Hochschule

„Die deutsche Ausbildung genügt den höchsten Ansprüchen“

Statt bedingungslos dem amerikanischen Vorbild nachzueifern, sollten sich die Planer der Hochschulreform auf deutsche Stärken besinnen, schreiben Tanja Rayle und Franz-Erich Wolter von der Universität Hannover im folgenden Artikel.

Zurzeit plant das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Hochschulreform mit neuem Dienstrecht für Professoren. Das BMBF beabsichtigt Veränderungen des deutschen Hochschulwesens, die an der angeblich „vorbildlichen“ Universitätswelt der USA orientiert sind. Damit soll auch bei deutschen Wissenschaftlern, die in den USA arbeiten, eine akademische Laufbahn in der Heimat an Attraktivität gewinnen. Es gibt zahlreiche Experten, die die Reformpläne begrüßen, dabei allerdings grundlegende ökonomische Daten und Qualitätsergebnisse außer Acht lassen.
Denn trotz vieler Unkenrufe genügt die Ausbildung an jeder deutschen Universität mit dem Diplomabschluss in Ingenieurwissenschaften, Informatik, Mathematik und Physik höchsten Ansprüchen und liefert sehr gute Qualifikationen der Absolventen, und dies bei hoher selbständiger Arbeitsfähigkeit und wissenschaftlicher Reife. Diese Qualifikationen sind meist besser als die eines entsprechenden „Master Degree“ an einer US-Universität, es sei denn, der Abschluss wurde an einer der zehn renommiertesten US-Universitäten erworben.
Was häufig nicht berücksichtigt wird: Gute US-Universitäten haben, bezogen auf gleiche Studentenzahlen, ein Vielfaches an Kosten und Personal wie deutsche Universitäten. So verfügen die Purdue University pro Studierendem über drei Mal mehr Personal als die Universität Hannover, die University of Illinois über mehr als drei Mal, das MIT über neun Mal, das California Institute of Technology über mehr als zwölf Mal soviel Personal. Der Personalmehraufwand spiegelt sich in den Kosten wider. So hat das MIT bei 10 000 Studenten ca. 2 Mrd. DM laufende Kosten pro Jahr, die Purdue University bei ca. 34 000 Studenten etwa 1,9 Mrd. DM Kosten, die Universität Hannover bei rund 29 000 Studenten weniger als 0,6 Mrd. DM Kosten davon beträgt der Anteil der Landeshaushaltsmittel nur etwa 0,3 Mrd. DM.
BMBF-Berichte besagen, dass 1995 die Ausgaben pro Studierendem in Deutschland bei einer Kaufkraft von 9000 US Dollar lagen. In den USA waren sie mit ca. 20 000 Dollar mehr als doppelt so hoch. Hierzulande beträgt der Gesamtaufwand für den Hochschulsektor rund 1 % des Bruttoinlandproduktes (BIP), die USA dagegen veranschlagen mehr als 2 %.
Studiengebühren liefern bei guten US-Universitäten mit Promotionsrecht nur einen kleinen Bruchteil der gesamten laufenden Kosten, meist weniger als 20 %. Auch ohne Studiengebühren könnten sich gute US-Universitäten mehr als doppelt soviel Personal leisten wie deutsche Hochschulen.
Im Kontext der nach US-Vorbild oft geforderten privaten Studiengebühren ist Folgendes bemerkenswert: Allein der staatliche Teil des BIP in den USA liefert einen um etwa 40 % höheren Anteil für die Hochschulfinanzierung als der hiesige staatliche und private Anteil am Hochschulsektor zusammen. Der relative Anteil an allen öffentlichen Mitteln, die in den USA in den Hochschulbereich fließen, beträgt dort 4,8 %, in Deutschland nur etwa 2,3 % aller öffentlichen Mittel.
Oft wird behauptet, dass die günstigere Personalausstattung an US-Universitäten eine bessere Betreuung der Studierenden ermöglicht und eine kleinere Studienabbrecherquote als in Deutschland bewirkt. Die neuen OECD-Zahlen über Studienabbrecherquoten weisen im gesamten deutschen Hochschulbereich jedoch 28 % und für die USA 38 % aus. Es ist allerdings zu vermuten, dass die Zahl der Studierenden, die einen technisch-mathematischen Studiengang beginnen, dann aber in einen anderen Studiengang wechseln, größer ist als 28 %.
Ein zentraler und heftig umstrittener Teil der geplanten Hochschulreform ist die Besoldungsreform für Professoren, nach der Gehälter künftig in drei steigenden Kategorien (W1, W2, W3) mit jeweils einem festen Grundbetrag und einer variablen Leistungszulage gezahlt werden sollen. Nach Besoldungsplanzahlen aus dem vergangenen Jahr ist für den W3-Professor (höchste Kategorie, entspricht in Deutschland dem derzeitigen C4-Professor, also dem Lehrstuhlinhaber, in den USA dem „Full Professor“), durchschnittlich ein Jahresgehalt von rund 150 000 DM vorgesehen, das ein festes Grundgehalt von etwa 110 000 DM und einen variablen Leistungsanteil von durchschnittlich ca. 40 000 DM enthalten soll. „Full Professors“ verdienten 1999 an großen Universitäten im Mittelwesten der USA durchschnittlich ein Jahresgehalt von ca. 90 000 US Dollar für einen Zeitraum von nur neun Monaten, wobei für zwei bis drei weitere Monate Vollzeitstellen außerhalb der Universität angenommen werden können. Zu dem akademischen Jahresgehalt kommen erhebliche Aufwendungen der Universität, im Durchschnitt mehr als 20 000 Dollar für Krankheits-, Altersvorsorge und ähnliches, die den US-Professor bei der Vorsorge nicht schlechter stellen als den hiesigen beamteten C4-Professor. Andere Tätigkeiten wie staatliche Forschungsprojekte (Grants) oder Lehraufträge tragen darüber hinaus zur Einkommenssteigerung bei. Grundsätzlich ist von einem Gehalt in Höhe von durchschnittlich mehr als 100 000 Dollar auszugehen. Das entsprach in Deutschland vor einem Jahr der Kaufkraft von rund 194 000 DM. Im Vergleich damit ist das vom BMBF geplante durchschnittliche W3-Professurjahresgehalt von 150 000 DM nicht konkurrenzfähig. Die mit der Rückwerbeaktion gesuchten jungen deutschen Wissenschaftler werden enttäuscht sein, falls sie ihre Karriere hierzulande als Juniorprofessor fortsetzen wollen. Haben sie nach Jahren intensiven Forschens eine W3-Position erreicht, werden sie mit der geringen Bezahlung nicht für ihre Bemühungen entlohnt.
Wenn man die hier dargestellten Bedingungen und Resultate im universitären Ausbildungsbereich berücksichtigt, dann sind die hiesigen Hochschulen beim Vergleich mit guten US-Hochschulen viel kostengünstiger und haben im Bereich der technisch/mathematischen Ausbildungsgänge einen besseren Wirkungsgrad. Auch außerhalb dieser Studiengänge ist unterhalb von Rankingplatz 60 vermutlich keine der etwa 1400 US-Universitäten im wissenschaftlichen Niveau mit irgendeiner größeren deutschen Hochschule vergleichbar. Insgesamt ist das hiesige System mit bescheidenen Mitteln erstaunlich leistungsfähig.
Eine Reform hiesiger Strukturen zu einem System, das in ökonomischer Ausstattung mit den USA konkurrieren soll, verlangt vergleichbare Investitionen. Das aber ist Kosten neutral nicht möglich. Die geplante Reform könnte verheerende Folgen für unser Bildungssystem haben. (siehe S. 5) F.-E. WOLTER/T. RAYLE

Von -E. Wolter/T. Rayle

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