Selbst ist die Uni

Deutschland sucht die Superuni  

In Zeiten eines härter werdenden Wettbewerbs um kluge Köpfe und Forschungsgelder greifen manche höheren Bildungsanstalten zu Mitteln aus der Werbewirtschaft, um auf sich und ihre Meriten aufmerksam zu machen. Schein und Sein sollen im Einklang sein.

Solange ist es noch gar nicht her, da sorgten Berichte über den „blauen Punkt“ in den deutschen Medien und besonders im Fernsehen für Aufsehen. Kein Wunder, denn die Idee, entwickelt an der Uni Bonn, war außergewöhnlich: Der „TTI“ ist ein „intelligenter“ Lebensmittelaufkleber, der Dank des Einsatzes von Mikrokristallen zuverlässig die Haltbarkeit von Lebensmitteln anzeigt. Mindestens ein Dutzend Sender griffen das Thema auf. Neu dabei: Die Universität Bonn war selbst aktiv geworden und hatte so genanntes „Footage“-Material produzieren lassen, das sie den verschiedenen Redaktionen zugeschickt hatte.

Viele Medien machten aus diesem Material direkt einen kompletten Beitrag, der auf die Innovation, aber auch die wissenschaftliche Leistung der Hochschule hinwies: in Nachrichtensendungen, Magazinen oder Wissensbeiträgen. „Ein Großteil der Medienkommunikation läuft nicht mehr über Gedrucktes, das haben die Hochschulen bisher sehr vernachlässigt“, weiß Andreas Archut, der an der Hochschule für Presse und Kommunikation zuständig ist und als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft deutscher Hochschulpressestellen einen Gesamtüberblick hat. „Wir gehen damit einen neuen Weg, zukünftig werden die audiovisuellen Medien für alle Unis wichtiger werden, was die Außendarstellung angeht.“ Besonders in Zeiten von Uni-Rankings.

Die Sequenzen zum blauen Punkt hatte die Kölner Firma „Schnittpunkt“ im Auftrag der Uni produziert. Der Geschäftsführer Thomas Nowara hat bereits Erfahrung auf diesem Gebiet. Mit seiner Firma ist er auf Wissenschaftsbeiträge spezialisiert, die auch für Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden können. Ob im Auftrag des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft oder regionale Fördergesellschaften – seine Kundschaft wird immer größer. Soeben hat er für die Hochschule in der ehemaligen Bundeshauptstadt einen weiteren Auftrag realisiert: um auf den Studiengang „Molekulare BioMedizin“ aufmerksam zu machen. Bei diesem Elitestudiengang erhalten von 300 Bewerbern nach einem harten Auswahlverfahren vielleicht 30 einen Platz. „Wir versuchen, die Inhalte in eine allgemein verständliche Form zu bringen, aber immer noch wissenschaftlich korrekt“, beschreibt Nowara sein Vorgehen, „zusätzlich müssen die Zuschauer auch emotional angesprochen werden, damit sie sich für die Informationen öffnen.“ So versucht er Fachleute zu erreichen, aber auch Material herzustellen, welches in der Folge ebenso von Fernsehredaktionen direkt verwendet werden kann. Allzu aufwändig darf es nicht sein, da die Budgets meistens sehr gering sind. Hochglanzfilme mit aufwändigen 3D-Animationen sind deshalb nicht möglich.

„Für die Finanzierung haben wir Verschiedenes ausprobiert“, erklärt Archut, „wir können hier nicht wahllos Filme produzieren, das ist finanziell nicht möglich.“ Der Film zum blauen Punkt wurde vom Land Nordrhein-Westfalen, welches das Projekt sowieso unterstützte, mitfinanziert. Insofern bestand bei dem Förderer selbst ein Interesse, die Forschungen publik zu machen.

Die Wirkung solcher Kampagnen zeigt sich meist direkt. Beim „TTI“ folgten nach der Medienpräsenz der Erfindung sofort Gespräche und Verhandlungen mit großen Lebensmittelketten und anderen Wirtschaftsunternehmen, die das Produkt vermarkten werden.

„Wir müssen immer Gelegenheiten suchen, um dort, wo Filme sowieso entstehen, direkt auch Pressematerial zusammenzustellen“, beschreibt der Bonner Pressesprecher die Möglichkeiten, „wenn die Wirtschaft beteiligt ist, gibt es größere Möglichkeiten – das und die Zusammenarbeit mit Behörden sind Potenziale, die noch nicht ausgeschöpft sind.“ Und die Situation im Fernsehen ist zurzeit besonders günstig. Noch nie gab es so viele Wissensmagazine. Dabei greifen besonders private Anbieter auf vorproduziertes Material zurück.

Ein einzigartiges Beispiel gibt es in Mannheim. Dort ist „Campus-TV“ ein Instrument der Öffentlichkeitsarbeit der Universitäten Mannheim und Heidelberg sowie der Fachhochschule Mannheim und wird im Programm des Rhein-Neckar-Fernsehens, RNF-PLUS, gesendet.

Der Sender berichtet in einem Fenster über die gesamte Hochschullandschaft des Rhein-Neckar-Dreiecks mit immerhin mehr als 15 Universitäten und Fachhochschulen. „Campus-TV wird auf zwölf Programmplätzen gezeigt und hat angeblich über die gesamte Sendestrecke 210 000 Zuschauer“, berichtet der Produzent Joachim Kaiser. Archut jedenfalls prognostiziert: „Sich im Fernsehen zu präsentieren, wird für alle Hochschulen wichtiger werden – um auf die eigene Qualität hinzuweisen, um talentierte Studenten zu interessieren und um Partner aus der Wirtschaft zu gewinnen.“ WILFRIED URBE

Meine Uni in der Flimmerkiste

Bildung boomt und ist Thema bei vielen Sendern. Auf der anderen Seite sind die Universitäten in Zeiten verstärkten Wettbewerbs gefordert, eigene Inhalte einem breiten Publikum vorzustellen. So bestehen Möglichkeiten, beispielsweise Forschungsergebnisse von Instituten so zu „vermarkten“, dass sie Eingang in populärwissenschaftliche oder Wissenschaftssendungen finden. Ein Vorgang, der für die Öffentlichkeitsarbeiter der Hochschulen noch ungewöhnlich ist, der aber an Einfluss gewinnen wird.

Eigene Sender wie Campus-TV (gefördert durch RNF Plus, Fuchs Petrolub, Klaus Tschira Stiftung, John Deere AG und dire Landesanstalt für Kommunikation in Stuttgart) werden vorerst sicherlich noch die Ausnahme bleiben. Die Märzsendung des Senders offerierte unter anderem folgende Beiträge: „Wie sicher ist der so genannte Idiotentest?“ Rechtsmediziner der Uni Heidelberg stellen die Testkriterien auf den Prüfstand. „Was taugen Industrieroboter für die Lehre?“ Eine neue Robotergeneration an der Hochschule Mannheim kann „Hand in Hand“ arbeiten.

Im Zeitalter der digitalen Fernsehkanäle könnten allerdings Uni-Sender möglicherweise einen Boom erleben, da derartige Sender als Business to Business Modell mit Partnern aus der Wirtschaft funktionieren dürften. W.U.

Von Wilfried Urbe

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