laptops zumindest soll dies nicht scheitern: Sie können geleast oder zu günstigen Konditionen gekauft werden. Eine Umfrage unter Darmstädter Studienanfängern ergab, dass über ein Viertel einen Laptop besitzt und knapp die Hälfte sich einen anschaffen will. Die für den Anschluss ans drahtlose Netz notwendigen Adapter werden von vielen Unis an die Studenten ausgeliehen.
In Rostock geht man davon aus, dass nicht jeder Dozent plötzlich zum Medien-Designer wird. Deshalb unterstützt ein zentraler Studenten-Pool mit etwa 50 Teilnehmern die Dozenten, ihr Lehrmaterial auf elektronische Basis umzustellen. Jeweils zwei studentische Hilfskräfte sind ein Semester lang für einen Dozenten zuständig, dann kommen die nächsten zehn Dozenten an die Reihe, um alle Fächer auf aktuellen Stand zu bringen. Die Studenten ermitteln auch Schwachstellen: Wie müssen die Hörsäle ausgestattet sein? Wo fehlen Steckdosen? Braucht ein Student mit Laptop mehr Platz als einer ohne?
Befruchtend wirken interdisziplinäre Teams, beobachtet Prof. Dr. Manfred B. Wischnewsky vom Zentrum für Multimedia in der Lehre (ZMML) der Uni Bremen. Technik plus Didaktik plus Inhalte zu präsentieren, darum gehe es, nicht um Technikverliebtheit.
In Darmstadt werden dieses Semester die ersten Studenten und Dozenten im digitalen Hörsaal sein. Projektleiter Guido Rößling geht davon aus, „dass die klassische Lehre, sich gemeinsam in einem Hörsaal zu versammeln und an eine Tafel zu schauen, schon Sinn macht“. Die Tafel werde nun sinnvoll interaktiv ergänzt. Schrittweise setzt Prof. Max Mühlhäuser Neuerungen in seiner Vorlesung Informatik I ein. Virtuelle Schiefertafeln sollen Denkschritte nachvollziehbar machen. Jede Vorlesung wird nämlich von mehreren Kameras aufgezeichnet. „Keiner schaut sich 90 Minuten Vorlesung noch einmal an, aber ein elektronisches Post-It markiert die relevanten Stellen.“
Darüber hinaus können Studenten sich per Laptop zu Wort melden, Fragen stellen, den Dozenten und seinen Vortrag kritisieren („zu schnell“, „zu leise“). Das erfährt der Dozent zeitversetzt, nach der Vorlesung. Der Lehrende wiederum kann Verständnistests durchführen. Überschneidungen im Stundenplan können umgangen werden, wenn aufgezeichnete Veranstaltungen zeitversetzt zu Hause nachvollzogen werden. Nach den Vorlesungen können Gruppen gemeinsam, von verschiedenen Orten aus, an Skripten und Referaten arbeiten. Mühlhäuser: „Das ist nichts für reine Technik-Enthusiasten, sondern für die große Masse der Dozenten.“
Der Frage nach dem Mehrwert für Lehre und Lernen geht die begleitende Evaluation nach: In Darmstadt berichten 50 Erstsemester in regelmäßigen Treffen über ihre Erfahrungen mit den Notebook-Möglichkeiten. Im Februar wertet man erste Erkenntnisse aus.
Neben Fragen des Urheberrechts sind Lernplattformen eines der großen Probleme. Viele Systeme harmonieren nicht mit deutschen Gegebenheiten. Informatik-Professor Djamshid Tavangarian kritisiert, dass die Zukunft der etwa 3000 involvierten Mitarbeiter nach Ablauf der Projekte 2003 nicht gesichert ist. Bei der staatlichen Finanzknappheit sieht er die weitere Entwicklung gefährdet. MARIA M. HELD

Notebook-Universität
Die andere Art des Lernens
Lernmöglichkeiten in Notebook-Universitäten:

  • Videokonferenz zur Durchführung gemeinsamer Vorlesungen an verschiedenen Orten. Zugriff auf Materialien aus dem Internet während der Vorlesung.
  • Internetbasierte Vorlesungsunterstützung mit Studenteninteraktion: Übungsbeispiele und Simulationen können auf dem Notebook nachvollzogen werden. Studenten können sich elektronisch zu Wort melden.
  • Lerngruppen. Synchrones und asynchrones gemeinsames Arbeiten.
  • Zeitversetzter Zugriff auf aufgezeichnete Vorlesungen.

mh

 

  • Maria Magdalena Held

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