Hochschule

Die Alma Mater und die Freiheiten des Unternehmertums  

VDI nachrichten, Bonn, 25. 5. 07, ws – Die Liberalisierungswelle wollen deutsche Hochschulen nutzen, um sich Geldquellen jenseits staatlicher Töpfe zu sichern. Firmenbeteiligungen bilden eine Möglichkeit auf dem Weg in Richtung Unabhängigkeit.

Forschern der TU München (TUM) gelang es kürzlich, Spinnenseidenfäden im Reagenzglas herzustellen und so den Weg in die industrielle Produktion zu ebnen. Die Universität gründet jetzt mit einer Chemiefirma ein Joint Venture.

„Auch wir denken daran, unsere Rechte aus den Diensterfindungen der Mitarbeiter in Unternehmensbeteiligungen umzusetzen“, sagt Hans Stender, Sprecher der Fachhochschul-Kanzler in NRW. Ihre Arbeitsgemeinschaft trainiert bei einer Versicherung finanzielles „Risikomanagement“. TUM-Präsident Herrmann hat für den Einstieg in das Spinnenseiden-Geschäft eine Unternehmensberatung eingeschaltet. Das Ziel aller: die Abhängigkeit von Vater Staat verringern.

Das Geld kommt aus eigenem oder Körperschaftsvermögen, etwa aus Spenden, Stiftungen oder Erbschaften. Solche Quellen zapfen Hochschulen unter dem Zauberwort Fundraising an, synchron mit dem Aufbau von Vereinen dankbarer Absolventen.

Für die eine oder andere Firmenbeteiligung will TUM-Präsident Herrmann „eine halbe Million in die Hand nehmen“.

Größeren Investitionsspielraum haben auch die vormaligen niedersächsischen Landeshochschulen gewonnen, die sich vor vier Jahren in Stiftungen umwandeln ließen. So gibt es etwa beim Präsidium der Universität Göttingen inzwischen eine Stabsstelle „Beteiligungsmanagement“.

An Rhein und Ruhr fließen seit Jahresbeginn sämtliche staatlichen Zuschüsse ins Körperschaftsvermögen und damit ohne weiteres auch in mögliche Beteiligungsvorhaben.

Das Sprungbrett in die freie Wirtschaft ist allemal der Technologietransfer, seit 2002 besonders lukrativ wegen der gesetzlichen Patentansprüche der Hochschulen. Unübertroffenes Musterbeispiel ist die Tudag-Gruppe an der TU Dresden mit acht Tochterunternehmen und weiteren Beteiligungen.

Tatsächlich haben bislang die wenigsten Hochschulen jenseits des Transfers eigene Firmen(-anteile), auch unter den Technischen Universitäten. Die Elite-Uni Karlsruhe ist an einem Unternehmen zur Prognose von Erdbeben- und sonstigen Naturkatastrophen beteiligt zu den Kunden zählen Versicherungen.

Die TU Darmstadt betreibt ein nanotechnologisches Unternehmen zusammen mit dem Henkel-Konzern. Was ist daran besser als eine lose Kooperation, ein beliebiger Forschungsauftrag? „Hier wurden verwandte Forschungsprojekte, die Henkel verstreut an verschiedenen Unis in Auftrag gegeben hatte, auf einer Arbeitsplattform zusammengeführt und verstetigt“, erläutert der Technische Direktor Tilo Poth.

„Die Synergie an einem Ort ist effektiver und die Forschung auf Vollzeitstellen wie in der Industrie schneller. Zudem hatte die Uni leer stehende Räume, die wir seit 2000 als Mieter nutzen.“

Ähnlich betreibt die Biotech-Firma Cytonet mit einer ganzen Reihe von Universitäten GmbHs zu Zellforschung und -therapie. „Unsere Aufgabe ist der möglichst schnelle Weg von der Klinik zum vermarktungsfähigen Produkt und zurück“, erklärt der Hauptgesellschafter und frühere SAP-Chef Dietmar Hopp. „Die Investitionen, die wir tätigen, erreichen Summen, die die Unis mit öffentlichen Fördermitteln nicht aufbringen können.“ Mit anderen Worten: Zugunsten der Wissenschaft mehr Kommerz auf dem Campus.

HERMANN HORSTKOTTE

  • Hermann Horstkotte

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Projektmanagement

HÜBNER GmbH & Co. KG-Firmenlogo
HÜBNER GmbH & Co. KG Projektkoordinator (m/w/d) Bauprojekte Kassel-Waldau
Stuttgarter Straßenbahnen AG-Firmenlogo
Stuttgarter Straßenbahnen AG Ingenieur (m/w/d) ITCS-Technik für Schienenfahrzeuge Stuttgart
IKA Werke GmbH & Co. KG-Firmenlogo
IKA Werke GmbH & Co. KG Konstrukteur / Projektleiter (m/w/d) Staufen
Prefere Melamines GmbH c/o Prefere Paraform GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Prefere Melamines GmbH c/o Prefere Paraform GmbH & Co. KG Betriebsingenieur – Kunstharzbetriebe und Rohstoffbereich (m/w/d) Frankfurt am Main
IPROconsult GmbH-Firmenlogo
IPROconsult GmbH Projektleiter*in (m/w/d) für Infrastruktur Wiesbaden
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke München GmbH Projektleiter (m/w/d) für die Verkehrsinfrastruktur mit Schwerpunkt Bus München
Kagema Industrieausrüstungen GmbH-Firmenlogo
Kagema Industrieausrüstungen GmbH Elektrokonstrukteur (m/w/d) Projektierung Pattensen / Hannover
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke München GmbH Bauingenieur oder Architekt (m/w/d) als Projektleiter für die Baudurchführung des Großprojektes U9 München
eta Energieberatung GmbH-Firmenlogo
eta Energieberatung GmbH Wirtschaftsingenieur für Projekte im Bereich Energiewirtschaft (w/m/d) Pfaffenhofen an der Ilm
SPITZKE SE-Firmenlogo
SPITZKE SE Bauleiter (m/w/d) Bahnbau Kaltenkirchen, Einsatzgebiet deutschlandweit

Alle Projektmanagement Jobs

Top 5 Studium

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.