Hochschule

Die Suche nach dem Königsweg  

Sollte es allumfassende Studiengänge in erneuerbaren Energien geben, sollten die Themenfelder in einzelne Angebote gesplittet werden oder in den klassischen Ingenieurwissenschaften wie Maschinenbau aufgehen? Fest steht: Die Ausbildung folgt der wirtschaftlichen Entwicklung nur schleppend.

Die Branche strotzt vor Kraft, die Produzenten von Energie aus Sonne, Biomasse und Wind reden im Rückblick auf 2006 vom stärksten Wachstum seit sie existieren. Wo viel Arbeit ist, da sind auch Menschen gefragt, die das Ganze stemmen. Und junge Leute, die sich für ein Studium im Bereich der erneuerbaren Energien begeistern. Da aber tun sich gewaltige Lücken auf.

„Uns fehlen bereits einige Fachleute, vor allem Ingenieure“, klagt Sitha Stübe, Personalreferentin bei SolarWorld, stellvertretend für die Sonnenenergie-Branche. Und da von den Hochschulen Nachwuchs nicht in ausreichendem und hoch qualifiziertem Maße nachrückt, geht das Bonner Unternehmen eigene Wege. „Absolventen können ihren Ingenieursachverstand oft erst einsetzen, wenn wir sie im Bereich Photovoltaik nachgeschult haben. Diese Ausbildung hat sich bei uns zu einem Standard entwickelt.“

Resignation ist fehl am Platz. „Einige Hochschulen haben sich den Erfordernissen angepasst und lassen Elemente der erneuerbaren Energien in bestehende Studiengänge einfließen oder richten Wahlfächer ein.“ Das sei bereits ein guter Anfang, reiche aber nicht aus. „Das Problem ist, dass es den Studiengang ,Erneuerbare Energien“, geschweige denn den mit Schwerpunkt Photovoltaik, nicht gibt.“

Ein Ansatz, die Neugierde technikinteressierter junger Menschen zu wecken, seien engere Kooperationen zwischen Wissenschaft und Unternehmen. Stübe: „Ein aktives Hochschulmarketing ist unverzichtbar. Wir bieten den Studenten verschiedene Praktika und Studiumabschlussarbeiten an.“

Das sei eine gute Möglichkeit, potenziellen Nachwuchs kennenzulernen und mögliche Arbeitsbereiche bei SolarWorld vorzustellen. „Wir haben bereits einige aktive Kooperationen mit Hochschulen und bauen weitere Kooperationsmöglichkeiten auf. Es ist allerdings sehr bedauerlich, wenn man dabei feststellen muss, dass einige Professoren sich nicht als Ansprechpartner für Unternehmen fühlen.“

Solange der Nachwuchs nur tröpfchenweise den Weg in die Unternehmen findet, müssen die Anstrengungen intensiviert werden, denn „eine verzögerte Stellenbesetzung kostet Geld und Zeit, was wiederum auf Kosten anderer Mitarbeiter geht, die die ansonsten liegen bleibende Arbeit mit übernehmen müssen“, sagt Sitha Stübe.

Für Theo Bühler gibt es verschiedene Gründe, warum die akademische Ausbildung die Nachfrage nicht sättigen kann: „Die Abschlüsse sind noch orientiert an den traditionellen Ausbildungsgängen wie Maschinenbau und Elektrotechnik und nicht an Ingenieuren, die sich ausschließlich auf dem Gebiet der Erneuerbaren bewegen“, sagt der Projektleiter Arbeitsmarkt beim Wissenschaftsladen Bonn.

Das sei aber vorerst auch gar nicht anders möglich, „weil die Tätigkeitsprofile sich noch nicht eindeutig herauskristallisiert haben und es eine sehr dynamische und junge Branche ist, die von Forschung und Entwicklung (FuE) und den ökonomischen Aspekten der Produktivitätssteigerung gekennzeichnet ist“. Die akademische Ausbildung müsse zwangsläufig hinterherhinken, müsse sich aber mit dem Fortschritt in FuE weiterentwickeln.

Deshalb sei es umso bedauerlicher, dass die FuE-Kapazitäten an Hochschulen im Einklang mit entsprechenden Studienangeboten nicht ausgebaut würden. Bühler: „Auf der einen Seite werden neue Studienangebote unterbreitet, auf der anderen Seite werden sie abgebaut.“

Einen eigenständigen Studiengang „Erneuerbare Energien“ hält Bühler indes nicht für sinnvoll. Ein Aufgehen dieses Wissenschaftsfeldes in Maschinenbau oder Elektrotechnik und ein größerer Anteil der Erneuerbaren an neuen Studiengängen entspräche eher den sich rasch ändernden und komplexen Erfordernissen.

Die neuen Bachelorstudiengänge, so Bühler, trügen trotz großer Chancen auch eine Gefahr: „Viele junge Leute wissen nicht, in welchem Arbeitsfeld der erneuerbaren Energien sie unterkommen sollen und peilen daher das Masterstudium an. Das aber erweist sich, da nicht jeder zugelassen wird, als Flaschenhals.“

Bühlers Ratschlag: „In Kooperation mit den Unternehmen sollten die Tätigkeitsfelder definiert werden, um so transparentere Karrierewege zu zeichnen.“ Der angehende Student sollte darauf achten, Elemente der Erneuerbaren in seine Studienplanungen einzubeziehen und auf eine vorschnelle thematische Eingrenzung zu verzichten. Praktika trügen während des Studiums zur Horizonterweiterung bei, förderten die Kompetenz und somit auch die beruflichen Chancen. W. SCHMITZ

„In Kooperation mit Unternehmen Tätigkeitsfelder definieren.“

 

Von W. Schmitz

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