Hochschule 19.05.2000, 17:25 Uhr

Die ASII adelt deutsche Ingenieur-Studiengänge

Stärkeren Bezug der Studiengänge zum Arbeitsmarkt wollen die neuen Akkreditierungsagenturen herstellen. Die ASII bemüht sich um die Qualitätssicherung der Ingenieurwissenschaften.

Der neue Schlüsselbegriff für das Ingenieurstudium der Zukunft lautet ASII. Die „Akkreditierungsagentur für Studiengänge der Ingenieurwissenschaften und der Informatik“ will die Qualität und Marktchancen der Bachelor- und Master-Ausbildung, also der Alternative zum herkömmlichen Diplomabschluss, überprüfen und gegebenenfalls zertifizieren. Vor wenigen Wochen konstituierte sich die Agentur als gemeinnütziger Verein. Zu den Gründungsmitgliedern zählen technische und berufsständische Vereinigungen wie der VDI, Wirtschaftsvertreter wie der Verband der Automobilindustrie sowie zentrale Akkreditierungsgremien der Universitäten und Fachhochschulen. Die vier Gruppen sind im Vorstand mit je zwei Vertretern gleichberechtigt.
Die fachliche Prüfung und Bewertung liegt bei einer Akkreditierungskommission, in die der ASII-Vorstand für die einzelnen Studiengebiete souveräne Sachkenner beruft. Sie kommen drittelparitätisch aus Fachhochschulen, Universitäten und der Wirtschaft, werden aber als Person und nicht als Funktionäre ihrer „Gruppe“ ins Amt gehoben. Ohnehin erweist sich die Kategorisierung als fast beliebig: So vertritt der Informatik-Professor August-Wilhelm Scheer als Gründer der IDS Scheer AG „die Wirtschaft“ – und ist als Hochschullehrer doch zugleich der hierzulande führende Schrittmacher der elektronischen, „virtuellen“ Universität.
Das neue Verfahren zur Qualitätssicherung mit Arbeitsmarktbezug geht auf das Hochschulrahmengesetz von 1998 zurück. Seither sind innovative Studiengänge nicht mehr von ihrer Übereinstimmung mit bundeseinheitlichen Rahmenprüfungsordnungen abhängig. Um sie zu modernisieren, schienen stets langwierige Abstimmungsprozesse zwischen der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Hochschulrektorenkonferenz erforderlich. Neuerdings kann die Gleichwertigkeit von Studiengängen auch durch „andere Instrumente wie beispielsweise Akkreditierungsverfahren“ gesichert werden, heißt es im Gesetz.
Die KMK führte den akademischen TÜV sofort für die neuen Bachelor- und Masterstudien ein. Die Minister betonten: „Es ist erforderlich, den Studienbewerbern und den künftigen Beschäftigern eine verlässliche Orientierung zu geben.“ Ein nationaler „Akkreditierungsrat“ unter Vorsitz des Mathematikers Karl-Heinz Hoffmann ermächtigt Agenturen, Studiengänge nach Sondierung mit dem Gütesiegel des Rates zu adeln.
Freilich: Eine offizielle Akkreditierung ist keineswegs zwingend. Entscheidend bleibt das Ja oder Nein des zuständigen Ministers. So genehmigte Gabriele Behler in NRW kürzlich einen sozialwissenschaftlichen Masterstudiengang ohne weiteres. Warum aber dann die umständlichere Prozedur? Heide Naderer vom höchsten Akkreditierungsrat erläutert: „Unser Verfahren mit der Einbeziehung der Wirtschaft stellt externe Qualitätsanforderungen in den Vordergrund, nicht allein solche aus dem Hochschulbereich.“ Demgegenüber sei die schon seit längerem geforderte Lehr- „Evaluation“, an der nur Professoren, Studenten und Wissenschaftsverwaltungen beteiligt sind, im wesentlichen ein „hochschulinterner Prozess“. Beide Steuerungsinstrumente könnten sich ergänzen. Karl-Heinz Simsheuser, Geschäftsführer der ASII, fügt hinzu: „Allein mit Prüfungsordnungen können wir ausländische Studenten und Hochschulen nicht von unserer Qualitätssicherung überzeugen. Wir müssen, wie die führenden ausländischen Bildungsanbieter, die konkreten Studienangebote unter die Lupe nehmen.“
Den Präsidenten des Akkreditierungsrats Hoffmann plagt sogar die Sorge, ohne nationale Anerkennungs-Verfahren könnte das deutsche Hochschulwesen von US-amerikanischen Prüfagenturen „kolonialisiert“ werden. Beispielsweise ließ sich die Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Universität Mannheim soeben von der International Association for Management Education (AACSB) durchleuchten und zertifizieren. Die Kosten in Höhe eines sechsstelligen DM-Betrags übernahm ein Spender. Das AACSB-Gütesiegel führe nicht zuletzt, so Prodekan Christian Homburg, weltweit zu größerem Verständnis für den deutschen Diplom-Abschluss. Mit der Zugehörigkeit zur Weltliga, stellt Homburg klar, sei jede weitere Akkreditierung für seine Fakultät überflüssig.
Für die Ingenieurwissenschaften stellt sich das Problem eines deutsch-nationalen oder internationalen Gütesiegels oder gar einer Kolonialisierung allerdings nicht. Der amerikanische ABET (Accreditation Board for Engineering and Technology) geriet in den letzten Jahren wegen seiner hauptsächlich quantifizierenden Untersuchungen in eine schwere Glaubwürdigkeitskrise. Ab Frühjahr 2001 soll ein neues Bewertungsverfahren gelten. Vor diesem Hintergrund kann ASII den Wettbewerb unbeschwert aufnehmen. HERMANN HORSTKOTTE
Die Aufwertung deutscher Studiengänge soll auch mehr ausländische Studenten anlocken, wie hier Jugoslawen und Türken, die an der TU Chemnitz am Versuchsaufbau eines Turbogebläses teilhaben.

Ein Beitrag von:

  • Hermann Horstkotte

    Hermann Horstkotte ist freier Journalist und  lehrte als Privatdozent an der RWTH Aachen. In Bonn arbeitet er als Bildungs- und Wissenschaftsjournalist.

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