Formula Student Germany

„Die beste Teamleistung wird am Sonntag gewinnen“

Joachim Reichle, Leiter der Personalentwicklung bei Mahle, glaubt an Bewerber, die sich bei der Formula Student (FS) engagiert haben. Da stört es auch nicht, wenn die jungen Menschen ein, zwei Semester länger studiert haben. „Sie bringen Erfahrungen mit, die sonst in den ersten drei Berufsjahren erworben werden müssten.“ Gleiches gilt übrigens auch bei einem sozialen Projekteinsatz in Afrika.

VDI nachrichten: Wie viel investieren Sie in die Formula Student Germany?

Reichle: Wir investieren mittlerweile das Zweieinhalbfache im Vergleich zu den Anfängen, weil wir überzeugt sind von dieser Initiative. Wir stehen hinter den Menschen, die den Wettbewerb tragen und den Studentengenerationen, die sich da die Nächte um die Ohren hauen.

Wie viele Teams unterstützen Sie?

Wir unterstützen im Moment sechs Teams aus fünf Hochschulen – eine Hochschule ist sowohl elektrisch als auch mit Verbrennungsmotor unterwegs. Mahle sponsert auch den Hockenheimring. Insofern unterstützen wir die gesamte Formula-Student-Germany-Community.

Was ist für Sie das Besondere an der Formula Student?

Dass sie Menschen zusammenbringt, die Leidenschaft für das Thema Antrieb, Mobilität und Fortbewegung haben. Früher hätte man gesagt: Da kommen Menschen zusammen, die „Benzin im Blut“ haben, die international ticken und sich selbst ehrgeizige Ziele setzen und leidenschaftlich an ihrer Verwirklichung arbeiten. Das sind alles Tugenden und Kompetenzen, die wir als Industrieunternehmen suchen. Insofern ist das eine tolle Initiative, die mich von Anfang an überzeugte.

Welche Rolle spielt die Internationalität?

Inzwischen gibt es ja gemischte Teams, die z. B. einen amerikanischen und einen deutschen Ast haben. Aber auch in den Wettkämpfen müssen sich die Teams international aufstellen und ihre Präsentation nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch halten. Da üben die Studenten unheimlich viele Sachen, die wir von unseren zukünftigen Mitarbeitern erwarten.

Haben Sie ehemalige Formula-Student-Mitstreiter unter Ihren Mitarbeitern?

Jede Menge. Ich würde sogar fast sagen: Wer sich auf eine ausgeschriebene Stelle für Akademiker bewirbt und in seinem Lebenslauf Formula Student hat, wird mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu einem Vorstellungsgespräch kommen. Oder zumindest wird er anders angeguckt als ein anderer Bewerber gleicher Fachrichtung mit gleichen Noten ohne diesen Hintergrund. Viele unserer Leute, die mittlerweile durchaus auch Karriere gemacht haben, haben Formula-Student-Background. Der jetzige Assistent unseres CEOs Heinz K. Junker war beispielsweise in herausgehobener Position im Formula-Student-Zirkus engagiert.

Die meisten FS-Studenten können ihr Studium nicht in der Regelstudienzeit abschließen. Ist das nicht ein Makel?

Nein! Die werden ein halbes Jahr oder ein Jahr älter sein, wenn sie rauskommen, aber sie bringen ein ganzes Bündel an sehr interessanten Erfahrungen mit, die sonst in den ersten drei Berufsjahren erworben werden müssten. Insofern sind sie eher „ein bis zwei Jahre jünger“. Das ist auch meine Beobachtung hier bei Mahle.

Wer sich bei der FSG engagieren will, muss auf einen studentischen Nebenjob verzichten. Bekommen Sie bei der FSG nur die Besten?

Nein, andersherum wird ein Schuh daraus. Wir rekrutieren ja nicht nur aus dem Kreis der Formula Student, sondern wenn jemand als Bewerber einen FS-Background hat, dann ist er schon die Extra-Meile gegangen und damit interessanter. Uns ist es als Firma genauso lieb, wenn jemand bei einem sozialen Einsatz in Afrika oder in Südamerika international in einem Projekt eingebunden war. Auch diese jungen Menschen sind diese Extra-Meile gegangen.

Warum sponsern Sie auch Teams mit elektrischen Boliden?

Wir haben von Beginn an gesagt, dass wir bei der elektrischen Version mitmachen werden. Denn egal wie die zukünftige Entwicklung aussehen wird – ob schnell alternative Antriebe kommen oder Motoren downgesized werden –, unsere Kompetenzen werden gebraucht. Umgekehrt müssen auch wir uns weiterentwickeln, so dass wir immer den Anforderungen unserer Kunden entsprechen: in puncto Qualität, Preis und Technik.

Mahle hat vor wenigen Wochen den Prototypen eines Range Extenders vorgestellt. Was erwarten Sie von den Teams der FS Elektro?

Uns interessiert das Engagement, bei dem Studenten auch mit Rückschlägen, mit Frustration, mit technischen Schwierigkeiten umzugehen lernen. Da wird eben nicht nur ein Elektromotor mit Strom versorgt und dann mit dem Boliden um die Ecke gefahren. Die Formula Student ist viel breiter aufgestellt. Ob nachher der Jungingenieur oder die Jungingenieurin bei uns doch klassisch im Verbrennungsmotoren-Spektrum arbeitet, wissen wir nicht. Wenn sie jedoch Spaß daran haben, Themen wie Verbrauchs- und CO2-Reduzierung anzupacken, dann ist das genau richtig.

Für Mahle ist die Unterstützung des Wettbewerbs vor allem Recruiting?

Ja, allerdings ist das nicht Rekrutierung im engeren Sinne, bei dem wir auch jeden finanzierten Euro wieder zurückkriegen wollen. Wir fördern die Formula Student, weil sie unserer Meinung nach ein sehr guter Ansatz ist, um Qualifikationen, Kompetenzen und Erfahrungen erlebbar zu machen – für junge Menschen, die technikbegeistert sind.

Ihr Tipp für 2012?

Ich habe keinen Favoriten, aber ich bin mir sicher, dass es derjenige wird, der die beste Teamleistung zeigt. Übrigens: Über die Jahre ist mir aufgefallen, dass das Leistungsniveau unheimlich kompakt geworden ist. Es ist angestiegen und die Abstände sind deutlich kleiner als noch am Anfang. Das werden Sie an den Rundenzeiten im Endurance sehen und auch an den Punkten der statischen Events. Das Ganze hat mittlerweile ein Gesicht und ein Niveau. Ich finde, das ist genau das, was auch ein Industrieunternehmen jedes Jahr machen muss: Rationalisierung, Verbesserung, Innovation.

Werden Sie vor Ort sein?

Ja. Ich schaffe es nur am Sonntag, aber da werde ich auf jeden Fall da sein.  

Von Lisa Schneider

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