Hochschule

„Die Hochschule der Zukunft ist eine Art Holding“  

„Wir sind so etwas wie das Fitness-Studio fürs Gehirn. Wir stellen Geräte und Trainer, sich fit halten muss der Sportler selbst“, so Rauhut im Gespräch mit den VDI nachrichten.

Rauhut: In gewissen Bereichen war die Unterstützung der Grundlagenforschung nicht ausreichend. Deshalb war es auch Teil unseres Konzeptes innerhalb der Exzellenzinitiative, hier intensiver voranzugehen. Es gilt vor allem, die Interdisziplinarität zu stärken.

VDI nachrichten: Im Zukunftskonzept ist von einem „grundlegenden Umwandlungsprozess“ die Rede.

Rauhut: Wir sind kein Unternehmen, müssen uns aber unternehmerisch betätigen. Wir brauchen größere Flexibilität und mehr Wettbewerb innerhalb des Hauses. Beispiel Professuren: Wir müssen auf bestimmte Fachbereiche Schwerpunkte legen, andere womöglich kürzen oder streichen. Wir sind im Maschinenbau deutlich stärker als Harvard. An diese Stärke müssen wir anknüpfen.

VDI nachrichten: Wie sehen die Strukturen der „unternehmerischen Hochschule RWTH“ aus?

Rauhut: Die Fakultäten werden stärker auf Wettbewerb ausgerichtet sein. Das Leistungsprinzip wird sich etwa bei der Besetzung von acht neuen Juniorprofessuren zeigen, die wir den einzelnen Bereichen anbieten. Je nach Leistungsstärke wird die eine Fakultät mit mehr Juniorprofessuren ausgestattet, die andere mit weniger. Die Vergabe wird flexibel gehandhabt, so dass je nach den Entwicklungen immer wieder Veränderungen möglich sind. Die Hochschule der Zukunft ist eine Art Holding: Im Rektorat sitzt der Vorstand, die Tochtergesellschaften sind die Fakultäten.

VDI nachrichten: Wie sieht die neue Rolle des Rektors aus?

Rauhut: Er ist die Schaltzentrale. Bisher ging von ihm nicht die Initiative aus, Fächer an- oder abzuschaffen. Das bedeutet zwangsläufig eine finanzielle Aufstockung für das Rektorat.

VDI nachrichten: Also mehr Machtbefugnisse.

Rauhut: Wir haben immer noch die Freiheit von Forschung und Lehre, die wir nicht antasten wollen. Auch der Beamtenstatus engt unsere Handlungsmöglichkeiten ein. Rektoren können aber Schwerpunkte verschieben und mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Geld flexibler agieren als früher. Insofern ist das eine neue Qualität von Macht an der Hochschule, die ähnlich geartet ist wie die in Unternehmen.

VDI nachrichten: Empfinden Sie das neue Instrument des Hochschulrates als Belastung oder als Stütze?

Rauhut: Die von der Hochschule ausgewählten und vom Land genehmigten Mitglieder werden sehr hilfreich für uns sein. Viele Hochschulen haben dagegen gewettert . . .

VDI nachrichten: . . . und die „Hilfen“ aus der Wirtschaft als „Laienschauspieler“ abgetan, die von Hochschularbeit keine Ahnung hätten.

Rauhut: Das stimmt nicht. Abgesehen davon, dass es nicht auf den Bereich ankommt, aus dem das Mitglied kommt, sondern auf die Person, sind in unserem zehnköpfigen Rat nur drei Mitglieder aus der Wirtschaft. Es handelt sich um eine gesunde Mischung, mit der wir sehr zufrieden sein können.

VDI nachrichten: Sie vergleichen die Hochschule zwar in vielerlei Hinsicht mit einem Unternehmen, die Studierenden allerdings nicht mit Kunden – obwohl sie doch als Gebührenzahler Anrecht auf eine Gegenleistung haben.

Rauhut: Wir sind so etwas wie das Fitness-Studio fürs Gehirn. Wir stellen Geräte und Trainer, sich fit halten muss der Sportler selbst. Wir erwarten eben auch Leistung. Vom Bild des Studierenden als Konsument halte ich nichts.

VDI nachrichten: Welche Gegenleistung dürfen die Studierenden erwarten?

Rauhut: Die Studiengebühren sollen zur Verbesserung der Lehrbedingungen verwendet werden. Wir müssen also für die bestmöglichen Rahmenbedingungen sorgen. Die Lehre an unseren Hochschulen ist allerdings vergleichsweise bescheiden.

VDI nachrichten: Warum?

Rauhut: Zum einen hängt das mit dem Kapazitätsrecht zusammen, das ein besseres Betreuungsverhältnis zwischen Studierendem und Dozenten nahezu unmöglich macht, zum anderen am Geld. Um passable Betreuungsverhältnisse zu realisieren, müsste sich die Zahl der Lehrenden in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. Die Betreuungsrelationen aber sind deutlich schlechter als etwa in den USA.

VDI nachrichten: Sind Studierende in Entscheidungsprozesse der RWTH eingebunden?

Rauhut: Sie können mitbestimmen, wohin die Studiengebühren fließen. Sie haben ein Vetorecht.

VDI nachrichten: Damit wären wir bei der Geldfrage. Die „International University Bremen“ durfte sich über eine Spende von 200 Mio. € von der Schweizer Jacobs Foundation für die kommenden zehn Jahre freuen. Ist die Suche nach dem privaten „Big Spender“ die Zukunft der Hochschulfinanzierung?

Rauhut: Mit einer solchen Spende können wir nicht viel bewirken. Wir brauchen viele, viele Leute wie Herrn Jacobs. Wir haben einen Jahresetat von 515 Mio. €, davon einen Drittmittelanteil von 155 Mio. €. Damit sind wir in Deutschland bei der Drittmittelwerbung Spitze. 200 Mio. € über zehn Jahre wäre da nur ein – willkommener – Tropf auf den heißen Stein. Selbst die Exzellenzinitiative mit rund 30 Mio. € jährlich ist nur ein angenehmes Zubrot.

VDI nachrichten: Geht es bei der Exzellenzinitiative demnach mehr ums Renommee als ums Geld?

Rauhut: Um beides. Wären wir bei der Exzellenzinitiative nicht so erfolgreich gewesen, wäre das ein erheblicher Imageschaden gewesen, schließlich fand der Wettbewerb auch international große Beachtung.

VDI nachrichten: Nach welchen Kriterien werden sich künftig Studierende ihre Uni aussuchen?

Rauhut: Trotz Globalisierung zieht es die wenigsten jungen Leute in die Ferne. Viele unserer Studierenden wohnen im Umkreis von 70 km um Aachen. Vielleicht wird die Exzellenzinitiative ein Denken herbeiführen, wie es vor 70 oder 80 Jahren verbreitet war, als Studierende den guten Professoren hinterherzogen. Als die Universität zur Massenhochschule mutierte, ging diese Einstellung verloren. Heute diktiert das Denken „Ich wohne zu Hause und mache die Uni nebenher“ die Entscheidung für oder gegen eine Hochschule.

VDI nachrichten: Hat die Exzellenzinitiative stärkere Auswirkungen auf die Mobilität als der international orientierte Bologna-Reformprozess?

Rauhut: Wir machen sogar die Erfahrung, dass durch Bologna die Mobilität zurückgeht. Die Ausbildungszeit im Bachelorstudium ist komprimiert und bietet weniger Zeit zum Wechsel. Zukunftsweisend sind internationale Hochschulkooperationen mit Abschlüssen in mehreren Ländern, wie wir sie mit Zürich und Delft pflegen.

VDI nachrichten: Rückt die Hochschule der Zukunft näher an die Unternehmen? Der neue RWTH Aachen-Campus im Westen Aachens ist in erster Linie als Betätigungsfeld für Hochschul-Institute und Industrie-Unternehmen gedacht.

Rauhut: Ja, ich denke, das ist die Zukunft. Das gilt insbesondere für den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Bereich. Um schneller zu sein als die internationale Konkurrenz muss die rasche Umsetzung der Forschungsprojekte und die Nähe der Forscher universitärer und außeruniversitärer Einrichtungen zueinander gewährleistet sein.

Zur Kontaktaufnahme zu Spitzenforschern soll auch das Büro der RWTH und des Forschungszentrums Jülich in New York beitragen. Forschungskooperationen mit US-Hochschulen und US-Unternehmen sollen zu einer noch größeren internationalen Sichtbarkeit unserer Forschungsregion führen.

VDI nachrichten: Die Hochschule der Zukunft wird stärker im Netz vertreten sein. Wie virtuell ist die RWTH bereits?

Rauhut: Flächendeckend über die Stadt können die Studierenden über WLAN auf unsere Angebote zugreifen. Im Centrum für integrative Lehr- und Lernkonzepte (CIL) sind virtuelle Lernräume eingerichtet. Der Dozent einer Veranstaltung packt alle Materialien ins Netz, wo sie von den Studierenden abgerufen werden – egal, ob sie in der Kneipe oder Zuhause sitzen. Gänzlich virtuelle Vorlesungen wird es nicht geben. Meiner Ansicht nach können nur rund 20 % der Lehrinhalte virtuell vermittelt werden. W. SCHMITZ

Von W. Schmitz

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