Hochschule

Deutsches Markenzeichen in Europas Hochschulraum  

Was können die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus von den Absolventen erwarten? Wie sollten die politischen Rahmenbedingungen aussehen? Eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion soll in Hannover Licht ins Dunkel bringen.

Die Ingenieurausbildung befindet sich in Zeiten extremen Wandels. Der 1998 durch die Bildungsminister von Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland initiierte Reformprozess mündete wenig später in die Erklärung von Bologna, zu der sich inzwischen 40 europäische Nationen bekennen. 2010 soll der Wandel vollzogen sein.

Ziel der Reformen ist ein europäischer Hochschulraum, dessen Kern die neuen Studiengänge Bachelor und Master sind. Sie sollen den unbürokratischen Wechsel von einer europäischen Universität zur anderen ermöglichen. Auch für Deutschland heißt es somit, das Hochschulsystem gründlich auf Vordermann zu bringen. Dass nicht auch der Titel „Dipl.-Ing.“ in Vergessenheit gerät, dafür haben nicht zuletzt der VDI und die „TU 9“, die größten deutschen Technischen Universitäten, gesorgt. Er soll demnach als Markenzeichen deutscher Ingenieurausbildung erhalten bleiben.

Damit sind aber keinesfalls die Unsicherheiten aus dem Wege geräumt, die vor allem kleine und mittelständische Firmen beschäftigen. Welche Qualifikationen zeichnen die Absolventen der neuen Studiengänge aus? Sind die jungen Ingenieure bedenkenlos im Ausland einsetzbar? In welchen Firmenbereichen sind die Bachelor, in welchen Master am besten untergebracht? Wie sollten beide Absolventengruppen vergütet werden? Wie unterscheiden sich künftig Universitäts- von Fachhochschulabschlüssen?

Mit diesen und ähnlichen Fragen konfrontierten die VDI nachrichten im vergangenen Jahr 286 Unternehmen in Deutschland. Das Fazit: 89 % der Firmen hatten keine Erfahrungen mit dem „Bachelor of Engineering“ oder „Bachelor of science“, 91,6 % nicht mit den entsprechenden Master. 76 % gaben an, nicht ausreichend über die neuen Studiengänge informiert zu sein. Sollte sich der Kenntnisstand innerhalb des letzten Jahres auch verbessert haben, so weisen die Zahlen und eine endlose Reihe von Informationsveranstaltungen doch immer noch auf den immensen Aufklärungsbedarf hin.

Obwohl die meisten Verbände mit technologieorientierter Ausrichtung die Reformen begrüßen, ist auch Skepsis anzutreffen. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) fürchtet bei einem sechs Semester währenden Bachelorstudium einen Niveauverlust gegenüber dem Diplom. Sieben Semester seien das Minimum für ein hochwertiges Studium. Ein „Schmalspuringenieur“ indes könne nicht im Sinne des Standortes sein und gefährde vor allem die Leistungskraft kleiner und mittelständischer Unternehmen. Der VDMA wird auf der Hannover Messe eine aktuelle Studie präsentieren, die sich explizit mit den Anforderungen an die Reformstudiengänge aus Unternehmenssicht beschäftigt.

Und wie sieht die Politik die Entwicklung? Grundsätzlich äußerst positiv, schließlich hat sie den Prozess vor sieben Jahren ins Rollen gebracht. Und dennoch hat auch sie sich mit einigen bislang nur im Ansatz bewältigten Problemen zu befassen: So sind in den defizitären Haushaltskassen von Ländern und Hochschulen nicht genügend Gelder, um jedem Studenten den Zugang zum eher forschungsorientierten Masterstudium zu ermöglichen. Eine Qualifikation, die sicher auch nicht jeder Student anstrebt und die nicht von jedem Unternehmen gebraucht wird. Aber dennoch ist die Politik gefordert, einen Auslesemechanismus einzubauen. Zudem gelten in den Bundesländern verschiedene Regelstudienzeiten, was den Wechsel nach einem Bachelorstudium von einem ins andere Bundesland erschweren könnte.

Welche Lösungen die Christdemokraten anstreben und welche Möglichkeiten die Bundespolitik hat, die Qualität des deutschen Ingenieurstudiums zu sichern, darüber wird in Hannover die bildungspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Katherina Reiche, berichten. ws

Von Wolfgang Schmitz

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