Hochschule 18.10.2002, 18:22 Uhr

Der Zweifel als ständiger Wegbegleiter

Obwohl fachlich kompetent, scheitern sie am mangelnden Selbstvertrauen.

Die Zweifel ließen einfach nicht locker. Immer wieder haderte Simone Korell (Name von Red. geändert) mit ihrer Entscheidung, sich ausgerechnet Maschinenbau als Studienfach ausgesucht zu haben. Nach monatelanger Quälerei gab sie schließlich auf, obwohl die Noten gut waren. „Es war mir einfach zu blöd“, sagt sie heute.
Warum brechen Frauen wie Simone Korell ihr Technikstudium ab? Diese Frage interessiert viele Hochschulen brennend. Kein Wunder, dass Franziska Fellenberg bereits Anfragen verschiedener technischer Lehrstühle bekommen hat, obwohl ihre jüngste Studie genau zu diesem Thema noch längst nicht abgeschlossen ist. Doch bereits ihr erstes Fazit sorgt für reges Interesse.
Immerhin hat sie schon über 400 Studierende der so genannten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) befragt, „denn leider gibt es bei uns aus Datenschutzgründen ja keine Statistik über die genauen Abbrecherverläufe“, erklärt die Psychologin der Universität Trier. Ihr Ergebnis: Vor allem die negative Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten stellt bei den jungen Frauen das größte Hindernis für die Fortführung des Studiums dar. Fellenberg: „Diese empfundenen persönlichen Defizite äußern sich zum Beispiel in sehr starken Zweifeln, das Studium überhaupt erfolgreich beenden zu können.“ Aufgrund mangelnder Erfolgserlebnisse glauben zum Beispiel viele Frauen in den Ingenieurwissenschaften, ihnen fehlten die notwendigen Fähigkeiten, wie sie ihre männlichen Kommilitonen mitbringen. Die Crux: „Es handelt sich nicht um objektiv messbare Defizite, da die Frauen ihre Prüfungen durchaus schaffen, aber sie empfinden sich als nicht tough genug für den vollgepackten und oft theorielastigen Lehrplan.“
Der Rückschluss der Psychologin stellt die Hochschulen vor große Probleme: Die Studentinnen fallen nicht durch Prüfungen und damit auch nicht negativ auf, empfinden aber die bestandene Prüfung keineswegs als Erfolgserlebnis, frei nach dem Motto: Diesen Schein habe ich zwar noch geschafft, aber bei den großen Prüfungen falle ich sowieso durch. Für die Hochschulen kommt der Studienabbruch damit überraschend, wenn sie allein die Prüfungsergebnisse beobachten.
Auch an der Technischen Universität Berlin will man den Gründen für die unsichere „Ing-Studentinnen-Klientel“ auf die Spur kommen. Dazu werden im Bereich Maschinenbau jetzt sogar eigens Diplomarbeiten vergeben, die sich mit möglichen Ursachen beschäftigen. Daran sitzt zurzeit auch Anja Zschieschang, die vor allem fehlende positive Vorbilder bemängelt: „Viele Frauen, die z. B. ein Maschinenbaustudium durchgehalten haben, sind weit davon entfernt, es anderen zu empfehlen, weil sie sagen: Ich habe mich doch selbst da nur durchgequält.“ Der bereits angesprochene mangelnde Glaube an die eigenen technischen Fähigkeiten ist auch in ihren Recherchen der rote Faden enttäuschender Studienverläufe. „Hier tut der Studienalltag ein Übriges, wenn drei Frauen in einer Vorlesung auf 50 Männer treffen, weil viele Professoren immer noch denken und demonstrieren: Was wollen die eigentlich hier?“
Das Hochschulinformationssystem HIS in Hannover sitzt derzeit ebenfalls an einer Auswertung der jüngsten Studienabbrecherdaten, die neue Aufschlüsse über die weibliche Abkehr von der Technik geben soll. Dabei erwartet Projektleiter Karl-Heinz Minks, dass die Ergebnisse früherer HIS-Recherchen nichts an Bedeutung verloren haben: „Wir beobachten bei Studentinnen der technischen Studiengänge konstant einen regelrechten Entfremdungsprozess.“ Gerade im grundlagenorientierten Studienauftakt komme Technik so gut wie nicht vor. „Technik wird nicht erlebt“, bedauert Minks. So schlägt gleich zu Studienbeginn unter den Referenten die Stunde der Diplom-Mathematiker. Viele von ihnen sieben mit fachlichem Ehrgeiz Studienneulinge kräftig aus, anstatt mit Kreativität fachliche Zusammenhänge herzustellen, um so erste Erfolgserlebnisse zu schaffen. „Hier erweisen sich Frauen trotz ihrer oft sogar besseren mathematischen Begabung als anfälliger und fragen sich: Wofür das alles?, während sich Männer da eher durchbeißen.“ Doch immerhin registriert er auch Fortschritte: Verfechter des „Männerclub Ingenieurstudium“ seien seltener geworden. Auch Netzwerke wie das Bundes-Projekt „Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie“ trügen bereits erste Früchte.
Dafür will auch Franziska Fellenberg kämpfen: Die Ergebnisse ihrer Studie sollen im bereits bestehenden Mentorinnen-Netzwerk „Ada-Lovelace“ in Rheinland-Pfalz für Frauen in Technik und Naturwissenschaften an allen Hochschulen berücksichtigt werden. ANDREAS LEIMBACH

 

Ein Beitrag von:

  • Andreas Leimbach

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