Hochschul-Politik

DGS will CHE-Hochschulranking künftig boykottieren

Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) macht mobil gegen das Hochschulranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) und hat die soziologischen Institute aufgefordert, es künftig zu boykottieren. Während die DGS gravierende handwerkliche Fehler in der Durchführung des Rankings bemängelt, weist das CHE die Kritik als falsch zurück.

„Legt man die Qualitätsanforderungen empirischer Sozialforschung zugrunde, dann weist das CHE Ranking zu viele methodische Schwächen und empirische Lücken auf“, begründet Martina Löw, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS), den Aufruf, das Ranking Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) zu boykottieren.

Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS): Hochschulranking ist ungeeignet

Zudem seien Rankings ungeeignet, um über ein Studium zu informieren, so die Darmstädter Soziologin. Nach längeren Zweifeln werde man nun aktiv, weil selbst das soziologische Institut der Universität Jena, das zweimal hintereinander gut abschnitt, sich entschlossen habe, aus dem Ranking auszusteigen.

Die Fachgesellschaft kritisiert vor allem, dass zum einen die Aussagen zur Forschungsqualität von Hochschulstandorten auf der Einschätzung der Professoren und ungeeigneten, wenig aussagekräftigen, Datenbanken beruhe. Zum anderen werde die Qualität der Lehre auf der Grundlage von Studierendenaussagen beurteilt – trotz teilweise schwacher Rücklaufquoten, geringer Fallzahlen und „ungeklärter Selektivität“. Rahmenbedingungen wie Betreuungsrelation oder Lehrveranstaltungsgrößen würden nicht berücksichtigt.

Probleme sieht die DGS zudem in der Publikation des Rankings über die Print-Version der Zeitschrift „Die Zeit“, die im Gegensatz zur ausführlichen Online-Version nicht alle erhobenen Informationen umfasst. Dies lade zu Vereinfachungen und Fehleinschätzungen der Sachlage ein, die zwar Studierende wenig beeinflusse, aber Wissenschaftspolitiker, so die DGS-Experten.

CHE-Chef weist auf Weiterentwicklung des CHE-Hochschulrankings hin

Der Kritik begegnet das CHE mit Unverständnis. Man arbeite seit 15 Jahren kontinuierlich an der methodischen Weiterentwicklung des Rankings, betont der Geschäftsführer des Zentruns, Frank Ziegele. Die Methodik sei national und international so anerkannt, dass sich beispielsweise die französischen Universitäten mittlerweile zur Einführung des CHE Rankings entschlossen hätten.

Ziegele verweist auf die differenzierte Vorgehensweise des Rankings, das im Gegensatz zu anderen nicht viele Einzelinformationen zu einem Gesamteindruck verkürze, sondern bis zu 30 Indikatoren pro Fach abbilde und diese um Informationen ergänze.

Der CHE-Chef hält nicht nur die Kritik der DGS an der Erfassung der Forschungs- und Lehrindikatoren für unbegründet, sondern auch die wissenschaftspolitische Beurteilung des Rankings. Es biete die Chance, Stärken und Schwachstellen auszumachen und sie als Entscheidungsgrundlage mit hinzuzuziehen: „Wir kennen viele Beispiele, in denen gerade aufgrund der Rankingdaten positive Veränderungen in Fachbereichen eingeleitet wurden und Fächer Anliegen gegenüber Hochschulleitungen deutlich machen konnten.“

Das Hochschulranking wird alljährlich in drei Formen veröffentlicht: Einzelne Fächer werden für eine breite Öffentlichkeit auszugsweise in der Wochenzeitung „Die Zeit“ publiziert, im „Zeit Studienführer“ ausgewählte Indikatoren, die vollständige Version schließlich steht im Internet zur Verfügung. Mehr als 300 Hochschulen mit knapp 2700 Fachbereichen und rund 9000 Studiengängen erfasst die Online-Version nach Angaben des CHE.  3 Mio. Besucher pro Jahr auf der Seite mit ihren interaktiven Nutzungsmöglichkeiten sind für Ziegele ein Beleg, „dass die sorgfältig erhobenen Informationen gebraucht werden.“

Das Ranking habe sich über die Jahre hinweg als faire, informative und qualifizierte Informationsquelle durchgesetzt, sagt der CHE-Geschäftsführer. Die Soziologen jedoch wollen lieber den Ansätzen des Wissenschaftsrates folgen, der auf das Rating, also die Evaluation von Forschungsleistungen, setzt und dies bereits in Pilotprojekten mit den Soziologen und den Chemikern erprobt hat.

DGS will dem Hochschulranking ein eigenes Informationsangebot gegenüber stellen

Zudem plant die DGS ein eigenes Informationsangebot, das die Profile der Standorte stärker berücksichtigen soll. Aus ihrem Fachgebiet bekommt die DGS-Vorsitzende Löw derzeit nur positive Rückmeldungen: „Und ich gehe davon aus, dass das Thema demnächst alle Fachgesellschaften – auch die Naturwissenschaftler und Techniker – erreichen wird“, sagt die Soziologin.

Der Historikerverband hatte vor zwei Jahren kritisiert, das CHE führe Studenten mit seinen Rankings im Stile einer Bundesligatabelle in die Irre.

  • Jutta Witte

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