„Die Aufregung vom ersten Tag war schnell verflogen“

„Meet the Best“ – Unter diesem anspruchsvollen Titel luden die VDI nachrichten im Januar zum 1. Recruiting Workshop des Verlages ein. Über 100 Top-Absolventen der Ingenieurdisziplinen nutzten die Chance, ihre potentiellen Arbeitgeber kennenzulernen.

Studenten diskutierten mit Fachleuten, brachten Ideen ein, mußten sich Korrekturen gefallen lassen. So wurden Probleme skizziert, um schließlich eine praxisnahe Lösung zu finden: Und das war bei den Fallstudien, mit denen sich die Teilnehmer des Recruiting Workshops „Berufseinstieg im Maschinenbau“ beschäftigen mußten, nicht so einfach.
In Schloß Waldthausen bei Mainz hatten die Top-Absolventen zweieinhalb Tage lang die Gelegenheit, sich Personalprofis und Fachleuten verschiedener Unternehmen als potentielle Mitarbeiter zu präsentieren. „Die VDI nachrichten wollen als Vermittler potentielle Arbeitgeber und Top-Absolventen zusammenbringen und ihnen in einer angenehmen Atmosphäre die Möglichkeit bieten, sich kennenzulernen“, erläutert Raymond Johnson-Ohla, Geschäftsführer des VDI Verlages, die Idee. Die Chancen, daß es aufgrund dieser Kontakte später zu festen Arbeitsverträgen kommt, stehen gut.
So will sich Martin Schwarz, der an der Märkischen FH Iserlohn Produktionstechnik studiert, nach seiner Diplomarbeit auf jeden Fall bei einigen anwesenden Unternehmen bewerben, zumal er nun mehr weiß über deren Anforderungsprofil. Schwarz: „Die anfängliche Aufregung war schnell verflogen, denn die Firmenvertreter sind sehr kollegial, locker und unkompliziert mit uns umgegangen, und wir konnten manche gute Information auch abseits des offiziellen Programms bekommen.“ Um am Workshop teilnehmen zu können hat Schwarz, wie alle anderen auch, ein spezielles Bewerbungsprozedere durchlaufen müssen. Abgestimmt auf die Anforderungsprofile der Unternehmen wählte ein neutraler Personalberater die Teilnehmer unter einer großen Anzahl von Bewerbern aus.
Neben dem offiziellen Programm bestand beim abendlichen Get-together in einer Weinstube ausgiebig Gelegenheit, auf einer mehr privaten Schiene mit Firmenvertretern über die ganz persönliche Karriereplanung zu diskutieren und den einen oder anderen guten Tip einzusammeln. Stand der erste Tag noch ganz im Zeichen der Information durch Firmenpräsentationen und einer Podiumsdiskussion zum Thema „Moderne Arbeitsprofile im Maschinenbau – Arbeitsplätze der Zukunft“, stellten die Studentinnen und Studenten am zweiten Tag vor allem ihr eigenes Wissen und Können unter Beweis.

In Fallstudien beschäftigten sich die Studenten mit praxisnahen Problemen

Dabei mußten kleine Gruppen mit maximal acht Teilnehmern in Fallstudien verschiedene Themenkomplexe aus dem betrieblichen Alltag durcharbeiten und die Lösungen schließlich präsentieren. Die zu behandelnden Aufgabenstellungen reichten von rein technischen Fragestellungen wie der Skizzierung eines Kalibrierwerkzeuges oder der Entwicklung einer Drehmaschine des Jahres 2010 über logistische Themen wie ein Lieferanten-Coaching-Programm bis hin zur Simulation eines Kick-off-Meetings.
„Dabei sind die Fallstudien für die Beobachter aus den Unternehmen mindestens ebenso spannend wie für die Studenten“, erläutert Johannes Schinnen, Leiter Logistikplanung der Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG, Coburg. Kein Wunder, denn bei der praktischen Arbeit zeigte sich, daß der Workshop keine Einbahnstraße war, weil sich auch die Unternehmen den Studenten öffnen mußten. Brose praktizierte dies über ein Standortkonzept für eine „just-in-time“-Belieferung von Türmodulen. Nach Aussage Schinnens war das Thema auch deshalb ausgewählt worden, um den Studenten die Logistik als Arbeitsgebiet „schmackhaft zu machen, da dieser Bereich sehr wichtig ist für den Erfolg eines Automobilzulieferers und daher einen enormen Stellenwert hat“.
Firmen wie Brose nutzten den Workshop, um sich als attraktiver Arbeitgeber vorzustellen sowie Wünsche und Anforderungsprofile an potentielle Mitarbeiter zu formulieren. „Als wachsendes, stark technisch orientiertes Unternehmen haben wir im In- und Ausland einen großen Personalbedarf, den wir auch durch unser Engagement hier decken wollen“, erläutert Brose-Personalleiter Jürgen Preil.
Das große Defizit an qualifizierten Maschinenbau-Ingenieuren der Fachrichtung Konstruktionstechnik motivierte die Thyssen Industrie AG, in Mainz dabei zu sein. Zwar waren Konstrukteure auch beim VDI- Nachrichten-Workshop dünn gesät, doch gab es nach Aussage von Walter Hartmann, Leiter des Stabsbereiches Personal des Geschäftsbereichs Thyssen Production Systems, Essen, hervorragende Kontakte, die in einer Festanstellung münden könnten. Hartmann: „Schon bei der ersten Fallstudie sind uns fünf sehr interessante Studenten aufgefallen, die wir näher kennenlernen möchten.“
Die Bearbeitung der Fallstudien ist nach Ansicht von Matthias M. Kohlhase, Geschäftsführer der Boehringer Werkzeugmaschinen GmbH in Göppingen, ein gutes Instrument, um vor allem etwas über die Persönlichkeit und „soft facts“ potentieller Bewerber zu erfahren. Die kompliziert anmutende Aufgabenstellung „Auslegung einer Fertigungszelle mit Produktionsmaschinen und Automatisierungseinrichtungen unter Berücksichtigung von technischen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten“ wurde, wie er hervorhebt, außerordentlich gut bewältigt. Auch bei Boehringer wird man sich einige Kandidaten näher anschauen. Dabei liegt der Reiz der Veranstaltung nach Aussage Kohlhases mit darin, daß sich auch die Unternehmen präsentieren können und nicht zuletzt durch die betriebsbezogenen, ausgewählten Fallstudien einen kleinen Einblick in die betriebliche Praxis und die Anforderungen des Unternehmens geben können.
So mußten die Studenten bei der Schenck Pegasus GmbH ein Kalibrierwerkzeug skizzieren, nach Aussage von Personalleiter Johannes Dörr eine typische Fragestellung für Ingenieure in der Konstruktion. Dörr: „Unsere Kunden kommen mit ganz konkreten Problemstellungen und erwarten von uns einen Vorschlag, wie das Problem zu lösen ist – dafür brauchen wir pfiffige Leute.“ Und die findet man offensichtlich bei „Meet the Best“. Nach der Aufgabenstellung herrschte nur für einen kurzen Moment Schweigen, aber dann wurden schnell die Schwerpunkte erarbeitet, Lösungsmöglichkeiten skizziert und bereits nach etwa einer Stunde präsentiert.
Doch selbst bei den von rein technischen Fragen dominierten Fallstudien ging es weniger darum, fachliche Kompetenzen zu begutachten. „Wenn wir die Teams bei der Gruppenarbeit beobachten, achten wir vor allem auf Kommunikationsvermögen, Teamfähigkeit. Durchsetzungsvermögen, Belastbarkeit, Organisationstalent und nicht zuletzt auch auf Präsentationsgeschick“, erläutert Thomas Fiedler von der Personalabteilung der Siemens AG, Bereich Automobiltechnik, in Regensburg. Veranstaltungen wie der Recruiting Workshop sind nach seiner Ansicht ein guter Weg, um Kontakte zu knüpfen und Unternehmen wie Hochschulabsolventen die Gelegenheit zu geben, sich zu präsentieren.
So nutzte Christian Willmann, Maschinenbau-Student an der FH Wolfsburg, den Workshop, um die teilnehmenden Firmen ganz gezielt auf ein von ihm zusammengestelltes Anforderungsprofil abzuklopfen. „Da ich große Unternehmen bereits kenne, interessiert es mich, wie Mittelständler mit Themen wie Flexibilisierung, Weiterbildung und Gehalt umgehen, ehe ich mich bewerbe“, gibt er unumwunden zu. Timo Schmidt studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Paderborn. Auch er nutzte die Tage, um handfeste Tips für seine berufliche Zukunft zu bekommen. Schmidt: „Ich will mir Anregungen holen, wie ich die letzten Studienmonate nutzen kann, welche Schwerpunkte ich setzen sollte, um meine Chancen auf einen interessanten Arbeitsplatz sinnvoll zu verbessern.“
Eine wichtige Hilfe dafür waren die Einzelgespräche, die am dritten Tag des Workshops stattfanden. Jeder Teilnehmer erhielt sein ganz persönliches Feedback aus seinem Verhalten im Rahmen der Fallstudien von Personalverantwortlichen der Unternehmen. Zudem gaben Heiko Mell von der MMC Personalberatung und Jörg Feucht-hofen, Koordinator für Bildungsfragen beim DIHT, handfeste Karrieretips und eine Firmenmesse bot zusätzliche Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Einen Tip von Feuchthofen: „Die jungen Leute müssen individueller mit ihren Stärken und Schwächen umgehen. Sie dürfen sich da nicht zu rezeptiv nach der einschlägigen Literatur richten.“
Doch egal, wie jeder einzelne die Informationen nutzen wird, die er beim ersten Recruting-Workshop „Meet the Best“ bekam, eines steht für Johannes Schinnen fest: „Laufbahnen und Karrieren sind nicht planbar – es liegt an jedem selbst, was er aus den Gegebenheiten und Chancen macht. Geduld, ein langer Atem und Glück gehören dazu, und gerade Ingenieure sollten sich auch mal von ihrem Gefühl leiten lassen.“
MAJA BECKER-MOHR
Die nächste Veranstaltung (Recruiting Workshop „Berufseinstieg Automobil 1999“) steht bereits fest. Sie wird vom 21. bis 23. Juni 1999 ebenfalls im Schloß Waldthausen bei Mainz stattfinden. Mehr erfahren Sie unter der Tel.-Nr. 0211/6188-106, über die E-Mail-Adresse recruiting@vdi-nachrichten.com und im Internet unter www.vdi-nachrichten.com/karriere
Wer übernimmt die Leitung des Teams? Wie gehen die Gruppenmitglieder miteinander um? Vor allem für Antworten auf diese Fragen interessierten sich die Personalexperten der Unternehmen.
Schloß Waldthausen bei Mainz bot den Teilnehmern eine Umgebung, in der die konzentrierte Arbeit während des Workshops Spaß machte.

Stellenangebote im Bereich Projektmanagement

Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Flughafen München GmbH Referent (m/w/d) Parkraum- und Flächenmanagement München
Weber-Ingenieure GmbH-Firmenlogo
Weber-Ingenieure GmbH Bauingenieur / Techniker (m/w/d) Bauwerksinstandsetzung Stuttgart
Weber-Ingenieure GmbH-Firmenlogo
Weber-Ingenieure GmbH Projektleiter Tragwerksplanung (m/w/d) Pforzheim
Carl-Thiem-Klinikum Cottbus gGmbH-Firmenlogo
Carl-Thiem-Klinikum Cottbus gGmbH Architekt / Projektingenieur (m/w/d) Cottbus
milon industries GmbH-Firmenlogo
milon industries GmbH Senior Entwicklungsingenieur in der mechanischen Konstruktion mit Teamleitung (m/w/d) Emersacker bei Augsburg
wh-p GmbH-Firmenlogo
wh-p GmbH Projektleiter (m/w/d) Tragwerksplanung – Leitung Großprojekte Stuttgart, Berlin
BSR-Firmenlogo
BSR Projektleiter (w/m/d) Elektrotechnik Berlin
Schüco-Firmenlogo
Schüco Ingenieur / Architekt (w/m/d) als projektleitender Konstrukteur Sonderkonstruktion Bielefeld
IPROconsult GmbH-Firmenlogo
IPROconsult GmbH Bauingenieur (m/w/d) für Bauüberwachung Bonn
IPROconsult GmbH-Firmenlogo
IPROconsult GmbH Projektleiter (m/w/d) Wiesbaden

Alle Projektmanagement Jobs

Top 5 Studium